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Sexismus im ProfifußballEine von Männern dominierte Branche

Auf das sexistische Umfeld des Männerfußballs weist auch die Causa Kuntz beim Hamburger SV hin. Der Machismus ist allgegenwärtig.

Äußerst beliebt: Stefan Kuntz zu seinen Zeiten als HSV-Sportvorstand Foto: Tom Weller/dpa

Zuhören, ernst nehmen, Expertenhilfe von außen hinzuziehen, auf Grundlage von deren Einschätzung Konsequenzen einleiten: Der Fußball-Bundesligist Hamburger SV hat im Fall der Vorwürfe, die Vereinsmitarbeiterinnen gegen den einstigen HSV-Sportvorstand Stefan Kuntz erhoben hatten, vorbildlich gehandelt. Auch weil er Rücksicht auf die Bedürfnisse der Betroffenen genommen hat, die nicht in die Öffentlichkeit gezerrt werden wollten. So trennten sich der Verein und Kuntz zu Jahresbeginn möglichst geräuschlos voneinander, und Letzterer erklärte in diesem Sinne, die Entscheidung sei aus privaten Gründen erfolgt.

Als die Recherche der Bild gut eine Woche später etwas anderes zeigte, von Vorwürfen sexueller Belästigung durch Kuntz gesprochen wurde und jener all das als reine Erfindung zurückwies, in seinem Umfeld gar von einer Schmutzkampagne gesprochen wurde, reagierte der HSV wiederum beispielgebend. Irreführend nannte der Klub die Behauptungen aus den Kreisen um Kuntz. Bestätigt wurde, dass Stefan Kuntz von Mitarbeiterinnen schwerwiegendes Fehlverhalten vorgeworfen wurde und der Verein nach Prüfung durch externe Anwälte dies für „glaubhaft“ halte.

Alles Weitere wird von Gerichten aufgearbeitet. Es gilt wie immer die Unschuldsvermutung, solange nichts Gegenteiliges bewiesen ist. Schaut man sich die zahlreichen Kommentare auf dem Instagram-Account von Stefan Kuntz an, gilt bei nicht wenigen Fußballfans aber vielmehr die Unschuldsgewissheit, obwohl mittlerweile die Recherchen anderer Medien die Anschuldigungen unterfüttern. Das könne eigentlich nicht wahr sein, heißt es häufig, so sympathisch, wie der einstige Stürmer vom 1. FC Kaiserslautern nun mal sei.

Die Popularität von Frauen im deutschen Männerprofifußball fällt vergleichsweise gering aus. In führenden Positionen sind sie ohnehin eine seltene Spezies und immer noch weitgehend unerwünscht. Die Causa Kuntz weist weit über den Einzelfall hinaus und beleuchtet ein Umfeld, in dem solche Taten erst möglich werden.

Rückständige Atmosphäre

Die ganze Branche, auch der Fußballjournalismus, wird von Männern dominiert. In nicht wenigen Vereinsbüros können Herrenwitze noch ungeniert erzählt werden. Ein anderer, bundesweit eher unbeachteter Vorfall dieser Tage beschreibt die toxische, rückständige Atmosphäre im deutschen Fußball gut. Uwe Maisch, der Vizepräsident des Karlsruher SC, berichtete vom Trainingslager in Spanien in einem Selfievideo wie folgt: „Schöne Frauen gibt es hier auch, speziell im Hotel. Alle sehr nett, vor allem zu mir. […] Aber wenn man so freundlich entgegenkommt, werden dann schon die einen oder anderen Türen geöffnet. Ihr wisst schon;) “

Zum Liedgut der Fans des SC Freiburg, denen nicht gerade ein rückständiger Ruf anhaftet, gehören die Zeilen: „Wir brauchen keine Arbeit, keine Frau, kein Geld, denn für uns bist du das Größte auf der Welt!“

Dass die Schiedsrichterin Fabienne Michel bei einem Männer-Drittligagspiel in Essen von den Fans als „Hure“ beschimpft und mit sexistischen Gesängen bedacht wurde, ist auch erst neun Monate her.

Wie Karl-Heinz Rummenigge dem spanischen Verbandspräsidenten Luis Rubiales zur Seite sprang, nachdem dieser Jennifer Hermoso einen Kuss aufgezwungen hatte, ist ebenfalls noch in frischer Erinnerung.

Sexismus im deutschen Fußball ist allgegenwärtig. Ein Problem, das nicht nur vom Hamburger SV und zu besonderen Anlässen ernst genommen werden sollte.

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10 Kommentare

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  • Zur Causa Kuntz kann man derzeit von außen nichts Seriöses beitragen, das ist die Sache von Staatsanwaltschaften und Gerichten. Dass Kuntz in der Öffentlichkeit entspannt-sympathisch rüberkommt heißt da auch nicht wirklich etwas.



    Vielleicht hilft es, die Einzelfälle konkret aufzuklären, die es leider wohl immer wieder geben wird, gleich wieder das große Systemversagen auszurufen, na ja….



    Hier muss man auch zwischen Straftaten und dümmlichen, auch unappetitlichen Sprüchen unterscheiden, die natürlich auch im Fußball allgegenwärtig sind.

  • Der HSV könnte sich erst mal schwer tun, hochqualifiziertes Spitzenpersonal zu finden.

