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Kurden im IrankriegZwischen den Fronten zerrieben

Jürgen Gottschlich

Kommentar von

Jürgen Gottschlich

Die Kurden wurden immer wieder von unterschiedlichen politischen Akteuren instrumentalisiert. Das könnte jetzt wieder passieren.

Kurdische Kämpferinnen und Kämpfer im Norden von Irak Foto: Osama Al Maqdoni/imago

I m März 1975 mussten die irakischen Kurden schmerzlich erfahren, welchen Wert amerikanische Versprechen in der Welt der Realpolitik haben. Monatelang hatten sie auf breiter Front gegen den damaligen starken Mann in Irak, Saddam Hussein, gekämpft.

Ermuntert von den USA und bewaffnet vom iranischen Schah, hatten sie sich in einen konventionellen Krieg gegen die damals noch von der Sowjetunion unterstützte irakischen Armee gestürzt. Von einem Tag auf den anderen war dann aber alles vorbei. Der Schah einigte sich mit Saddam Hussein auf einen neuen Grenzverlauf, die Kurden wurden nicht mehr gebraucht.

Innerhalb weniger Tage brach die kurdische Front zusammen. Der damalige kurdische Führer, Mullah Mustafa Barzani, war ein Verwandter des jetzigen Präsidenten Nechirvan Barzani und Vater des ersten langjährigen Präsidenten des Autonomiegebietes, Mesut Barzani. Mustafa Barzani starb in einem Krankenhaus im Exil in den USA. Aber auch sein Sohn Mesut musste als sein Nachfolger die Erfahrung machen, dass die USA ihre Versprechen schneller kassieren, als ihre vermeintlichen Verbündeten sich in Sicherheit bringen können.

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Als Bush senior 1991 Saddam Hussein vertrieben hatte, ließ er seine Truppen kurz hinter der Grenze in Irak stoppen. Wie der US-Präsident Donald Trump jetzt die iranische Bevölkerung, forderte Bush damals die irakische Bevölkerung auf, sich gegen den Diktator zu erheben. Die Kurden folgten diesem Aufruf, ließen sich durch die CIA bewaffnen und erlebten ein Debakel. Saddams Elitetruppen waren noch intakt und metzelten die Kurden nieder.

Jetzt steht mit Nechirvan Barzani ein Mann aus der Enkelgeneration von Mustafa Barsani erneut vor einer ähnlichen Frage wie schon seine Vorväter: Soll er einen von den USA und Israel initiierten bewaffneten kurdischen Aufstand in Iran unterstützen, so wie Trump das will.

Zwar sollen iranische Kurden in den Kampf ziehen, aber die autonome Region Nordirak wäre unweigerlich als Aufmarschgebiet und Nachschubzone involviert. Sie würden sich nicht nur den Raketenangriffen Irans ausgesetzt sehen, sondern auch den Zorn der irakischen Zentralregierung zuziehen, die zwischen Neutralität und Unterstützung Irans schwankt. Hoffentlich hat Nechirvan Barzani die Lehren aus der Geschichte gelernt.

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Jürgen Gottschlich
Auslandskorrespondent Türkei
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20 Kommentare

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  • Die verlassenen Kurden in Syrien nicht zu vergessen.



    Von USA, Saudi-Arabien und Israel würde ich mich da nie mehr einspannen lassen. Auch dass ein Iran schon geologisch kaum ins Herzland aufzurollen ist, verrät ein Blick auf die Landkarte.

  • Als Deutscher in Wien bestand für mich als einzige Demonstrationsmöglichkeit gegen die unglaubliche Bestialität der Russen und des von ihnen geretteten Assad-Regimes ( na, wo ist er denn gerade ? ) eine Beteiligung an Demonstrationen der Kurden in derselbigen Stadt. Schlichtweg ein stolzes Völkchen....



    Liebe Kurden, bitte seid nicht so blöde und lasst Euch erneut verraten, das wäre jetzt das dritte Mal binnen nur weniger Jahrzehnte.



    Donaldius ( Caligula ) Magnificus wird dieses Volk genauso verraten wie es einst die beiden Georgs gemacht haben, der gemeinsame Staat ist momentan nur eine Chimäre....Leider.

