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Krieg und ÖlpreiseTrump begeistert oder Make Kapitalismus Great Again!

Mit fossilen Energien lässt sich viel leichter Geld verdienen als mit regenerierbaren Ressourcen. Besonders in Krisenzeiten klingelt's in den Kassen.

Trump ist von sich und seinen Deals begeistert – Staatsbesuch der japanischen Premierministerin Foto: Kevin Lamarque/reuters

D er Irankrieg hat endlich zu einer Rückbesinnung auf westliche Werte geführt. Nein, nicht aufs Völkerrecht, Sie Gutmensch! Ich meine den Wert eines Barrels Nordseeöl und den Wert eines Liters Diesel, die wahren Maßeinheiten florierender kapitalistischer Demokratien. Diese waren im linksgrünversifften Diskurs Deutschlands lange in die Börsenspalten verbannt. Jetzt haben sie endlich wieder Konjunktur.

Und die preistreibende Kraft, die diese Werte wieder aus der Tiefe an die Oberfläche befördert hat, ist freilich Donald Trump, großartigster US-Präsident aller Zeiten, wie er selbst sicher sagen würde. Oder der Napoleon unserer Epoche, wie der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel es vielleicht formuliert hätte.

Denn auch wenn Kanzler Friedrich Merz in der Bewertung Trumps ähnlich schwankt wie der Ölkurs an der Börse, eines ist unbestritten: Der US-Präsident verkörpert wie einst der kleine Franzose einen tieferen historischen Trend, zwar nicht zu Pferde, wie Hegel den ruhmreichen Feldherrn einst erblickte, aber dafür im Golfcart.

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Trump ist in der Tat so beseelt vom Weltgeist wie andere nur von Kirschgeist – und wie bei einem Betrunkenen wirkt das Hochprozentige mehr durch ihn durch, als dass er es selbst kontrollierte. Getragen wird sein oft besoffen wirkendes Handeln und Gebrabbel nämlich von einer größeren Wahrheit aus dem kollektiven westlichen Unterbewusstsein, die auch Merz und seine Wirtschaftsministerin Katherina Reiche antreibt: Mit Ressourcen, die sich regenerieren, lässt sich schlecht Profit machen.

Leuchtendes Vorbild mit Mini-AKW

Kapitalismus, Verzeihung: Demokratie benötigt daher statt oberflächlich einleuchtender Ideen wie Solarenergie oder der von Grünen oft stürmisch bejubelten Windkraft tiefgreifendere Lösungen. Und was greift bitte tiefer als eine Ölbohrung? Sprit – übrigens ein Destillat des Wortes spiritus, lateinisch für Geist – ist freilich nicht der einzige Rohstoff, der im Zuge dieses Trends wiederaufbereitet wird.

Markus Söder, Bayerns Trump, nutzt die Stimmung, um 40 Jahre nach Tschernobyl eine andere zwischengelagerte Idee auszubuddeln: Kernkraft mit Mini-AKWs. Damit Deutschland wieder als leuchtendes Beispiel vorangehen kann, in eine strahlende Zukunft mit Wachstum. Lassen Sie sich von diesem Spirit anstecken oder, in anderen Worten, begeistern! Make Kapitalismus Great Again!

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8 Kommentare

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  • Leider hat die so günstige Energie aus Sonne und Wind bisher in unserem Land nur dazu geführt, das es bei den Strompreisen mal ausnahmsweise irgendwo in der Spitzengruppe liegt. Aber immerhin noch hinter Dänemark mit einem noch Anteil erneuerbarer... (www.verivox.de/str...mpreise-weltweit/)

    Und zur Subventionierung dieser Strompreise leisten wir uns zusätzlich die europaweit zeitweise höchsten Benzin- und Dieselpreise . Wobei Europa hier insgesamt auch zur traurigen Spitzengruppe der Hochpreisländer gehört. (www.fr.de/wirtscha...sen-94217688.html)

    Und beide Preise treffen in erster Linie finanziell nicht so gut gestellte Menschen. Jeder Lebensmitteleinkauf wird sich ziemlich zeitnah wegen der Energiepreise. Ganz zu schweigen von den Heizkosten. Und da bleibt jetzt die gesamte ländliche Bevölkerung, die sich in absehbarer Zeit kaum ohne Individualverkehr fortbewegen kann, in der Argumentation noch unberücksichtigt.

    • @NN:

      Der Strompreis wird an der "Börse" immer an dem höchsten Preis orientiert - und das ist eben nicht !!! die erneuerbare Energie, sie wird künstlich !! verteuert. Und wieso sind



      die Spritpreise eine Subventionierung des Strompreises? Das ist erklärungsbedürftig - wenn es denn eine Erklärung dafür geben sollte....

    • @NN:

      Kann mensch nicht so stehenlassen.



      Sobald die Erneuerbaren nämlich die Merit-Order-Position haben, also den Preis wirklich bestimmen, geht der Arbeitspreis in die Richtung von Null.



