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Zerbombte Häuser in der UkraineWenn der Wiederaufbau auf sich warten lässt

Tausende Ukrainer haben durch russische Angriffe ihren Wohnraum verloren. Zwar zahlt der Staat, doch viele Probleme lassen sich nicht mit Geld lösen.

Bernhard Clasen

Aus Kyjiw

Bernhard Clasen

Tausende Menschen in Kyjiw haben infolge russischer Luftangriffe ihre Wohnungen oder Häuser verloren oder mussten ihr Zuhause zumindest vorübergehend verlassen. Grundsätzlich haben Betroffene Anspruch auf Entschädigungsleistungen. Doch diese Entschädigungen sind bei weitem nicht ausreichend, kommen oftmals nur mit großer Verzögerung an.

Um die Folgen der Zerstörungen abzufedern, hat die Stadtverwaltung von Kyjiw verschiedene Hilfsprogramme eingerichtet. Sie richten sich an Eigentümerinnen und Eigentümer ebenso wie an Mieterinnen und Mieter, deren Wohnraum durch den russischen Angriffskrieg beschädigt oder zerstört wurde. Je nach Ausmaß der Schäden und persönlicher Situation kommen unterschiedliche Leistungen infrage. Bei beschädigtem Wohnraum gibt es 10.000, bei zerstörtem Wohnraum 40.000 Hrywnja.

Krieg in der Ukraine

Mit dem Einmarsch im 24. Februar 2022 begann der groß angelegte russische Angriffskrieg auf die Ukraine. Bereits im März 2014 erfolgte die Annexion der Krim, kurz darauf entbrannte der Konflikt in den ostukrainischen Gebieten.

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Ist eine Wohnung oder ein Haus infolge der Schäden unbewohnbar geworden, können Betroffene zusätzlich für die Dauer eines Jahres eine monatliche Unterstützung von 20.000 Hrywnja erhalten. Voraussetzung ist allerdings, dass der Wohnraum zum Zeitpunkt der Antragstellung noch nicht renoviert wurde. Wer bereits auf eigene Kosten mit umfassenden Reparaturarbeiten begonnen hat, kann dadurch seinen Anspruch auf die kommunale Unterstützung verlieren.

Staatliche Entschädigung für zerstörte Häuser und Wohnungen in der Ukraine

Einmalhilfe bei beschädigtem Wohnraum

Wer in Kyjiw lebt und dessen Wohnung oder Haus durch Kriegseinwirkungen beschädigt wurde, kann eine einmalige finanzielle Unterstützung in Höhe von 10.000 Hrywnja (umgerechnet derzeit etwa 190 Euro) beantragen.

Einmalhilfe bei zerstörtem Wohnraum: 40.000 Hrywnja

Für Betroffene, deren Wohnung oder Haus vollständig zerstört wurde, sieht die Stadt eine einmalige Unterstützung von 40.000 Hrywnja (etwa 760 Euro) vor.

Zusätzliche monatliche Unterstützung bei unbewohnbarem Wohnraum

Ist eine Wohnung oder ein Haus infolge der Schäden unbewohnbar geworden, können Betroffene zusätzlich für die Dauer eines Jahres eine monatliche Unterstützung von 20.000 Hrywnja (etwa 380 Euro) erhalten.

Auf dem Portal der Stadt Kyjiw ist aufgelistet, auf welche Leistungen die Betroffenen Anspruch haben.

Zusagen, die sich seit Monaten verzögern

Nataliya Masina ist wütend. Seit ihrer Heirat vor acht Jahren lebt sie in Kyjiw, durch einen russischen Luftangriff am 31. Juli 2025 hat sie ihre Wohnung verloren. Bei der Explosion neben ihrem Wohnhaus starben 30 Menschen, ihre Wohnung wurde durch die Druckwelle stark beschädigt. Fenster, Türen, Wände und Möbel sind zerstört, die Wohnung ist unbewohnbar.

Doch von Seiten der Stadt Kyjiw erhält sie nur wenig Hilfe. Die zugesagten Reparaturen verzögern sich seit Monaten, und die Behörden geben widersprüchliche Informationen. Gerade einmal umgerechnet 250 Euro hat die Stadt ihr als einmalige Hilfe bezahlt. Mehrere Kommissionen, so berichtet sie gegenüber der taz, hätten bestätigt, dass ein vollständiger kapitaler Wiederaufbau des Hauses nötig sei.