    • @sardanapal:

      "...Liebe Kurden, bitte seid nicht so blöde und lasst Euch erneut verraten, das wäre jetzt das dritte Mal binnen nur weniger Jahrzehnte..."







      Würde aus Sympathie mit den Kurden eigentlich zustimmen wollen.







      Aber jetzt wird die "Ordnung" im Nahen Osten wieder erschüttert und verändert. Für die Kurden kann es danach besser oder schlechter werden. Sich herauszuhalten könnte letztlich auf lange Sicht auch sehr nachteilig für die Kurden ausgehen. In Syrien und im Irak haben die Kurden Ihre eigene Position nach den Kriegen und Unruhen durch eigenen Einsatz verbessern können (wenn auch nur von sehr schlecht zu schlecht).

  • Ganz dumme Frage:

    Warum lassen die Kurden das immer wieder mit sich machen?

    • @Suryo:

      Die Kurden kämpfen mit hohem Einsatz und erreichen wenig. Aber nicht nichts!

      Nach Husseins Sturz haben die Kurden im Irak offiziell eine autonome Region mit eigener Armee und eigenem Parlament. Einige Ölfelder sind jetzt unter Ihrer Kontrolle und sie können internationale Verträge abschließen.



      In Nordsyrien geht es im Norden unter kurdischer Kontrolle für die Nahostregion beispielhaft demokratisch zu, auch wenn die dortige Autonomie nur defacto und nicht wie im Irak verfassungsgemäß besteht.



      Insgesamt werden die Kurden inzwischen als wichtiger Akteur in der Region angesehen (und natürlich auch ausgenutzt), wenn auch niemand wirklich die Kurden in Ihrem Bestreben nach einem unabhängigen Staat.

      Es sind die kleinen Erfolge auf dem langen Weg, der die Kurden weiterkämpfen lässt. Und die Alternativlosigkeit. Ob Iran, Irak, Syrien, Türkei; ohne Widerstand und Kampf werden die Kurden überall unterjocht.

      Es gibt mehr Kurden auf der Welt, als Einwohner Libanons, Kuwaits, Israels und Jordanien zusammengenommen (oder auch Griechenland, Ungarn, Österreich, Liechtenstein, Luxemburg, Island, Schweiz).

      Einen eigenen Staat zu haben, ist Ihnen aber nicht erlaubt.

    • @Suryo:

      Weil es "die" Kurden nicht gibt, und die kulturelle, sprachliche und räumliche Distanz zwischen West- und Zentralkurden (Ostkurden sind heutzutage eher eine Marginalie) eine Koordination wie sie angesichts so vieler Bedrohungen notwendig ist ganz massiv behindert, oder sogar zu internen Konflikten führt.

      Bei den irakisch-iranischen (Zentral-)Kurden kommt noch hinzu, dass der irakische Teil eine Quasi-SPD ("Patriotische Union") und eine Quasi-CDU ("Demokratische Partei") - beide mit starken Privatarmeen (vor allem die DP ist eher ein Familienclan) - sowie ein halbes Dutzend kleinere Gruppen mit nischigeren Ideologien bildet.

      Während die iranischen ihre politischen Gruppen überwiegend im Exil haben, diese daher Iran selber nur eine wenig belastbare Verankerung haben (es gibt keine systemische Diskriminierung von Kurden, nur diese allfällige parsische Schnöseligkeit - aber die kriegen dort alle ab die nicht "arisch" sind), und in wirklich ABGEDREHTE Gruppen zerteilt sind, die sich untereinander nicht wirklich trauen und in ihrem irakischen Exil militärisch komplett im Schatten der PUK/KDP stehen.

      Rojava hat mit all dem wenig zu tun; die sind westkurdisch.

