Wohnungsunternehmen in Berlin: Sanieren attraktiver als Neubau
Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen beklagt steigende Baukosten. Erstvermietungen bei den Landeseigenen sollen teurer werden.
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Berliner Wohnungsunternehmen investieren so viel wie seit Langem nicht, allerdings weniger in den Neubau als in die Modernisierung. Das ist die Bilanz des Verbands Berlin Brandenburgischer Wohnungsunternehmen BBU. Von einer „Verschiebung der Gewichte“ sprach am Dienstag deshalb BBU-Vorständin Maren Kern.
Zwar wachsen auch die Investitionen in den Neubau: 2026 sollen es im Vergleich zum Vorjahr 5,9 Prozent sein. Größer ist das Wachstum aber mit 8,3 Prozent bei Instandsetzungen. Und die Investitionen in Modernisierungen erleben laut Kern einen regelrechten „Sprung“. Sie sollen 2026 rund 52 Prozent mehr betragen als im Vorjahr. Als Grund nennt der BBU, der neben den landeseigenen Wohnungsunternehmen auch private wie die Vonovia vertritt, „die Umsetzung der Wärmewende und energetische Auflagen im Bestand“.
Die Pressekonferenz, auf der der BBU die neuen Zahlen bekannt gab, fand nicht zufällig kurz vor den Wahlen zum Abgeordnetenhaus statt. Der Verband, dessen Mitgliedsunternehmen etwa 780.000 der 1,9 Millionen Berliner Wohnungen bewirtschaften, äußerte sich auch zum Thema Vergesellschaftung.
„Alleine die Debatte darum hat jetzt schon Folgen“, sagte Kern. So zögen sich manche Banken aus der Finanzierung der Berliner Bestände zurück. Beispiele nannte Kern aber nicht.
Zinsen gehen durch die Decke
Dafür kündigte sie an, dass bei der Erstvermietung von Neubauten der landeseigenen Unternehmen künftig die Mieten steigen. Grund dafür seien die steigenden Zinsen. Kern erläuterte das an einer Beispielrechnung. So koste der Bau einer 65 Quadratmeter großen Wohnung derzeit etwa 300.000 Euro. Weil davon 240.000 Euro auf dem Kapitalmarkt aufgenommen werden müssten, belaufe sich die Zinslast auf derzeit 754 Euro im Monat. „Da können wir uns eine Erstvermietungsmiete von 13,55 nicht mehr leisten“, sagte Kern.
Im Vergleich zu knapp 6.000 fertiggestellten Wohnungen der BBU-Mitgliedsunternehmen 2025 erwartet Kern in diesem Jahr nur noch 5.500 Wohnungen. Im kommenden Jahr würden es sogar nur noch knapp 4.000 Wohnungen sein.
Dennoch sieht der Verband Berlin auf einem guten Weg. Mit mehr als 400.000 landeseigenen Wohnungen und fast 200.000 Genossenschaftswohnungen lägen einschließlich kirchlicher Wohnungen fast 40 Prozent des Bestandes in gemeinwohlorientierter Hand. „Da müssen wir uns vor Wien nicht verstecken“, sagte Kern.
Das sehen die Berliner Grünen anders. „Berlin ist leider noch nicht Wien“, kritisiert die wohnungspolitische Sprecherin Katrin Schmidberger. „Dort sind große Teile des Wohnungsbestands dauerhaft sozial gebunden und klaren gemeinwohlorientierten Regeln unterworfen.“ Berlin sei davon weit entfernt.
Kritik kommt auch von der Linkspartei. „Misslich ist, dass der BBU nach wie vor den Spagat versucht, für landeseigene Wohnungsunternehmen und Genossenschaften einerseits, für börsennotierte Großkonzerne wie Vonovia andererseits zu sprechen“, sagte der baupolitische Sprecher Niklas Schenker.
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