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Invasive Tierart in KolumbienDie Nilpferde von Pablo Escobar

Der Drogenboss schmuggelte vier Nilpferde ins Land, seitdem vermehren sich die Tiere stark und gefährden die Artenvielfalt. Wie Kolumbien sie jetzt loswerden will.

Problem bald gelöst? Die Flusspferde von Escobar werden künftig nicht bei den Fischen schlafen, sondern „hygienisch“ entsorgt Foto: Fernando Vergara/ap/dpa

Der seit Jahren versprochene Hippo-Management-Plan ist da. Kolumbiens Umweltministerin Irene Vélez hat ihn am Montag verkündet. Knackpunkt ist ein sogenanntes Euthanasie-Protokoll. Mehr als 80 Tiere sollen gekeult werden.

Die Narco-Nilpferde sind ein wachsendes Problem. Drogenboss Pablo Escobar schmuggelte 1981 vier Exemplare für seinen Privatzoo auf der Hacienda Nápoles ein. Als der Staat nach Escobars Tod 1993 die Hacienda übernahm, kümmerte er sich nicht um die Hippos. Damals hätte es gereicht, das einzige Männchen weit weg von den drei Weibchen einzusperren. Die Tiere brachen aus und vermehrten sich ungebremst – ohne Feinde und Trockenzeit noch schneller als in ihrer afrikanischen Heimat.

2022 setzte das Umweltministerium sie auf die Liste der invasiven Arten. Flusspferde wiegen über drei Tonnen und machen alles platt, was ihnen unter die Hufe kommt – im zweitartenreichsten Land der Welt nach Brasilien.

Eine Sterilisierungsaktion der aktuellen linken Regierung vor drei Jahren blieb hinter dem Plan zurück – und hätte sowieso nicht gereicht. Ex­per­t:in­nen sind sich einig, dass Töten die einzig realistische Lösung ist. „Bis 2030 würden sonst mindestens 500 Flusspferde unsere Ökosysteme beeinträchtigen und einheimische Arten wie die Rundschwanzseekuh und die Flussschildkröte gefährden“, betonte die Ministerin. Ex­per­t:in­nen setzten die Prognose in der Vergangenheit fast doppelt so hoch an.

Zu lange gewartet

Umgerechnet rund 1,7 Millionen Euro dürfte das Projekt kosten. Übernehmen sollen es die Umweltbehörden, die in den Regionen mit Hippos zuständig sind. Begonnen wird um die Hacienda Nápoles und im mittleren Magdalena-Flussbereich.

Ab Jahresmitte soll es losgehen: Erst betäuben, dann ein Mittel einflößen, das die Nilpferde schmerzlos ins Jenseits schlummern lässt. Klappt das nicht, ist Abschuss die nächste Methode, so das Umweltministerium. Dazu gibt es ein Hygiene-Protokoll, um die Tiere sicher zu entsorgen.

Lange hatte der Staat weggeschaut. Erste Versuche zum Abschuss endeten in einer PR-Katastrophe: Als 2009 ein Profi-Jäger das erste Tier erlegte, das die Ko­lum­bia­ne­r:in­nen liebevoll „Pepe“ getauft hatten, posierten Soldaten mit dem Kadaver. Das Foto rief empörte Hippo-Fans auf die Barrikaden. Damit war das Thema vom Tisch. Inzwischen hat sich die öffentliche Debatte verändert. Tier­schutz­ak­ti­vis­t:in­nen schrien am Montag dennoch auf.

Ministerin Vélez sieht jedoch keine andere Möglichkeit: Kein anderes Land wollte Nilpferde für seine Zoos, sagt sie. In der Heimat ihrer Vorfahren aussetzen, geht nicht: Der Genpool und mögliche eingeschleppten Krankheiten wären eine Gefahr für die dortigen Ökosysteme. „Diese Population stammt von nur vier Flusspferden ab, was zu Inzucht und sichtbaren genetischen Schäden bei einigen Tieren geführt hat“, so Vélez.

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2 Kommentare

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  • Pablo Escobar konnte sein Geld gar nicht zählen, er musste es wiegen. Dass 2026 immer noch Probleme auf ihn zurückgehen, zeigt, was für ein durchgeknallter Mensch Escobar war. Aber auch, wie viel Geld sich mit Kokain verdienen ließ.



    Dass dafür jetzt Flusspferde sterben müssen, ist nicht schön, aber eigentlich gehören sie auch nicht nach Kolumbien. Und wer benötigt einen Privatzoo, anscheinend sind das weltweit nicht viele Menschen. Einer davon war Pablo Escobar.

  • Es ist purer Arten- und Umweltschutz, diese Tiere zu entfernen, die da überhaupt nicht hingehören. Wer auch gegen eine humane Tötung dieser invasiven Tiere ist, hat Artenschutz überhaupt nicht verstanden.