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Gutachten von WissenschaftlernTierhaltungskennzeichnung darf auch für Importfleisch gelten

Agrarminister Rainer will die geplante verpflichtende Haltungskennzeichnung von Fleisch auf Importe ausweiten. Experten halten das für zulässig.

Dass dieses Schwein im Stall gehalten wurde, soll beim Kauf seines Fleisches gleich erkennbar sein Foto: dpa

Eine obligatorische Tierhaltungskennzeichnung von Fleisch darf Wissenschaftlern zufolge auch Importe erfassen. „Die Einbeziehung ausländischer Lebensmittel in die staatliche Tierhaltungskennzeichnung ist rechtlich grundsätzlich tragfähig“, heißt es in einem Gutachten der AgrarökonomInnen Jasmin Zöllmer, Achim Spiller, Harald Grethe und des Juristen José Martínez.

Die Kennzeichnung der Haltungsbedingungen sei mit den Vorschriften der Europäischen Union und der Welthandelsorganisation (WTO) vereinbar, wenn sie Einfuhren nicht diskriminiere. Dafür solle das Bundesagrarministerium in seinem Referentenentwurf für das entsprechende Gesetz ausdrücklich klarstellen, dass „gleichwertige ausländische Haltungs-, Kontroll- und Zertifizierungssysteme anerkannt werden“, heißt es in der Expertise, die die Tierschutzbeauftragte und das Agrarministerium von Niedersachsen in Auftrag gegeben haben.

Das schwarz-weiße Label sieht fünf Stufen von „Stall“ über „Auslauf/Weide“ bis „Bio“ vor. Ziel der Kennzeichnung ist, dass die Konsumenten leichter tierfreundlichere Produkte auswählen können, dieses Fleisch deshalb öfter gekauft wird und am Ende mehr Tiere artgerechter gehalten werden.

Ziel der Kennzeichnung ist, dass am Ende mehr Tiere artgerechter gehalten werden

Bundesagrarminister Alois Rainer (CSU) hat den Start der von der Ampelkoalition initiierten Kennzeichnung, die zunächst nur für Schweinefleisch gelten soll, aber verschoben. Er will sie nun auch für ausländische Ware und die Gastronomie vorschreiben.

Unkompliziert in die niedrigste Stufe

Gerade letzteres wäre ein Vorteil gegenüber der privaten „Haltungsform“-Kennzeichnung in Supermärkten. Bei den höheren Stufen müssten ebenfalls die Ferkel nach deutschen Standards „erzeugt“ worden sein: Zum Beispiel dürften sie nur unter Betäubung kastriert und die Sauen nur einige Tage in engen Einzelkäfigen untergebracht werden. Zudem sollen neben unverarbeiteten „frischem“ Fleisch insbesondere bestimmte verarbeitete Produkte mit einem hohen Fleischanteil einbezogen werden.

Rainer wartet derzeit darauf, dass die EU-Kommission seinem Entwurf bescheinigt, den freien Warenverkehr in der Europäischen Union nicht unverhältnismäßig zu beschränken. „Für die Verhältnismäßigkeit spricht insbesondere, dass die Auffangstufe ‚Stall‘ einen niedrigschwelligen Marktzugang eröffnet und höhere Stufen nicht zwingend in Anspruch genommen werden müssen“, schreiben die WissenschaftlerInnen. Sprich: Ausländisches Fleisch könnte ohne großen Aufwand in der niedrigsten Stufe auf den deutschen Markt kommen.

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10 Kommentare

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  • Witzig.

    Entscheidend ist doch der Satz: "„gleichwertige ausländische Haltungs-, Kontroll- und Zertifizierungssysteme anerkannt werden“,"

    Wenn es den dann keine gleichwertigen ausländischen Systeme gibt, kann es keine Anerkennung geben, was im Ergebnis zu einem Importverbot führt. Das wäre dann diskriminierend, insbesondere bei Ländern, mit denen ein Handelsabkommen (z.B. EU-Mercosur) abgeschlossen worden ist.

    Der Artikel zeigt schulbuchmässig auf, dass man immer zur gewünschten Aussage kommen kann, wenn man nur die richtigen Bedingungen selbst formuliert.

    • @DiMa:

      Wenn jetzt andere Länder PKWs bauen würden ohne Licht und Bremsen dann müssten wir die auch für den Deutschen Straßenverkehr zulassen weil es sonst ein Importverbot währe ? Warum sollte es gerecht sein von Deutschen Landwirten zu verlangen neue, sehr teure, Ställe mit einem viel höheren Arbeitsaufwand zu bauen um dann zu sagen Ätsch Bätsch, das Ausland liefert billiger als ihr ? Außerdem sind es nur die Handelsriesen die von der bisherigen (ihrer) Regelung profitiert haben, so konnte sie für verarbeitete Produkte Weltweit das billigste an Fleisch zusammenkaufen und verarbeiten.

