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Zum Abschied von Alexander StockWer Intendanten kommen und gehen sieht

Der ZDF-Sprecher Alexander Stock geht in Rente. Fast 25 Jahre reagierte der Sender seinetwegen zurückhaltend, manchmal sogar überlegt und – beruhigte.

Die Intendanten in Mainz kamen und gingen, ZDF-Pressesprecher Alexander Stock blieb (hier: Archivaufnahme vom März 2009) Foto: Hoffmann/imago

D as ZDF hat seit langem den Ruf als medienpolitischer Musterknabe. Während es bei der ARD immer mal wieder laut und vernehmlich rappelt, hört sich auf dem Lerchenberg der Wind selbst beim Säuseln zu. Denn wenn es bei den Öffentlich-Rechtlichen brenzlig wird, steht das ZDF selten in der ersten Reihe. Auf dem Lerchenberg reagieren sie zurückhaltend, besonnen und manchmal sogar überlegt. Das läuft jetzt schon fast ein komplettes Vierteljahrhundert so und liegt an Alexander Stock.

2002 hatte ZDF-Intendant Markus Schächter den früheren „heute-journal“-Journalisten zum obersten Kommunikator der Mainzer Anstalt gemacht. Schächter war ein Jahr zuvor erst nach einem unwürdigen parteipolitischen Geschacher Intendant geworden und galt als beschädigter Verlegenheitskandidat.

So etwas durfte und sollte nie wieder vorkommen. Kam es auch nicht. In der internen wie externen Kommunikation agierte Stock dabei wie sein Intendant nach der Devise „Ich werde gern unterschätzt“. Und beherrschte von Anfang an die Kunst, nicht über jedes hingehaltene Stöckchen zu springen. (Sorry, dieser Wortwitz musste jetzt sein.)

„Wir sagen da gar nichts zu“, war seine Antwort auf aufgeregte Anfragen aus der ARD, wenn mal wieder die Forderung aus der Politik kam, ARD und ZDF zusammenzulegen. Die ARD feilte schon längst an einer geharnischten Replik, das ZDF bzw. Stock ließen so was dagegen lässig an sich abperlen. Nach außen jedenfalls. „Nur weil man was aussitzt, ist man doch noch lange kein Musterknabe“, sagt die Mitbewohnerin.

Stocks Vorbild machte Schule. Als ARD-Sprecher beim MDR vor zehn Jahren habe ich sehr davon profitiert. „Ihr sagt da doch bestimmt auch nichts zu?“, war damals meine Standardfrage an Alex, wenn sich die heilige ARD-Neunfaltigkeit mal wieder von unnötigem Heißdüsentum getrieben sah. Die Ansage „Das ZDF macht da jedenfalls nix“ zeigte in ARD-Kreisen meist die gewünschte Wirkung. Und wenn aus Mainz doch mal was gesagt werden musste, passierte das auch.

Beim unwürdig-politischen Abservieren von Nikolaus Brender als ZDF-Chefredakteur auf Druck von Angela Merkel und Hessen-Hardliner Roland Koch im Jahr 2009 gelang das zwar leider nur mäßig. Was auch am Intendanten lag, der ja angeblich auf CDU-Ticket lief und seine eigenen „Freunde“ nicht einhegen konnte.

Aber der „Fall Brender“ entpuppte sich im Nachhinein immerhin als Segen für den gesamten ÖRR, weil das Verfassungsgericht danach die Macht der Politik in den Gremien der Sender deutlich begrenzte.

Schächters Nachfolger Thomas Bellut wagte sich mit Stocks Segen beim „Wetten, dass…“-Skandal der Gottschalk-Brüder sogar ins eigene Programm und erklärte den Fall. Eine mutige, im ÖRR seitdem leider nicht mehr erreichte, kommunikative Meisterleistung.

Die Intendanten in Mainz kamen und gingen, Alexander Stock blieb. Norbert Himmler ist sein Dritter. Und auch sein letzter, denn jetzt geht Alex Ende Mai in Rente. Aber dazu sagen wir natürlich nix.

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Steffen Grimberg
Medienjournalist
2000-2012 Medienredakteur der taz, dann Redakteur bei "ZAPP" (NDR), Leiter des Grimme-Preises, 2016/17 Sprecher der ARD-Vorsitzenden Karola Wille, ab 2018 freier Autor, u.a. beim MDR Medienportal MEDIEN360G. Seit Juni 2023 Leitung des KNA-Mediendienst. Schreibt jede Woche die Medienkolumne "Flimmern und rauschen"
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