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Protest gegen Sicherheitspaket in BerlinDemo kritisiert „Ende der Privatsphäre im öffentlichen Raum“

Hunderte Menschen haben am Samstag gegen das „Sicherheitspaket 2.0“ der Bundesregierung protestiert. Viele der geplanten Maßnahmen sind in Berlin schon Realität.

Kameraattrappen und ein Transparent, auf dem „Bullen und Überwachung abschaffen“ steht: Rund 800 Menschen haben am Samstagnachmittag in Berlin-Friedrichshain gegen ein neues Gesetzespaket der Bundesregierung protestiert. Zur Demo hatte das zivilgesellschaftliche Bündnis „Sicherheit ohne Überwachung“ aufgerufen. Darin haben sich unter anderem der Republikanische Anwältinnen- und Anwälteverein, die Digitale Gesellschaft, das Grundrechtekomitee und die Rote Hilfe zusammengeschlossen.

Das sogenannte Sicherheitspaket 2.0 von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) sieht weitreichende Gesetzesverschärfungen vor. Etwa sollen Sicherheitsbehörden künftig biometrische Daten mit dem Internet abgleichen dürfen. Außerdem sollen Daten der Polizeibehörden zusammengeführt und mit künstlicher Intelligenz (KI) ausgewertet werden.

Der biometrische Abgleich bedeutet das Ende der Privatsphäre im öffentlichen Raum

Aktivistin

„Bundespolizei und das Bundeskriminalamt sollen die Befugnis erhalten, sämtliche im Internet verfügbaren Daten zu durchleuchten und einzusammeln“, warnte eine Rednerin des Bündnisses am Samstag auf der Demo. „Der biometrische Abgleich bedeutet im Endeffekt das Ende der Privatsphäre im öffentlichen Raum, weil jedes Foto, jedes Video, jede Tonaufzeichnung genutzt werden kann, um Menschen zu identifizieren und zu lokalisieren.“

Was auf Bundesebene geplant ist, ist in Berlin zum Teil schon Realität. Im vergangenen Dezember hat das Berliner Abgeordnetenhaus eine umfassende Reform des Berliner Polizeigesetzes verabschiedet, die ebenfalls einen biometrischen Datenabgleich, eine automatisierte Verknüpfung und Analyse von Daten sowie eine KI-gestützte Videoüberwachung vorsieht.

Ein Besuch im Görli

Die KI-Verhaltenserkennung soll in Berlin unter anderem an sogenannten kriminalitätsbelasteten Orten (kbO) eingesetzt werden. Auch deshalb besuchten die Ak­ti­vis­t*in­nen am Samstag vier dieser Gebiete: Nach einem Frühstück an der Ecke Rigaer Straße/Liebigstraße im Friedrichshainer Nordkiez startete die offizielle Demoroute an der Warschauer Brücke. Von dort ging es in den Görlitzer Park in Kreuzberg. Dort sprach eine Vertreterin der Initiative Görli 24/7 von einem „großen juristischen Erfolg“, nachdem das Berliner Verwaltungsgericht die Allgemeinverfügung zur nächtlichen Schließung des Parks für rechtswidrig erklärt hatte.

Im Anschluss zog die Demo noch zu kbO Nummer vier: das Kottbusser Tor. Auch hier soll bald KI-Überwachung starten.

In den Augen vieler Teil­neh­me­r*in­nen waren am Samstag zu wenig Menschen auf der Straße, um gegen die umfassenden Überwachungsmaßnahmen zu protestieren. „Die Größe der ‚Freiheit statt Angst‘-Demonstrationen von 2008 bis 2014 haben wir nicht erreicht“, sagte ein Aktivist zur taz. „Aber ein Anfang ist gemacht und wir müssen dran bleiben.“

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12 Kommentare

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  • Es wird wohl zukünftig keine einzige sportliche Großveranstaltung der Kategorie Olympische Spiele oder FIFA-Weltmeisterschaft mehr geben, die sich sicher durchführen lässt ohne die vermeintlichen "Segnungen" der Überwachungstechnologie mit dem Abgleich biometrischer Daten.



    Die bereits bekannten Bedrohungsszenarien, insbesondere durch Terror, sind einfach zu gravierend.



    Die Bundesrepublik Deutschland hatte diesbezüglich eine äußerst bittere und prägende historische Erfahrung 1972.



    Die Zusammenhänge der Schwerpunkte von Kriminalität und ihrer speziell "organisierten" Formen lassen hier auch wenig Zweifel offen, wie die Gegenstrategien der Behörden in Zukunft aussehen werden.



    Was aber ist, wenn die Daten-Pools mit personalisierten biometrischen Bezügen auch von Kriminellen genutzt werden?



    Das will sich keiner wirklich ausmalen.

