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Bundestag debattiert über ArbeitszeitAchtstundentag noch nicht ganz abgeschrieben

Bevor die Regierung ihre Reform des Arbeitszeitgesetzes vorlegt, ist diese am Freitag Thema im Bundestag. Die SPD tritt auf die Bremse.

Der hart erkämpfte Achtstundentag könnte bald an den Nagel gehängt werden: eine Uhr und Kleiderbügel Foto: Marion Barat/plainpicture

Aus Berlin

Jule Frank

Seit über 100 Jahren gilt in Deutschland der Achtstundentag. Im Moment steht seine Abschaffung im Raum: Im Koalitionsvertrag haben sich die Regierungsparteien das vorgenommen. Für Juni ist ein Gesetzesentwurf angekündigt, schon am Freitag waren die möglichen Änderungen aber Thema im Bundestag – auf Antrag von Grünen und Linken.

Anlass dafür waren unter anderem Äußerungen von SPD-Arbeitsministerin Bärbel Bas vor einer Woche beim DGB-Bundeskongress: „Wenn es nach der SPD und mir persönlich geht, fassen wir das Thema gar nicht erst an.“ Allerdings schob sie hinterher: „Aber es steht im Koalitionsvertrag.“

Ihr Parteikollege Jan Dieren schlug am Freitag einen anderen Ton an. „Ich möchte einmal kurz klarstellen, dass im Koalitionsvertrag nicht vereinbart ist, den Achtstundentag abzuschaffen“, sagte der SPD-Abgeordnete. Die Partei tue gut daran, „ihn nicht leichtfertig aufzugeben“.

Tatsächlich ist im Koalitionsvertrag vereinbart, man wolle „im Einklang mit der europäischen Arbeitszeitrichtlinie die Möglichkeit einer wöchentlichen anstatt einer täglichen Höchstarbeitszeit schaffen“. Damit würde der gesetzlich geschützte Feierabend nach acht Arbeitsstunden – oder nach zehn Stunden mit anschließendem Ausgleich – wegfallen.

Die EU-Richtlinie sieht eine Höchstgrenze von 48 Stunden pro Woche vor, ein Tageslimit gibt es nicht. Zwischen zwei Arbeitstagen müssen nach EU-Recht allerdings mindestens elf Stunden Ruhezeit liegen.

Die Union verspricht sich von der geplanten Gesetzesänderung vor allem mehr Flexibilität. Ar­beit­ge­be­r:in­nen sollen Schichten flexibler organisieren dürfen, Ar­beit­neh­me­r:in­nen sollen Beruf, Familie und Freizeit leichter miteinander vereinbaren können. Dabei gehe es der Union nicht darum, dass insgesamt mehr gearbeitet werde, betonte der CDU-Abgeordnete Wilfried Oellers am Freitag im Bundestag. Es solle lediglich mehr Entscheidungsfreiraum geschaffen werden, um die Arbeitszeit auf die einzelnen Wochentage zu verteilen.

Opposition beklagt Gesundheitsfolgen

Eine Abschaffung des Achtstundentags sei ein Gesundheitsrisko für Beschäftigte, argumentierten hingegen Grüne und Linke. Arbeitstage von zwölf oder dreizehn Stunden, wie sie durch eine Änderung des Arbeitszeitgesetzes möglich würden, seien eine Belastung für Körper und Psyche, gegen die sich Ar­beit­neh­me­r:in­nen dann nicht mehr wehren könnten. Besonders betroffen seien diejenigen, „die sowieso schon wenig selbstbestimmt arbeiten“, sagte Linkenpolitikerin Anne Zerr und verwies etwa auf Gastronomie und Pflege.

Auch bei der SPD zieht das Flexibilitäts-Argument nicht. „Das funktioniert ja jetzt schon“, sagte der Abgeordnete Bernd Rützel. 2024 wurden laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) 1,2 Milliarden Überstunden geleistet – mehr als die Hälfte davon unbezahlt.

Auch viele Tarifverträge beinhalten bereits flexible Arbeitszeitmodelle. „Flexibilität, die Druck auf Beschäftigte erhöht, ist nicht sozial und nicht modern“, fügte Parteikollegin Angelika Glöckner hinzu. Es sei außerdem nicht wirtschaftlich, denn bei zu langen Arbeitstagen lasse die Leistungsfähigkeit nach.

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Laut einer aktuellen Forsa-Befragung sprechen sich rund zwei Drittel der abhängig Beschäftigten dafür aus, statt einer Höchstarbeitszeit pro Tag eine Höchstarbeitszeit pro Woche einzuführen. Dagegen steht eine Umfrage des DGB aus dem Juli 2025, wonach 98 Prozent der Beschäftigten nicht länger als zehn Stunden pro Tag arbeiten möchten.