      Wenn Sie volkswirtschaftliche Vollkosten rechnen inkl. Umweltschäden und ohne Subventionen (an Fossil höher als an Erneuerbar), sowieso.



      Belgien ist fossil plus Atom, doch das war sicher ein Versehen Ihrerseits, nehme ich an (Ihr Link funktionierte nicht, doch das kennt mensch auch so).



      Die Fossilpreise sind zu niedrig. Wer die taz-Artikel auch liest, weiß, warum. Es ist aber auch in anderen Medien nachzulesen.



      Zu niedrige Fossilpreise bevorteilen die Energie-Raushauer, also grob: die Reicheren. Auch das ist bekannt.

      Damit ich Sie gerade nicht ganz so abgewatscht stehen lasse, gehen wir auf Gemeinsames. ÖPNV, Rad und Bahn auch in der Fläche wiederherstellen, den Entzug von Fossil und damit mehr Freiheit und mehr Geld im Land herstellen, darauf könnten wir uns einigen. Und das Geldschinden der Netzbetreiber bei Netzabgaben ohne entsprechende echte Investitionen gehört geprüft.

  • Nur der Scheich. Ist wirklich reich.



    Frei nach dem Kommunistischen Manifest besitzt, wer Öl besitzt, dessen Energie und Kräfte.



    Wenn es denn nur nicht begrenzt wäre, die Falschen mästen würde und unser aller Umwelt versauen würde.



    Deutschland, wir müssen reden. Über den Entzug.

  • Es ist ein beispielloser Frontalangriff auf die Vernunft: Während die Welt in der Klimakrise brennt, formiert sich eine unheilige Allianz der Rückwärtsgewandten. Dass ein Narzisst wie Donald Trump die Energiewende für die Profite seiner Öl-Barone opfern will, folgt seinem bekannten Drehbuch des rücksichtslosen Nationalismus. Doch dass Figuren wie Katharina Reiche in Deutschland den Boden für eine Renaissance fossiler Abhängigkeiten bereiten, ist der eigentliche strategische Offenbarungseid. Hier wird Fortschritt nicht nur gebremst, er wird aktiv sabotiert.



    ​Wer den Ausbau der regenerativen Energien torpediert, handelt nicht wirtschaftlich vernünftig, sondern ideologisch verblendet. Es ist der verzweifelte Versuch, ein sterbendes System mit der Brechstange am Leben zu erhalten, während man die nationale Sicherheit und energetische Freiheit verspielt. Diese Sabotage ist ein Verrat an kommenden Generationen. Wer heute noch auf Gas und Kohle setzt, macht sich zum Knecht von Despoten und zerstört die industrielle Zukunft unseres Landes. Trump und seine europäischen Claqueure stehen für eine Politik der verbrannten Erde. Wer den Wind sät, wird den Sturm der Geschichte ernten!

  • Die Laier, der Kapitalismus bevorzuge fossile Energieträger, ist absurd. Genauso, wie die Behauptung, Autokonzerne wollten unbedingt Benziner verkaufen. Unternehmen, die sich auf eine Technologie spezialisiert haben, die ausläuft, mögrn sich gegen Fortschritt sperren und für politische Protektion lobbyieren. Für die ebenso kapitalistischen Disruptoren eröffnen sich dagegen neue Geschäftsfelder. Der Kapitalismus ist in dieser Hinsicht schlicht farbenblind. Und sicherlich innovationsfreudiger als jedes andere Wirschaftssystem. So lässt sich auch mit erneuerbaren Energien und Emobilen ebenso wunderbar Geld verdienen.

    • @melly:

      Zwei Dinge (aus Ihrem Kapitalismus-Lehrbuch) stimmen nicht: 1. Er sei blind und innovationsfreudig. "Er" wird von Menschen getan. Und nicht "er", sondern die sind so blind und freudig, wie sie nach ihrem persönlichen Strickmuster sind, verbunden mit der ihnen inne wohnenden Bequemlichkeit. "Er" ist so schlecht, oder so gut wie die Menschen, die ihn tun., 2. Es ginge nur um Geld. Wenn es an dem wäre, dann gäbe es Care-Arbeit nicht, aber auch keine Arbeitsteilung. Menschen leben zuerst nach ihren Fähigkeiten und werden anschließend "eingepresst" und "einorganisiert", vgl. zB §§ 611 ff BGB

    • @melly:

      So ists halt nicht, wie der Artikel und die Weltlage zeigen. Ressourcen wie Öl und Gas gibts nur an bestimmten Orten. Sie lassen sich viel leichter monopolisieren als dezentrale Generation durch Wind oder Solar. Wer die Kontrolle über diese konzentrierten ressource hat, kann viel kontrollieren und Innovationen aufhalten, wenn sie den eigenen Interessen zuwiderlaufen. Frau Reiche demonstriert das so klar, wie man es nur machen kann. Probieren Sie mal, sich eine kleine Raffinerie und Tankstelle in den Garten zu stellen. Das Kapital und die Versorgungsketten haben Sie nicht. Aber Solarpaneele können Sie aufstellen.