Krieg im Libanon: Manchmal stirbt auch die Hoffnung
Mal wieder gilt eine neue Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah. Mal wieder wird sie gebrochen. Israel torpediert mit Luftangriffen den US-Iran-Deal.
Mona Khalil liebte das Meer in Mansouri im Süd-Libanon, besonders wegen der Wasserschildkröten, die dort jedes Jahr brüten und die sie als Umweltaktivistin dabei beschützte. In einem orangefarbenen Haus hieß sie Gäste willkommen, gemeinsam mit Freiwilligen säuberte sie den Strand von Plastik und Papier. Während des Krieges schloss sie die Tür für Gäste, weigerte sich aber, selbst zu fliehen, sagen Freunde. Das wurde ihr zum Verhängnis. Ein israelischer Angriff traf ihr Haus, Zeugen zufolge schlug das Geschoss auf der Seite ihres Schlafzimmers ein.
Die Umweltschützerin starb am Freitag an ihren Verletzungen. Sie ist nun eine von 3.980 Menschen, die durch Israels Angriffe im Libanon seit dem 2. März getötet wurden.
Der israelische Angriff traf das Wohnhaus am 4. Juni, eigentlich galt da eine Waffenruhe. Seit der Ausweitung des Krieges zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz im März wurden bereits mehrere Waffenstillstände ausgerufen: am 7. April, 17. April, 3. Juni, am 14. Juni durch den neuen Friedensplan zwischen den USA und Iran. Obwohl dieser explizit die Front im Libanon einschloss, trat am Freitagmittag ein separater sogenannter Waffenstillstand zwischen Israel und der Hisbollah in Kraft. Aber auch diese Waffenruhe wurde laut libanesischen Angaben bereits wieder gebrochen.
Beide Parteien hatten sich auf die Waffenruhe geeinigt, verkündete ein US-Beamter. Ein hochrangiger israelischer Beamter und zwei Hisbollah-Quellen bestätigten das der Nachrichtenagentur Reuters. Ein hochrangiger US-Beamter teilte Reuters mit, der Deal sei von Vermittlern der USA und Katar mit Unterstützung Irans ausgehandelt worden.
J. D. Vance ist am Flughafen umgekehrt
Zuvor hatten israelische Angriffe das US-iranische Interimsabkommen schwer auf die Probe gestellt. Am Freitag waren Angestellte des US-Vizepräsidenten J. D. Vance bereits am Flughafen Richtung Obbürgen in der Schweiz, um dort mit iranischen Vertretern die Details zu verhandeln. Doch dann wurde der Trip abgesagt. Der Grund: Israels Angriffe im Libanon.
Seit der Nacht auf Freitag bombardierte Israels Militär im Südlibanon und im Ostlibanon rund 100 Ziele, so libanesische Medien. 47 Menschen wurden getötet, darunter zahlreiche Kinder und Frauen, meldet Libanons Gesundheitsministerium. Es zählt 97 Verletzte. Die Hisbollah hatte zuvor vier israelische Soldaten bei ihrem Einmarsch im Südlibanon getötet.
Dabei hatte Iran zuvor gedroht, das Abkommen zu brechen, sollten israelische Angriffe im Libanon weitergehen. Die israelische Regierung lehnt das Abkommen entschieden ab und sieht darin eine politische Niederlage. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu möchte freie Hand haben beim völkerrechtswidrigen Einmarsch in den Libanon.
Israel wurde bei den Verhandlungen zur Vereinbarung zwischen den USA und Iran vergangene Woche wohl nicht konsultiert – die ultrarechte Regierung reagierte entsprechend verärgert auf die Forderung, den Einmarsch und die militärische Besatzung von 55 Grenzdörfern im Libanon zu beenden.
Bombardement kurz vor dem Deal
Weil US-Präsident Donald Trump den Deal mit Iran gefährdet sieht, ist er wütend auf Netanjahu. Dieser hatte bereits mehrfach die Verhandlungen torpediert, zum Beispiel mit einem Angriff auf Wohngebiete in Süd-Beirut. Wenige Stunden vor der Verkündung des Deals bombardierte die israelische Armee ein Wohnhaus im Beiruter Vorort Ghobeiry. Dabei wurden nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums mindestens drei Menschen getötet und 15 verletzt. Der Angriff brachte die Verhandlungen zeitweise an den Rand des Scheiterns.
Entsprechend Druck scheinen die USA gemacht zu haben, um mithilfe von Katar und Iran die Lage nun zu beruhigen. Am Freitagnachmittag wurde überraschend die Waffenruhe verkündet.
Ein paar Stunden sah es auch tatsächlich gut aus. Zwei libanesische Sicherheitsquellen berichteten, nach 17 Uhr Ortszeit seien keine Angriffe verzeichnet worden. Ein israelischer Militärbeamter bestätigte das. Israelische Streitkräfte würden aber weiter im Süd-Libanon bleiben, sagte ein israelischer Beamter gegenüber Reuters.
Am Samstagmorgen aber ist die Waffenruhe offenbar schon wieder Geschichte. Die staatliche Nachrichtenagentur NNA teilte mit, dass bei Angriffen von Kampfflugzeugen auf die Stadt Arabsalim im Raum Nabatija drei Menschen getötet worden seien. Zudem soll eine israelische Drohne einen Motorradfahrer getötet haben. Weiter berichtete die Agentur über den Beschuss der Stadt Nabatija und ihrer Vororte. Allein dort solle, so hieß es später vom libanesischen Zivilschutz, 16 Leichen geborgen worden seien.
Das israelische Militär teilte mit, es habe auf Beschuss seitens der Hisbollah reagiert. Mehr als 50 Geschosse seien in der Nacht auf israelische Streitkräfte im Südlibanon abgefeuert worden.
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