Die Debatte wird nun in der Regierungskoalition ausgefochten. Noch vor der parlamentarischen Sommerpause könnte der Bundestag dann wieder über das Thema diskutieren – wenn der Gesetzentwurf von Bärbel Bas da ist und das Kabinett passiert hat.

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4 Kommentare

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  • Es ist eine unverschämte Lüge der Union, dass die Auflösung des Acht-Stunden-Tages der "besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf" dienen würde. Fakt ist: Es drohen 13-Stunden-Schichten und dies nützt ausschließlich dem Arbeitgeber, der dann sehr viel freier über die Arbeitszeit seiner Angestellten verfügen kann, was zu einem unplanbaren Privatleben führen wird. Ich empfehle an dieser Stelle das Interview "Es wird mehr Unfälle geben" aus der Jungle World 09/2026, wo ein NGG-Gewerkschafter die Folgen aus Arbeitnehmerperspektive erörtert.

    Der Acht-Stunden-Tag ist eine Errungenschaft, die die willkürliche Verfügung über die eigene Arbeitskraft begrenzt und somit ein Schutz, der ein einigermaßen geordnetes Privatleben ermöglicht. Lasst euch nicht einlullen: Der Acht-Stunden-Tag muss verteidigt werden! Es gibt schon genug Ausnahmen, die mehr als acht Stunden pro Tag erlauben.

  • Ich habe in meinem alten Beruf im Gesundheitswesen manchmal Doppelschichten geschoben, einfach weil keine Ablöse kam. Generell standen Überstunden auf der Tagesordnung. Es waren so viele, dass es eigentlich Illegal war, aber wenn man sich um Menschen kümmert und sonst keiner kommt, ist es scheinbar zulässig. Nun nach einer Depression, habe ich den Job gewechselt und arbeite nun 8h im Home-Office.

    Wenn ich das richtig verstehe, wäre mit dem Gesetz die Tür dafür geöffnet, dass ich nach 6h mein Kind abholen kann, mit ihm Abendbrot mache, es ins Bett bringe und Abends dann noch die restlichen 2h nachhole? Oder ich muss Mal zum Arzt, oder habe einen anderen Termin und hole dann die Stunden Abends nach, oder arbeite einen anderen Tag zum Beispiel 10h.

    Das klingt für mich nach einem Alptraum, denn wir sind alle keine Maschinen. Ich würde dann eher in Teilzeit wechseln und weniger Arbeiten, aber genau das will die Regierung ja nicht. Alle sollen voll arbeiten, statt sich um ihre Kinder zu kümmern.

    Ich hoffe inständig das Frau Bas das nicht mitmacht.

    • @Norman Pendzich:

      @Norman Pendzich



      Es geht um Abschaffung von Arbeitzeitrechten / Arbeitnehmerschutz von Arbeitnehmern, es geht um mehr Flexibilität der Weisungsgebenen / Arbeitgeber.



      Sie als Arbeitnehmer sind WEISUNGDGEBUNDEN wenn Ihr Arbeitgeber, ANWEISUNG gibt haben SIE zu folgen, sollte dieser Arbeitnehmerschutz durch die SPD tatsächlich verraten werden, müssen Sie, wenn Ihr Arbeitgeber Ihnen die Anweisung gibt 13 Std. am Stück Arbeit zu leisten, dieser ANWEISUNG nachkommen, außer Sie wollen Ihren Job verlieren. Ihre Befindlichkeiten spielen keine Rolle mehr.



      Weitere Infos unter :



      www.verdi.de

  • "Seit über 100 Jahren gilt in Deutschland der Achtstundentag."



    Plakativ, aber oft inaktiv.



    Wer der Boomer-Spitze angehört, hatte Chefs damit empört.



    (Krankenhäuser über die Runden kamen nur mit Überstunden)



    /



    Hier zu dem Umbruch in einer Epoche und einen Paradigmenwechsel im Gesundheitswesen aus dem Archiv:



    www.aerzteblatt.de...-b4d8-ce0626140f95



    Es wird spätestens Diskussionen geben, wenn die Möglichkeiten des Einsatzes von Robotik und KI offensichtlich werden und in der Praxis evaluiert werden können.



    Maschinen laufen ohne zirkadiane Rhythmen und ihre Betriebsstunden sind Teil der Rentabilität.



    Die Konkurrenz beispielsweise im Bankensystem sitzt heute in Asien, speziell Indien, und nicht physisch nebenan.



    Es geht hier am Anfang und Ende auch um eine ethische Mitverantwortung der EntscheiderIinnen.



    Im ÖPNV treffe ich häufig auf FernpendlerIinnen, die insgesamt mit der Anfahrt und Heimfahrt täglich deutlich mehr als 10 Stunden unterwegs sind, oft aber mit erstaunlichem und bewundernswertem Idealismus. Das könnte sich ändern...