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Einigung zwischen EU und USAEuropa in der Bredouille

Hannes Koch

Kommentar von

Hannes Koch

Der Zolldeal mit den USA ist kein guter für das wirtschaftlich schwache Europa. Zum Glück ist er zeitlich bis Ende 2029 befristet.

Die EU ist zu schwach, um stärker aufzutrumpfen: Kommissionspräsidentin von der Leyen bei bilateralen Gesprächen mit Trump Foto: White House/ZUMA Press/imago

D ie EU steckt in der Bredouille. Da gibt es nur halbgare Lösungen. Zum Beispiel die, den unfairen US-Importzoll von 15 Prozent zu akzeptieren, wenn andernfalls 25 Prozent oder mehr drohen. Dieser Einsicht hat sich jetzt die Europäische Union mit ihrem Kompromiss gebeugt. Das ändert nichts daran, dass das Handelsabkommen aus europäischer Sicht schlecht ist und einseitig den Interessen der US-Regierung dient.

Der Golfplatz-Vertrag zwischen US-Präsident und EU-Präsidentin vom Sommer 2025 geriet kürzlich wieder ins Trudeln, weil Donald Trump Grönland haben wollte und das oberste US-Gericht dessen Zollpolitik zurückwies. Da fühlten sich manche in Europa an die nachteilige Absprache nicht länger gebunden – was die US-Regierung mit der Drohung abermals höherer Zölle beantwortete. So stieg der Druck, dass Europa das Abkommen nun doch offiziell beschließt.

Null Prozent wird also der Zoll für viele US-Produkte betragen, wenn sie auf die europäischen Märkte kommen. Umgekehrt dürfen die USA aber 15 Prozent auf EU-Waren erheben. Das verteuert beispielsweise hiesige Fahrzeuge und verschlechtert ihre Absatzchancen jenseits des Atlantiks.

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Plausibel dagegen erscheint, dass sich die EU vorbehält, das Abkommen 2029 zu revidieren, wenn Trump hoffentlich weg ist. Auch die Notfallklausel macht Sinn: Sollten die USA sich nicht an ihre Zusagen halten, sieht die EU sich an ihre ebenso wenig gebunden. Ob diese Vorkehrungen in der Praxis halten, muss man allerdings abwarten.

In jedem Fall bleibt die unangenehme Erkenntnis: Die EU ist zu schwach, um stärker aufzutrumpfen. Die wirtschaftliche Stagnation, die Probleme vieler Unternehmen und die militärische Abhängigkeit reduzieren den Spielraum. Doch der Weg in eine bessere Verhandlungsposition führt über eigene Stärke: höhere Produktivität, mehr Erfindungen, teilweise Selbstversorgung und Aufrüstung, damit Europa sich selbst schützen kann. Das wird aber ein Jahrzehnt dauern. Die Bredouille ist zum Teil hausgemacht.

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Hannes Koch
Freier Autor
Geboren 1961, ist selbstständiger Wirtschaftskorrespondent in Berlin. Er schreibt über nationale und internationale Wirtschafts- und Finanzpolitik. 2020 veröffentlichte er zusammen mit KollegInnen das illustrierte Lexikon „101 x Wirtschaft. Alles was wichtig ist“. 2007 erschien sein Buch „Soziale Kapitalisten“, das sich mit der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen beschäftigt. Bis 2007 arbeitete Hannes Koch unter anderem als Parlamentskorrespondent bei der taz.
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6 Kommentare

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  • ja, dieses Zollabkommen ist ein Problem für Dtl aber weniger für die EU. Das eigentliche Problem ist aber, dass Dtl durch die Exportfixierung sich selbst diese Achillessehne geschaffen hat. Dass es über kurz oder lang so kommen würde, war absehbar. Europa konnte sich gegen einen deutschen Bilanzüberschuß nicht wehren, die USA können es.



    Ändert sich das dt Wirtschaftsmodell nicht, wird es enger werden. Die Zeichen stehen auf Begrenzung des Welthandels, weiterhin auf Kostensenkung im Inland zu setzen um in der Welt "wettbewerbsfähig" zu sein, ist naiv und gefährlich. Die Gründe für den Exportrückgang haben andere Ursachen.

    • @nutzer:

      Hat Deutschland überhaupt einen nennenswerten Handelsüberschuss, wenn man die Umsätze im Digitalbereich realistisch veranschlagt. Alphabet, Meta usw machen mit Deustchen Nutzern erhebliche Umsätze, die aber in den Handelsbilanzen so gar nicht erfasst sind.



      Aber da traut sich ja weder unsere Regierung noch die EU ran.

      • @T-Rom:

        Kann man ja mal probieren... der Schuß geht in jedem Fall nach hinten los. D ist vom Export abhängig, damit sitzt die dt Wirtschaft am kürzeren Hebel. Kann man doof finden, ist aber nicht zu ändern. Dann noch ein größeres Fass aufzumachen, das wird richtig böse enden. Das weiß auch die EU Kommission und die dt Politik. 15% sind günstiger als alles was sonst drohen könnte.

  • Wieso sollte eine künftige US Regierung bereit sein, das Abkommen zu revidieren? Es bringt Geld und verschafft der US Wirtschaft einen Vorteil.

  • Für einen - IMO notwendigen - Handelskonflikt mit dem Land des verrückten Königs (formerly known as USA) benötigte es ein halbwegs einiges Europa und natürlich PolitikerInnen mit Rückgrat. Denn die Vereinbarungen tragen massiv zur aktuellen Krise bei. Und mit Digitalsteuern hat Europa ein immenses Drohpotential in der Hand.

  • Frau v d L hat sich über den Tisch ziehen lassen. Darauf zu hoffen, dass Trump verschwindet, ist riskant, denn Vance ist kein Stück besser, eher gefährlicher, denn er kann denken, anders als Trump. Aber auch das unterwürfige Verhalten vieler ranghoher Politiker gegenüber dem Kasper in Washington ist nicht gerade nützlich.