Doch trotz mehrfacher Zusagen haben sie und ihr Ehemann fast ein Jahr nach dem Angriff immer noch keine nutzbare Wohnung. Die Fenster sind notdürftig mit Folie gesichert, das Haus steht größtenteils leer, Obdachlose dringen ein, während die Masinas weiterhin Rechnungen für Versorgungsleistungen zahlen müssen. Bisher, so Nataliya Masina, hätten die Behörden nur die Fenster in den Treppenhäusern ersetzt. In der Wohnung selbst sei noch nichts repariert.

Wiederaufbau braucht Zeit

Gegenüber der taz bestätigen Boris Rabotnik, Direktor des Bauamtes der Stadt Kyjiw, und Pawlo Birjuk, stellvertretender Chef der Swjatoschynska-Bezirksverwaltung, dass man die Situation des Hauses von Nataliya und Dmytro Masina in der Iwan-Dziuba-Straße 12a dokumentiert habe. Technische Gutachten durch die städtische „Kyivekspertiza“ und das staatliche Forschungsinstitut „NDIBK“ zeigten erhebliche Schäden an den tragenden Strukturen, den Ingenieurnetzen und den Gebäudeelementen.

Sie bestätigten auch, dass ein Wiederaufbau des Hauses, einschließlich detaillierter Reparaturen in allen 20 Wohnungen des Hauses, beschlossene Sache sei. Hierzu sei ein öffentliches Ausschreibungsverfahren zur Auswahl eines Bauunternehmens eingeleitet sowie ein Gutachten einer Projekt- und Kostenschätzung angefertigt worden. Einige Arbeiten, wie der Einbau neuer Fenster in den Treppenhäusern, seien bereits abgeschlossen. Nach Angaben der Bezirksverwaltung soll der Wiederaufbau acht Monate dauern und voraussichtlich nicht vor dem Frühjahr 2027 abgeschlossen sein. Zuerst wird das Dach repariert, dann die Treppenhäuser, anschließend die tragenden Wände, und zuletzt die Wohnungen selbst.

Wohnraumverlust nach der Flucht

Nina, die ihren Nachnamen nicht in einer Zeitung lesen möchte, hat diese Probleme nicht. Sie ist aus Cherson nach Kyjiw gezogen, weil sie die häufigen Drohnenangriffe in ihrer Heimatstadt nicht mehr ausgehalten hat und ihre Wohnung durch einen russischen Luftangriff zerstört worden war.

„Hier in Kyjiw wird mir gut geholfen. Ich habe vom Staat eine Hypothek von 420.000 Hrywnja bekommen. Und 10.000 für meine Notargebühren. Wir bezahlen 18.000 Hrywnja jeden Monat zurück. Das ist für uns kein Problem. Mein Mann verdient gut als Lastenträger in einem Supermarkt“, erklärte sie gegenüber der taz.

Zerstörter Wohnraum in besetzten Gebieten

Ljubow Karas (60) hat im ostukrainischen Switlodarsk gelebt, zwischen Debalzewo und Bachmut. Vor 40 Jahren war sie aus der Gegend von Tschornobyl gekommen, war selbst Liquidatorin. Bei den Kämpfen ab 2014 war ihre Switlodarsker Wohnung teilweise zerstört worden.

Schließlich zog sie 2019 nach Kyjiw. Wer aus den besetzten Gebieten kommt, also Binnenflüchtling ist, bekommt überhaupt keine Schadensersatzzahlungen, berichtet sie gegenüber der taz. Die bekomme man nur, wenn eine amtlich bestätigte Bescheinigung vorliegt, dass der Wohnraum zerstört worden ist. Doch ukrainische Behörden sind gar nicht in der Lage, die Zerstörung von Wohnraum in den besetzten Gebieten zu dokumentieren.

Das Haus von Tatjana Masina (nicht verwandt mit Nataliya Masina) steht noch. Tatsächlich kann sie es aber derzeit nicht betreten. Tatjana Masina kommt aus dem russisch besetzten Wolnowacha. Kurz bevor der Krieg Wolnowacha erreicht hatte, musste sie in Kyjiw einige Dinge erledigen. Doch dann konnte sie plötzlich nicht mehr zurück, denn Wolnowacha war besetzt. Und natürlich kann sie auch nicht amtlich dokumentieren lassen, dass sie ihren Wohnraum verloren hat. Ergo bekommt sie auch keine Kompensationszahlungen.

Auch Olena Topolja, eine bekannte ukrainische Sängerin, wurde Opfer eines russischen Luftangriffes. Sie hat, so berichtet die ukrainische Nachrichtenagentur UNIAN, 209.000 Hrywnja staatliche Hilfe bekommen. Tatsächlich aber hat sie für die Renovierungen 2 Millionen Hrywnja ausgegeben. Somit wurde der weitaus größte Teil der Reparaturkosten von ihr selbst getragen.

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