      • @Ajuga:

        Auch wenn die Gruppen sich politisch unterscheiden und sich oft auch rivalisieren, sind sie kulturell doch sehr nahe beieinander und im Zweifelsfall auch solidarisch. Die Unterschiede sind im Vergleich zu anderen Völkern dieser Größe auch nichts besonderes. Südtiroler und Sarden oder Sizilianer sind auch trotz riesiger kultureller Unterschiede und Animositäten Italiener. Die Völker Großbritanniens haben sich bis neulich noch erbittert bekriegt. In der Schweiz gibt es vier Sprachen. Bayern, Sachsen, Habsburger und Preußen hat man trotz jahrhundertelanger Feindschaft auch unter einen Hut bekommen. Abgedrehte Gruppen gibt es übrigens auch hierzulande.







        Spannungen werden zwischen den kurdischen Gruppen werden auch von außen hereingetragen, wenn zum Beispiel die irakischen Kurden mangels Alternativen Handel (z.B. Öl) mit der Türkei betreiben, die Türkei wiederum die Kurden in der Türkei und in Nordsyrien drangsaliert.







        Das sind natürlich alles Probleme; aber keine, die man nicht lösen könnte, wenn man denn wollte.







        Gebt den Kurden eine Chance und sie werden sie nutzen!

  • Zufällig kam ich kürzlich am Rande einer Demo mit einem älteren Kurden ins Gespräch. Er wies mich auf die traurige Tradition hin, dass die Kurden immer wieder im Stich gelassen wurden und erteilte mir etwas Geschichtsunterricht, als er mir von Helmuth von Moltke erzählte, der 1838 als Militärberater auf Seiten der osmanischen Truppen an einem Feldzug gegen die Kurden teilnahm.



    Die Kurden haben keinen Grund, irgendjemandem zu trauen.

  • Die Kurden wurden u.a. von Trump damals fallen gelassen. Sie haben sich einen eigenen Staat in Syrien verdient! Außerdem würde ich es begrüßen wenn sie in den Iran einmarschieren und di Reste des Regimes angreifen würden! Nur dürfte Trump sie diesmal nicht fallen lassen und wirklich unterstützen mit Waffen, Versorgung und weiteren Luftangriffen!



    Und zu dem unterem Kommentar "Jeder Ratschlag wäre ein klarer Fall von Postkolonialismus.". Es ist mir dermaßen egal ob meine Wünsche oder Ansichten zu irgendwelchen Staaten, Völkern et. Postkolonialismus oder was auch immer ist! Ich habe für meine Stadt, meine Freunde, für Deutschland, die UE; für jeden Kontinent, für jedes Land meine Wünsche und Vorstellungen und äußere sie. Ob das nun jemand als Postkolonialismus oder was auch immer empfindet, interessiert mich nicht im geringsten, müssen ja nicht hinhören, Einfluss habe ich eh keines meine Wünsche umzusetzen. Genauso darf auch jeder auf der Welt seine Ideen für mein Leben aussprechen, wo ich selber gleichsam nicht hinhöre.

  • Jeder Ratschlag wäre ein klarer Fall von Postkolonialismus. Der Artikel endet immerhin mit "hoffentlich gelernt". Wenn sich die Kurden und Kurdinnen entscheiden einzugreifen, haben sie sicher Gründe. Das sie einen eigenen Staat bekommen, erscheint aber aus der Ferne hoffnungslos.

    • @fly:

      Es sind halt nicht "die".

      Iranische Exilgruppen im Irak denken drüber nach.

      Irakische Gruppen sagen "ya Allah, lasst es bloß sein!"

      Und Rojava ist bei dem Ganzen komplett außen vor, denn die haben grad Wichtigeres zu tun: mit Sharaas Delegation über die Details ihres Autonomiestatuts feilschen.

      Die Exilgruppen der iranischen Kurd*innen sind nämlich just diejenigen, die seit langem nicht mehr beschissen worden sind.

      Bei allen anderen ist die schlechte Erfahrung noch zu frisch.

      Deswegen sehen wir das, was wir hier sehen, und exakt das und nichts anderes.

      Die Kurd*innen im Iran, die in den meisten Fällen sowohl Exilgruppen als auch Regime distanziert aber nicht aktiv feindlich gegenüberstehen, versuchen den Überblick über das Chaos um sie herum zu behalten und nicht unter die Räder zu geraten.

