„Wir haben es satt“-Demo in Berlin: Haltung für Tierhaltung
Unter dem Motto „Haltung zeigen“ haben Tausende in Berlin für Tierwohl und eine Agrarwende demonstriert. Auch das Mercosur-Abkommen war Thema.
Foto: Liesa Johannssen/reuters
Eine gigantische Sau hatte sich am Samstagmittag unter die Menschen gemischt, die sich vor dem Brandenburger Tor versammelten. Das etwa drei Meter große Tier war von Greenpeace aufgeblasen worden. Der Platz des 18. März war gut besucht. Trotzdem hatte dieses übergroße Schwein dort wohl immer noch mehr Platz als seine lebendigen Vettern und Cousinen in der Massentierhaltung.
Tierwohl war unter dem Motto „Haltung zeigen“ das Hauptanliegen der 16. „Wir haben es satt“-Demonstration. Ein Bündnis aus rund 60 Verbänden hatte für eine sozial gerechte und ökologische Landwirtschaft vor dem Brandenburger Tor protestiert. Laut Schätzungen der VeranstalterInnen nahmen 8.000 Demonstrierende teil. Nach Angaben der Polizei waren es 5.000. Vorfälle habe es keine gegeben.
Die Teilnehmerin Mirjam Anschütz ist Landwirtin. Sie sagt: „Bei uns in Sachsen-Anhalt hat sich ein australischer Investor 20.000 Hektar gesichert. Ich selbst hatte große Probleme, für meinen Betrieb nur wenige Hektar zu bekommen.“ Die Pferde-Landwirtin kreuzte an diesem Samstagnachmittag selbst als Pferd auf. Ihr braunes Ganzkörperkostüm endete in einer Kapuze mit Plüschpferdekopf.
Sie war damit keine Exotin. Nicht nur wegen des aufgeblasenen Schweins: Einige der Teilnehmenden kamen ebenfalls in Tierkostümen, etwa als Bienen, Frösche oder Ziegenböcke.
Landwirtschaftsminister Alois Rainer in der Kritik
Der Protest für nachhaltige Landwirtschaft hatte dieses Jahr gutes Timing. Er fand anlässlich des 100. Jubiläums der „Grünen Woche“ statt, einer der größten Landwirtschaftsmessen weltweit. Zudem unterschrieb am selben Tag EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen das viel kritisierte Freihandelsabkommen der EU mit den Mercosur-Staaten in Paraguay.
In Berlin richteten sich die Reden am Mittag immer wieder gegen die schwarz-rote Bundesregierung. Insbesondere Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) stand in der Kritik dafür, dass er eine staatliche Tierschutzkennzeichnung verschleppe und die Förderung für bessere Tierhaltung gestrichen habe.
Generell positionierte sich der Protest, an dem sich unter anderem Organisationen wie der BUND, die Deutsche Umwelthilfe oder Slow Food beteiligten, für eine gemeinwohlorientierte Landwirtschaft. Forderungen des Bündnisses sind etwa, Agrarförderung nur an bäuerliche Betriebe statt an Konzerne auszuzahlen, Haltungsformen und Gentechnik transparent zu kennzeichnen und an Umwelt-, Klima- und Tierwohlstandards festzuhalten.
Im Demonstrationsaufruf heißt es: „Jedes Jahr schließen rund 2.600 landwirtschaftliche Betriebe.“ Ähnlich sei es im Lebensmittelhandwerk, etwa bei Bäckereien. Zugleich seien die Lebensmittelpreise seit 2021 um 30 Prozent gestiegen.
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