Wie Menschen unter Klimawandel leiden: Städter fühlen Hitzestress ab 25 Grad
Sie sind erschöpft, schlafen schlecht, fühlen sich von den Blicken anderer belästigt: Eine Studie zeigt, wie Menschen den Klimawandel erleben.
Foto: Swen Pförtner/dpa
Wie erleben Städter den Klimawandel im Sommer? Sie schwitzen, sind erschöpft, können nachts nicht schlafen, fühlen sich leichterbekleidet unwohl unter den Blicken anderer. Wie Menschen unter urbaner Hitze leiden, zeigt eine Studie der Universität Würzburg, des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Universität Brünn in Tschechien.
Die Forschenden identifizierten einen Schwellenwert, ab dem die Menschen die klimawandelbedingt zunehmende Wärme als Hitzestress empfinden. „Sobald die Lufttemperatur 25 Grad überstieg, nahm die Zahl hitzebezogener Beiträge aus Mexiko-Stadt in den sozialen Medien exponentiell zu“, sagt Hauptautor Richard Lemoine-Rodríguez. Durch die Verknüpfung von Klima-, Satelliten- und demografischen Daten mit einem sozialen Medium stellten die Forschenden aus dem Forschungsbereich „Geolingual Studies“ zudem fest, dass aus den heißeren und dichter bebauten Teilen von Mexiko-Stadt mehr Beiträge zum Thema Hitze veröffentlicht wurden.
Am häufigsten ging es in den hitzebezogenen Beiträgen um gesundheitliche Probleme und Hitzestress – konkret wurden insgesamt 2,1 Millionen Posts von 90.000 Twitter-Usern (heute „X“) aus dem Jahr 2022 aus Mexiko-Stadt ausgewertet. Fast 9 Prozent der Nutzer*innen twitterten über Erschöpfung, Schlaflosigkeit, körperliches Unwohlsein und emotionale Belastung durch die Hitze.
Auch Arbeitsbedingungen und Kleidung waren ein wichtiges Thema: 2,7 Prozent der Tweets beklagten eine schlechte Kühlung am Arbeitsplatz und berichteten zu Beispiel, dass sie trotz extremer Hitze keine kurzen Hosen tragen durften. „In einigen Fällen forderten sie sogar, dass die Arbeit unter solchen Bedingungen eingestellt werden sollte“, erzählt Lemoine-Rodríguez.
Frauen fühlen sich belästigt
Vor allem Frauen berichteten von unerwünschter Aufmerksamkeit und Belästigung, wenn sie leichtere Kleidung trugen, um mit den hohen Temperaturen zurechtzukommen. 1,8 Prozent der Tweets behandelten dieses Thema. Eine eigentlich der Anpassung an die Hitze dienende Strategie wurde für sie dadurch zu einer belastenden Erfahrung.
Viele Beiträge beschäftigten sich auch mit dem Hitzestress in öffentlichen Verkehrsmitteln (2,4 Prozent), etwa durch Verspätungen, unangenehme Fahrten, schlechte Belüftung oder Klimatisierung. „Nutzerinnen und Nutzer beschrieben außerdem Situationen, in denen sie sich zwischen zwei Übeln entscheiden mussten“, so Coautorin Carolin Biewer: „Hitze oder Luftverschmutzung. Öffneten sie ein Fenster, um sich abzukühlen, mussten sie gleichzeitig verschmutzte Luft einatmen.“
Diskutiert wurden außerdem Möglichkeiten zur Abkühlung wie Klimaanlagen (2,5 Prozent) sowie die Frage, wie Vögel, Haustiere und andere Tiere bei Hitze ausreichend mit Wasser versorgt werden können (1,8 Prozent).
Trotz der zunehmenden Belastungen nimmt der Hitzestress in fast allen deutschen Städten zu. Während die Temperaturen in diesem Sommer erneut Rekordniveau erreichten, haben sich die Bedingungen für Stadtbewohner*innen verschlechtert. In den vergangenen sieben Jahren sind laut Deutscher Umwelthilfe (DUH) 900.000 Bäume aus den untersuchten 195 Städten mit mehr als 50.000 Einwohner*innen in Deutschland verschwunden.
Beim „Hitze-Check“ der DUH schnitten im Juni die Städte Offenburg, Lahr und Mannheim besonders schlecht ab. Positiv bewertet wurden Kiel und Wuppertal. Die DUH forderte von der Bundesregierung die Umsetzung der 3-30-300 Regel: Bürger*innen sollten von ihrem Zuhause aus mindestens drei Bäume sehen können, in einem Umfeld mit 30 Prozent Baumbeschirmung leben und die nächste Grünfläche sollte höchstens 300 Meter entfernt sein.
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