      IDF hat vorgestern(?) ein Gefängnis im Grenzgebiet bombardiert; sehr präzise getroffen, aber es waren halt hunderte normale Kriminelle und ein Dutzend Politische die entkamen. IRGC ist direkt auf Distanz gegangen damit die Kriminellen in der Stadt herummarodieren, und das Volk alsbald wieder nach dem Obersten Führer und Tod Israel schreit.

      "15 von 10 Punkten", ja nee is klar...

    • @fly:

      ne, postkolonial wäre es, wenn ein staatlicher Akteur Ratschläge erteilt. Wenn ein Hansel oder ein Gretel hier im Lande dazu etwas sagt, dann ist es eine Meinung, die im Endeffekt niemanden interessiert.



      Trumps Aufforderung, ohne verbindliche Zusagen und Absicherungen für die kurdische Seite, das wäre wohl mglweise so zu betiteln, aber dazu interessieren mich solch theoretischen Titulierungen nicht wirklich um das beurteilen zu können.

    • @fly:

      Was bitte ist daran postkolonialistisch, die Kurden davor zu warnen, auf das falsche Pferd zu setzen, wenn es um ihr Selbstbestimmungsrecht geht? Was von der US-amerikanischen Unterstützung zu halten ist, haben die Kurden doch gerade in Syrien/Rojava erlebt.



      Postkolonialismus ist es dann eher, die Kurden als Bauern auf dem Schachbrett der Geopolitik zu opfern, wie so oft in der kurdischen Geschichte geschehen.



      Ich fürchte, im Iran wird es diesmal nicht anders sein.

      • @Abdurchdiemitte:

        Die irakischen Kurden-Schwergewichte haben - soweit ich sehen kann - schon alles gesagt, was hier zu sagen ist.

        DAS ist Postkolonialismus: erst mal Vertrauen drauf haben, dass "die" genauso kluge Leute sind wie "wir", und im Zweifelsfall eh alles unironisch besser wissen.

        Und "die" rechtzeitig wissen lassen, welche Hilfe man ihnen bieten kann, damit sie anfragen können wenn sie, nach ihrem eigenen Ermessen, Hilfe brauchen.

        Gerade bei Kurd*innen können wir in Europa sehr viel lernen, wenn wir einfach erst mal schweigen und sie ihr Ding machen lassen und aufmerksam beobachten.

        Zumal so mündige Menschen, wie man sie in der kurdischen Selbstverwaltung hat, werden sich schon melden, wenn sie was von uns brauchen oder wollen.

        So viel Vertrauensvorschuss muss einfach sein; wenn überhaupt sind "die" die mündigen Erwachsenen und "wir" die Kinder die noch viel lernen müssen; also gerade bei Kurd*innen kann man das ja wohl ohne jedes Zögern genau so unterschreiben!

  • Nicht zu vergessen Nordsyrien, wo die Kurden als nützliche Idioten den IS bekämpfen durften und dann an die Türkei verkauft wurden.

  • Die Kurden müssten doch eigentlich nur nach Syrien blicken. Da durften sie gegen den IS kämpfen und werden jetzt den Islamisten der Syrischen und Türkischen Regierung zum Fraß vorgeworfen.

    • @Ramelow Cathrin:

      Das Problem ist die ideologische/politische Zersplitterung der kurdischen Nationalbewegung, bedingt durch die Aufteilung des kurdischen Territoriums auf vier unterschiedliche Nationalstaaten (Türkei, Syrien, Irak, Iran), in denen sie jeweils eine Minderheit bilden. So ist es relativ einfach, die kurdischen Interessen in diesen Ländern gegeneinander auszuspielen.



      Die Feindschaft zwischen der PKK und dem im Nordirak dominierenden, US-freundlichen Barzani-Clan beispielsweise hat schon für heftige Kämpfe der Kurden untereinander gesorgt.



      Diese für die Kurden extrem nachteilige geopolitische Situation wird dafür sorgen, dass sich die Verhältnisse nicht ändern, auch nicht die der Kurden im Iran.



      Dabei ist die Demokratiefrage dort stark davon abhängig, ob man bereit ist, den Kurden mehr politische und kulturelle Autonomie zuzugestehen.