      • @Günter Witte:

        Autos und Fleisch sind nicht vergleichbar. Fleisch ist Fleisch, egal wie es produziert wird, daher passt Ihr Vergleich mit den Lichtern und Blinkern nicht.

        • @DiMa:

          Wenn ihnen PKWs nicht gefallen nehmen wir halt Fleisch. Alleine dieses Jahr sind schon über 60 Tonnen mit Hormonen verseuchtes Rindfleisch aus Brasilien in Europa entdeckt worden ( Dunkelziefer ? ), was in der gesamten EU strengstens verboten ist. www.duh.de/presse/...umwelthilfe-warnt/



          Mir ging es darum das wir nicht einseitig die höchsten Standards von unseren Landwirten verlangen können, gleichzeitig aber, wenn es ein gutes Geschäft ist, für Ausländische Produkte nicht gilt ! Entweder hat man Regeln oder nicht, aber wenn man sie hier verlangt muss das auch für alle gelten.

    • @DiMa:

      Sie finden es also diskriminierend, dass wir kein Fleisch importieren sollten, dass nicht nach unseren hohen Standards produziert wurde? Also ist bei ausländischen Tieren das Tierwohl nicht so wichtig?



      Wie im Text erwähnt wird, genügt es doch schon um nach Deutschland zu exportieren, wenn unsere gesetzlichen Mindeststandards erfüllt werden.



      Bei Schweinefleisch wird in Deutschland eine deutliche Mehrheit bereits jetzt nach Stufe 2 produziert. Da fände ich es diskriminierend den deutschen Bauern gegenüber, wenn das nicht auch klar erkennbar ist.

      • @Thomas2023:

        Von "Tierwohl" steht in den Handelsabkommen nichts. Nachträglich dann "Tierwohl" zu verlangen ist eine diskriminierdende Handelsbarriere.

        Und auch für die Einordnung in den Mindeststandards bräuchte es im Ausland irgendein anzuerkennendes System. So etwas muss es für argentinische oder australische Rinder nicht zwingend geben.

  • Gut, daß es es mit der Tierhaltungskennzeichnung weitergeht und auch die Gastronomie einbezogen werden kann. Tierwohl und Tierschutz entwickelt sich mal weiter. Unser Landwirtschaftsminister Alois Rainer, CSU versucht zwar immer wieder Entwicklungen zu mehr Tierwohl und Tierschutz auszubremsen, aber Stillstand ist in den heutigen Zeiten Fehl am Platz.

    • @KLaus Hartmann:

      Natürlich sind bessere Lebensbedingungen für Tiere immer zu begrüßen! Sie sollten jedoch mehr als Augenwischerei sein.

      Allerdings ist das sogenannte "Tierwohl" in erster Linie ein Marketing-Begriff. Um ein aktuelles und konkretes Beispiel zu nennen: Schweine haben in Haltungsform 1 einen gesetzlichen Anspruch auf 0,75 m² Platz. In Haltungsform 5 sind es 2,3 m² (davon 1 m² Auslauf).

      [Sarkasmus an] Erstaunlich, dass Schweine aus HF 5 nicht vor lauter Lebensfreue am laufenden Band frühzeitig tot umfallen. [Sarkasmus aus]

      Erkenntnis und Veränderung sind anstrengend und schmerzhaft. Aber wenn man ehrlich ist, kann Tierschutz nur eine vegane Lebensweise und entsprechende Abschaffung der Tierindustrie bedeuten.

    • @KLaus Hartmann:

      Natürlich sind bessere Lebensbedingungen für Tiere immer zu begrüßen! Sie sollten jedoch mehr als Augenwischerei sein.

      Allerdings ist das sogenannte "Tierwohl" in erster Linie ein Marketing-Begriff. Um ein aktuelles und konkretes Beispiel zu nennen: Schweine haben in Haltungsform 1 einen gesetzlichen Anspruch auf 0,75 m² Platz. In Haltungsform 5 sind es 2,3 m² (davon 1 m² Auslauf).

      [Sarkasmus an] Erstaunlich, dass Schweine mit aus HF 5 nicht vor lauter Lebensfreue am laufenden Band frühzeitig tot umfallen. [Sarkasmus aus]

      Erkenntnis und Veränderung sind anstrengend und schmerzhaft. Aber wenn man ehrlich ist, kann Tierschutz nur eine vegane Lebensweise und entsprechende Abschaffung der Tierindustrie bedeuten.

  • Das ist halt der Unterschied gegenüber seinem Vorgänger wenn ein Minister vom Fach ist. Özdemir hat nur das Programm der Handelsriesen abgesegnet, natürlich nur zu deren Vorteil. Das Ware aus dem Ausland, und vor allem verarbeitete, genauso deklariert werden müssen wie Frischfleisch ist mehr als notwendig. Jetzt wird es interessant wie der Allmächtige Handel darauf reagiert, ihm wird es nicht gefalle das jetzt die Politik die Gesetze macht.