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Erfurt im „Glücksatlas“ ganz obenGlück ist dort, wo die Mieten niedrig sind

Erfurt ist die glücklichste der 40 Großstädte in Deutschland, sagen Forscher. Auch in Oberhausen und Duisburg fühlen sich die Menschen wohler als in Berlin.

Glück muss man nicht nur haben, man muss es auch fühlen. Das ist die Haupterkenntnis des jährlichen Glücksatlas, der am Dienstag veröffentlicht wurde. Demnach ist in Erfurt die allgemeine Lebenszufriedenheit der Menschen unter 40 deutschen Großstädten am höchsten. Die Thüringer Landeshauptstadt klettert in dem Großstadtranking von Platz sechs im Vorjahr an die Spitze. Aber auch westdeutsche Städte, die gemeinhin nicht als Horte des Glücks gelten, schafften es in die Top Ten: Krefeld zum Beispiel auf Platz 4, Oberhausen auf 8, Duisburg auf 9.

Der Glücksatlas wird von der Universität Freiburg in Zusammenarbeit mit der Süddeutschen Klassenlotterie (SKL) erstellt. Für das Ranking wurden insgesamt 23.286 Menschen zwischen 16 und 84 Jahren vom Institut für Demoskopie Allensbach im Zeitraum von Januar 2023 bis April 2026 repräsentativ befragt. Die Befragten leben in den 40 größten Städten Deutschlands mit mehr als 200.000 Einwohnern.

Alle Städte, die von den Wis­sen­schaft­le­r:in­nen in den Top Ten gesehen werden, haben eins gemeinsam: Sie gelten als sogenannte Overperformer. Anders gesagt: Die Menschen dort fühlen sich wesentlich glücklicher, als es die Faktenlage vermuten ließe.

Die Realität sieht anders aus

Erfurt sei das beste Beispiel einer ruhigen ostdeutschen Großstadt, schreiben die Autoren der Studie. „Die Mieten sind gering, die Umweltqualität ist hoch und die wirtschaftliche Lage im Städtevergleich sogar leicht überdurchschnittlich.“ Erfurt hat rund 215.000 Einwohner, auf dem Glücksindex der Studie erreicht es einen Wert von 7,74.

Bei der Lebensqualität, also den messbaren Wohlfahrtsindikatoren wie zum Beispiel Einkommen oder Grünflächen, liegt Erfurt aber wie im Vorjahr nur im unteren Mittelfeld auf Rang 27. Oberhausen (Platz 35) und Duisburg (39) liegen sogar fast ganz am Ende der Tabelle. Mit anderen Worten: Faktisch ist es doch richtig mies, aber den dort Lebenden ist das offenbar vollkommen egal.

Ein Grund dafür ist die Größe der Städte. Die Befragten fühlen sich nach Angaben der For­sche­r:in­nen vor allem in mittelgroßen Städten wohl. Mit zunehmender Stadtgröße sinke im Durchschnitt die Lebenszufriedenheit. Erfurt hingegen gilt als beschaulich, grün und ästhetisch. Es lebt sich dort noch relativ günstig, die Umweltqualität ist hoch. Gegenüber vergleichbaren Städten im Osten wie Magdeburg oder Chemnitz könne sich Erfurt zudem abheben, weil die Zahl der Sozialhilfeempfänge sehr gering sei.

In Oberhausen ist der Kontrast zwischen den Fakten und den Gefühlen besonders krass. Das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner ist niedrig, die wirtschaftliche Lage angespannt und die Gesundheitsindikatoren fallen schwach aus. Oberhausen weist die meisten Angststörungen auf. Und keine Stadt ist stärker belastet durch Stickstoffdioxid in der Luft.

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Das Glück ziehen die Ober­hau­se­ne­r:in­nen aber aus stabilen Verhältnissen. Auch hier nennen die For­sche­r:in­nen vor allem die niedrigen Mieten und die hohe Eigentumsquote. Wer keine Angst um seine Wohnung haben muss, ist schon glücklicher als andere, die ständig zittern müssen.

Richtig realistisch schätzen übrigens die Menschen in Berlin ihre Lage ein. Sie sind laut den Wis­sen­schaft­le­r:in­nen so unglücklich, wie es den Fakten entspricht. Die viel gehypte Hauptstadt landet im Glücksatlas nur auf Platz 35 – auch hier nennen die Wis­sen­schaft­le­r:in­nen die Mieten als wichtigen Grund. Nur diesmal umgekehrt. Sie sind in Berlin in den letzten Jahren dramatisch gestiegen.

Und noch eine Erkenntnis zum Schluss: Die Ergebnisse legen Studie nahe, dass der Glücksatlas ein wenig geeignetes Sponsoringthema für die Süddeutsche Klassenlotterie ist. Denn der Lottoanbieter lebt ja vor allem von dem Versprechen, dass viel Geld sehr glücklich mache. Der Atlas hingegen lässt die Vermutung hinzu, dass Menschen vor allem dort sorgenfrei und damit glücklich sind, wo sie wenig Geld ausgeben müssen.

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4 Kommentare

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  • Also Erfurt kann ich mir gut vorstellen dort zu leben, aber Oberhausen und Duisburg? Nur weil dort die Mieten niedrig sind? Warum sind die denn niedrig? Rings herum sind sie doch deutlich höher. Das kann ich mir nur dadurch erklären, dass dort die Nachfrage für das Ruhrgebiet wohl sehr niedrig ist.

  • Mehr Geld am Ende für eigene private Zwecke, mehr echte Freiheiten. Kein Wunder dass man sich da "glücklicher" fühlt.

    Ich habe noch nie verstanden wie und warum Mieten in Deutschland so hoch gehen können, dass man alles Andere drumherum planen muss. Da hat der Staat versagt, die Kommunen aber auch die Bürger, die manchmal jede Summe für jeden Mist bezahlen. Mehr Planwirtschaft und mehr Solidarität und mehr Widerstand tut Allen gut!

  • Anonymität, geringe Mitsprache, hohe Mieten und allgemein höhere Lebenshaltungskosten sind eine schkechte Wohlfühlkombi.



    Die grossen Städte sind nur im Zentrum schön. Da, wo die meisten Städter leben, in den Aussenbezirken wo man sich die Mieten überhaupt noch leisten kann, in den oft runtergekommenen Mietskasernen herrscht Ghetto-Feeling!



    Also - wen wunderts?

  • "Die Menschen dort fühlen sich wesentlich glücklicher, als es die Faktenlage vermuten ließe."



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    Und dann wird doch versucht irgendwelche Fakten herbeizuziehen.



    Zum Beispiel Stadtgröße. Das mag bei Erfurt klappen, aber bei Oberhausen und Duisburg eher nicht, da es zwar eigene Städte sind, aber die Übergänge im Ruhrgebiet sind fliessend, kaum zu unterscheiden von denen zwischen Berlinern Bezirken.



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    Und Oberhausen hätte gleichzeitig niedrige Mieten und eine hohe Eigentumsquote. Das spricht für große Gefälle zwischen Stadtteilen - mit verschiedenen Glücksgefühlen. Warum ziehen die niedrigen Mieten mit hohem Glücksgefühl kaum neue Leute an?



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    Also mehr Gefühle wagen? Das kann aber auch täuschen, da viele fühlen, D stehe kurz vor dem Abgrund ... seit Jahren und doch plus minus glücklich sind.