  • Merkwürdig. Wenn ich in meinem Mehrfamilienhaus die Wohnungstür zum Hausflur überschreite, bin ich bereits nicht mehr in meiner Privatsphäre. Und wenn ich die Haustüre überschreit und auf der Straße bin, dann sowieso nicht. Wie sollen also Kameras in der ÖFFENTLICHKEIT die Privatsphäre gefährden?!

    • @Eulennest:

      Und was ist, wenn jemand in seinem Garten sitzt und schräg gegenüber ist eine Überwachungskamera montiert?

    • @Eulennest:

      So, wie ich das Verhalten (akustisch, olfaktorisch, optisch etc.) vieler Mitmenschen im öffentlichen Raum wahrnehme, halten diese Personen diesen für ihren ganz privaten Raum, der auch ihren ganz individualistischen Bedürfnissen gemäß genutzt werden darf.

  • Eine müßige Diskussion!



    Im benachbarten EU-Raum und erst recht in Übersee ist Überwachung gang und gäbe.



    Ich merke es, wenn ich alle paar Jahre mal die Geschwister in USA besuche: Da werde ich am Zoll schon mit "Hello, Mr.X" begrüßt.

    Biometrische Erfassung von Daten ist mittlerweile Pflicht; ich hoffe nur, daß damit die herausgefiltert werden, wo es angebracht ist.

  • Alle Betroffenheit ist selektiv.



    Ich unterstelle mal, dass viele die hier für die Freiheit demonstrieren kein Problem mit der Überwachung und Einschränkung der sozialen Medien haben?

  • Auch in Dortmund wird der Bahnhofsvorplatz seit einer besorgniserregenden Zunahme von Vorkommnissen und wegen einer entsprechend negativen Statistik und Bewertung überwacht.



    Als ich kürzlich dort als Ersthelfer ein Gewaltopfer versorgte, war d. Gelassenheit der d. Vorgang später dokumentierenden Polizistin groß. Auf meine Frage hierzu gab sie zur Antwort: Alles wäre aufgezeichnet, Details z. Täter seien daher von mir weniger relevant für dessen Ergreifung und Identifizierung. Offensichtlich kam er auch aus der "Stammkundschaft".



    Als neulich in Trier am Dom jemand, vermutlich a.e. der Manosphere, einer Mutter m. Kind auf d. Arm, die dessen "Kampfhund" vom alten und frisch operierte Familienhund abdrängen wollte, körperliche Gewalt (Tritte) androhte, musste ich daran denken, wie widersprüchlich Zeugenaussagen oft sind. Auch die Gruppe d. soeben adressiert. Zeitgenossen d. Manosphere wird in der Öffentlichkeit f. die Zivilgesellschaft zunehmend ein Problem d. Realität im Alltag. Das sollten wir bei aller Liberalität im Umgang miteinander nicht vergessen.



    www.fr.de/politik/...n-zr-93853977.html

  • Als Berlin Lichtenberger der fast täglich die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen muss, ist die verstärkte Sicherheitspolitik an Bahnhöfen und den Bahnen, ein Segen.



    Bis vor circa zwei, drei Jahren ist es immer schlimmer und verwahrloster geworden. Endlich werden Menschen konsequenter aus den Bahnen und den Bahnhöfen verwiesen.



    Vondaher gerne mehr Polizei, Sicherheitspersonal und auch Kameras.

  • Let’s face it: nachdem alles andere probiert wurde und die Situation nur schlimmer wurde, sind nun mal viele Berliner dazu bereit, dass sehr viel mehr Videoüberwachung stattfindet.

    Im Übrigen ist sie andernorts gang und gäbe, zB in Madrid oder Oslo. Und weder Spanien noch Norwegen haben sich in faschistische Polizeistaaten verwandelt

  • Wenn man bedenkt, dass die Kriminalitätsrate seit Jahren stagniert, verstehe ich den ganzen Aufwand nicht. Aber vielleicht ist die Angst der Herrschenden vor dem Volk einfach nur gestiegen!



    Mal sehen, was sich die Regierung als nächstes einfallen lässt: Vielleicht die Errichtung von Zugangssperren an allen Bahnhöfen, die die User zwingen, ein elektronisches Ticket für den Zutritt zu nutzen. Dann könnten alle Sicherheitsorgane sehen, wo sich jeder einzelne Bürger (Name und Adresse wird frei geliefert) während des Tages bewegt.

    • @Il_Leopardo:

      So wie in vielen anderen Ländern, in denen sich das bewährt hat? Diese Diskussionen finden immer nur in Deutschland statt. Sind die anderen alle doof?

  • Leider allzu spät, was man oder wer auch darüber berichtet. Das ist wie ein Schnellzug, die ganze Entwicklung ist (leider) nicht aufzuhalten.