  • Ich empfinde es als Widerspruch, zum einen die Reaktionen der HSV-Führungsetage (fast ausschließlich Männer) als vorbildlich zu bezeichnen, zum anderen das Bild eines Fußball-Milieus zu zeichnen, dass voller toxischer Männlichkeit wäre.



    Der Fall Kuntz ist bedrückend. Nach all den Diskussionen der letzten Jahre auf solch ein Verhalten zu stoßen, macht fassungslos. Aber genau aus diesem Milieu stammen eben auch die Männer in der HSV-Führungsetage, die unmitttelbar und entschieden reagiert haben und auch die HSV-Fans, die beim heutigen Heimspiel laut und öffentlichkeitswirksam deutlich gemacht haben, dass sie mit den betroffenen Frauen solidarisch sind. Diesen Teil der (männlichen) Wirklichkeit blendet der Artikel völlig aus bzw. berücksichtigt er nicht bei der Urteilsbildung über den "Fußball".

    • @Plewka Jürgen:

      Wenn geschildert würde, was tatsächlich geschah, dann endstünde eine realistische Bewertung.

  • Komische Überschrift.



    Von wem sollte denn die Sportart Männerfußball dominiert sein, wenn nicht von Männern?

  • Ich war zuletzt ein paar mal nach der Arbeit in einer Altherrenbar. Vorgestern war es das letzte mal, nachdem der Wirt (ca 55) etwas zu seiner attraktiven Mitarbeiterin sagte (sexuelle Anspielung), wofür ich ihn 12 Monate inhaftieren würde. Sie sagte nur zu ihm: " Wir gehen gleich zusammen mal vor die Tür." Ich hätte es offiziell bezeugt. Zeigt sie das aber an, dann bekommt sie in der Region keinen Job mehr in der Gastronomie. Etwas anderes wäre es, wenn ihr Chef superreich wäre. Dann wäre sie nach einem Rechtsstreit lebenslang versorgt.

  • Schwieriges Thema. Solche Themen sollten erst nach einem juristischen Urteil an die Öffentlichkeit dürfen. In der Profiszene dürfte es bekannt sein, was da geschah. Ich spielte in jungen Jahren niedrigklassig. Fußball ist ein Phallussport. Passiert ist solches nie, weil auch die Angestellten männlich waren. Als eine Frauenabteilung gegründet wurde, mussten die Damen von den Herren finanziert werden.

  • Dieses Jahr findet die FIFA-WM in Amerika statt. Bedenken sind angebracht ob d. Wahrung von Respekt u. Würde in einem Umfeld der Spiele, in dem auch solche journalistische Berichterstattung, möglicherweise zunächst noch unterschätzt, fast z. Prophezeiung wurde, zumindest f. Grönland jetzt ganz aktuell auf die Tagesordnung gesetzt. Die Äußerungen und Artikel zu den anderen annoncierten Themen vergisst das Netz auch nicht. Ganz u. gar kein idealer Boden für eine Kampagne zum Antisexismus.



    Quelle: derfreitag.de



    "Sex, Macht, Grönland oder Kanada: Alles an Donald Trump brüllt „will haben!"



    Am 20. Januar kehrt Donald Trump ins Weiße Haus zurück. Unser Autor analysiert Trumps dreifache Bedeutung: als Symbol für die US-Gesellschaft, für die politische Ökonomie und für den Zustand der Welt"



    Weiter dort:



    "Seine Rückkehr wirft eine Menge Fragen auf: Warum wird er von Menschen verehrt, gegen deren Interessen er offensichtlich agiert? Und wie wird die kommende Herrschaft der Tech-Rechten und Oligarchen mit einem „Emperor Trump“ als Repräsentanten funktionieren: Als Erfüllung der ökonomischen „Religion“ im Status des „Anarchokapitalismus“?"



    Wer das ablehnt, sollte konsequent sein, auch im Sport.

  • In diesem Beitrag fehlt ein Hinweis auf die Anzeige wegen Stalking, von Kuntz erstattet am 12. Dezember. Nun hat er sie zurückgezogen. Ermittelt wird natürlich weiter.



    Ich sehe gerade zusammen mit diesem Aspekt bislang so gar nichts, was der HSV sich als Pluspunkt verbuchen lassen könnte.



    Ein leitender Angestellter zieht sich überraschend zurück. Dann wird der BILD etwas durchgestochen, das deutlich in Richtung eines Kuhhandels deutet, anstatt der Sprachregelung von den familiären Gründen. Was macht das nun mit den betroffenen Frauen? Ich fürchte, sie haben ab diesem Punkt so gar nichts mehr zu gewinnen. Weil der Verein sie gedrängt hat? Zu was? War das auch ein Handel?



    An dem Punkt will ich so gar nichts mehr davon hören. Außer gerichtsfesten Fakten.

    • @naichweissnicht:

      Offenbar haben die betroffenen Frauen darum gebeten, den Fall nicht öffentlich zu machen ... dem ist der HSV nachgekommen. Im Moment, in dem der Fall öffentlich wurde, hat sich der HSV unmissverständlich auf die Seite der betroffenen Frauen gestellt. Vorher hatten sie schon ihren wichtigsten (!) Mitarbeiter gefeuert, der maßgeblich für den sportlichen Aufschwung der letzten Zeit verantwortlich war. Ich finde das vorbildlich. Genauso vorbildlich wie die Aktion der Hamburger Fans im ersten Heimspiel heute, die sich mit einem riesigen Transparent gegen Missbrauch in ihrem Verein von wem auch immer positionierten.