Wer vom Krieg profitiert: Ölkonzern BP verdoppelt Gewinn
Der britische Konzern macht genauso wie andere Ölgiganten extrem hohe Profite. Eine Übergewinnsteuer müssen sie in Deutschland bisher nicht fürchten.
Ein weiterer Kriegsprofiteur meldet einen Riesenprofit: Der britische Ölkonzern BP hat im zweiten Quartal 2026 seinen Gewinn mehr als verdoppelt. Das teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Andere Ölkonzerne haben bereits ähnlich hohe Profite bekannt gegeben, die auf hohe Energiepreise aufgrund des Irankriegs zurückgehen. Eine Übergewinnsteuer, mit der auf europäischer Ebene oder in Deutschland exorbitante Gewinne abgeschöpft würden, ist jedoch nicht in Sicht.
Nach den Angriffen der USA hat der Iran den Seeweg Straße von Hormus gesperrt, durch den große Teile des weltweiten Öl- und Flüssiggasbedarfs transportiert werden. Eine Folge sind stark gestiegene Preise unter anderem für Sprit. Das spült viel Geld auf die Konten der Ölkonzerne. Der um Sondereffekte bereinigte Nettogewinn von BP stieg im Vergleich zum 2. Quartal 2025 um 144 Prozent auf gewaltige 5,73 Milliarden US-Dollar (knapp 5 Milliarden Euro).
Der saudi-arabische Konzern Aramco, der zu den wertvollsten Unternehmen der Welt gehört, hat seinen Gewinn im zweiten Quartal um 44 Prozent auf 32,7 Milliarden US-Dollar gesteigert. Aramco kann die Sperrung der Straße von Hormus teils umgehen, weil es Öl über eine Pipeline ans Rote Meer transportiert. Shell hatte bereits vergangene Woche die Verdreifachung seines Gewinns im zweiten Quartal auf 10,8 Milliarden US-Dollar bekannt gegeben. ExxonMobil hat seinen Gewinn mit 14,5 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt.
Die Gewinne der Ölkonzerne spiegeln sich in höheren Spritpreisen, die die gesamte Wirtschaft belasten und die Inflation anheizen. Vielfach sind die Ölpreise auf dem Weltmarkt niedriger als die Tarife an den Zapfsäulen. Deshalb gehen NGOs wie Oxfam oder Greenpeace davon aus, dass die Konzerne entlang der Lieferkette Gewinne aufschlagen. Sie fordern ebenso wie die SPD, die Grünen und die Linkspartei eine Übergewinnsteuer, um übermäßige Profite abzuschöpfen.
Keine Übergewinnsteuer
Zwar signalisiert Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) von Zeit zu Zeit, dass er für die Einführung so einer Abgabe ist. „Bundesfinanzminister Klingbeil hat deutlich gemacht, dass es in der aktuellen Krise, die viele Menschen hart trifft, keine Abzocke durch Energiekonzerne geben darf“, heißt es auch jetzt auf Nachfrage aus seinem Ministerium. „Übermäßige Krisenprofite müssen an die Verbraucherinnen und Verbraucher zurückgegeben werden.“
Unklar ist aber, was der Minister tatsächlich für die Einführung einer Übergewinnsteuer unternimmt. Er setze sich auf europäischer Ebene dafür ein, sagt ein Sprecher seines Ministeriums. „Weitere EU-Mitgliedstaaten wie Spanien und Italien unterstützen dieses Anliegen.“ Dazu finde ein steter Austausch statt. Mehr will das Ministerium dazu nicht sagen. Auch in den vergangenen Monaten konnte es keine Angaben dazu machen, was Klingbeil konkret für eine Übergewinnsteuer tut.
Auf europäischer Ebene kommt die Einführung nicht voran. Die EU hatte in der Energiepreiskrise 2022 nach dem russischen Angriff auf die Ukraine eine vorübergehende Abgabe von 33 Prozent auf Gewinne eingeführt, die 20 Prozent über dem Vorjahresschnitt lagen. Jetzt lehnt die EU-Kommission Vergleichbares ab. Weil sich hier nichts bewegt, bringen einzelne EU-Länder wie Portugal selbst eine Übergewinnsteuer auf den Weg.
Nach Erkenntnissen des Bundeskartellamts steigt der Abstand zwischen Rohöl- und Großhandelspreis aktuell weiter, insbesondere bei Diesel. Die Bundesregierung hatte im Frühjahr als Reaktion auf den Preisanstieg die Rechte der Wettbewerbshüter gestärkt. „Wir haben Verfahren gegen sämtliche Raffineriebetreiber in Deutschland eingeleitet“, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt am Dienstag. Die Behörde prüft, ob die Preise gerechtfertigt sind. Markteingriffe sind aber nicht zu erwarten. Das Kartellrecht sei kein Instrument staatlicher Preisregulierung und könne Kraftstoffpreise nicht unmittelbar senken, so die Behörde.
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