      Da Reza Pahlevi als möglicher Kandidat für das politische Spitzenamt schon kategorisch ausgeschlossen hat, den iranischen Kurden hier entgegenzukommen, weiß man auch schon, wohin die Reise unter seiner Führung für den Iran insgesamt gehen wird.



      Und auch in den drei anderen Staaten ist die Lage keinen Deut besser.

      • @Abdurchdiemitte:

        Ganz grob kann man sich das so vorstellen:

        Europa 1938, die irakischen Kurden sind die Niederlande, die iranischen sind deutsche Exilanten in den Niederlanden und ein paar Deutsche die den Kopf unten halten, und Rojava ist England.

        Das gibt auch die kulturellen Distanzen einigermaßen gut wieder. Rojava hat zB Latein-, die Zentral- und Ostkurden arabisches/persisches Alphabet. Die jungen Leute können sich zwischen West- und Zentral/Ostkurdistan nur mühsam verständigen, es ist kein harter Cut aber eine reale Barriere.

        Ironie des Schicksals: der Erfolg von Rojava hat einen kurdischen Einheitsstaat fürs Erste ziemlich unmöglich gemacht, da Rojava nicht dem traditionalistischen Weg der irakischen Kurden-Autonomie gefolgt ist, sondern einen ganz neuen und nie dagewesenen Weg gewagt hat, der vielleicht mehr von Chiapas als von irgendetwas *traditionell* Kurdischem inspiriert wurde.

        Und warum auch nicht? Eine selbstbewusste Kulturvermischung, weil es eben da und dort gut zusammenpasst, ist unbedingt zu begrüßen!

      • @Abdurchdiemitte:

        "dem im Nordirak dominierenden, US-freundlichen Barzani-Clan"

        Das US-freundlich scheint seit gestern Geschichte zu sein. Die KDP hat eine ziemlich offizielle Warnung vor Zusammenarbeit mit Trump herausgegeben. Net formuliert, aber ziemlich unmissverständlich.

        "Clan" ist hier das Schlüsselwort. Die KDP ist ideologisch flexibler als die PUK. Wenn die PUK dich liebt oder hasst, ist das auch langfristig ziemlich verlässlich, und es macht sich ziemlich vorhersagbar daran fest, wie du zu Gewerkschaften, Sozialdemokratie und säkularen Bürgerrechten stehst (also Willy-Brandt-Kurden, quasi).

        Die KDP hat zwar auch eine massentaugliche Ideologie (CDU-äquivalent: prokapitalistisch, kulturkonservativ, religiös), aber darüber stehen stets die Interessen der Barzanis. Sehen die ihre Geschäfte bedroht - und sie sind *die* Oligarchen schlechthin im Nordirak -, zB weil irgendwelche iranischen Exilanten denen du Obdach gewährst das Gastrecht missbrauchend einen Zwergenaufstand zu machen drohen, auf den Iran mit Drohnen antworten wird, dann sind sie ratzfatz nicht mehr dein Freund - obwohl sie gestern noch total dick mit dir waren und weltanschaulich immer noch kein Blatt zwischen euch passt.

        • @Ajuga:

          Nicht vergessen die Foltergefängnisse in der kurdischen Autonomierwgion im Nordirak, in die die Barzanis ihre politischen Gegner verfrachten.



          Eine yezidische Arbeitskollegin erklärte mir mal, nur die PKK stehe für Demokratisierung, die Abschaffung des von den Barzanis repräsentierten Feudalsystems, die Rechte der kurdischen Frauen und die Gleichberechtigung der religiösen Minderheiten in Kurdistan. Deshalb bekämpfe die PKK auch die Parteien im irakischen Kurdistan.



          Ich habe das mal so stehen gelassen, trotz leiser Zweifel an der PKK als „einzig wahrer“ Befreiungsbewegung, besonders wenn ich mir die Vita des Parteigründers Öcalan anschaue.



          Aber ich dachte mir, als Frau und Yezidin wird die Kollegin schon wissen, warum sie die PKK unterstützt.