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Warnstreik am HauptstadtflughafenAm Boden bleiben statt über den Wolken kreisen

Wegen eines Warnstreiks kommt am Mittwoch der Passagierverkehr am Flughafen BER zum Erliegen. Auch der Lufthansa drohen neue Tarifstreitturbulenzen.

Verhandlungen festgefahren, jetzt kommt der Warnstreik Foto: Benjamin Westhoff/dpa

dpa/taz | Am Tag vor dem Warnstreik am Flughafen BER hat Berlins Verkehrssenatorin Ute Bonde die Tarifparteien dazu aufgerufen, aufeinander zuzugehen. „Der BER trägt maßgeblich dazu bei, dass Berlin wirtschaftlich prosperiert“, teilte die CDU-Politikerin mit. Die Gewerkschaft Verdi und die Flughafenbetreiber sollten deshalb zu einem für beide Seiten guten Ergebnis kommen.

Verdi hat für diesen Mittwoch zu einem ganztägigen Warnstreik am Hauptstadtflughafen aufgerufen. Der Arbeitskampf sei eine „direkte Konsequenz der Verweigerungshaltung der Arbeitgeberseite, ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen“, teilte die Gewerkschaft mit. Die die Betreiberin des BER kündigte daraufhin an, dass für diesen Tag der gesamte Passagier-Flugverkehr eingestellt werde.

„Am Mittwoch, den 18. März 2026, sind keine regulären Passagierflüge am Flughafen Berlin Brandenburg möglich“, teilte die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) mit. Betroffen seien 445 Abflüge und Landungen mit etwa 57.000 Passagieren. Die FBB rief betroffene Fluggäste dazu auf, sich bei den jeweiligen Fluggesellschaften über Umbuchungen und alternative Reisemöglichkeiten zu informieren.

Verdi verhandelt derzeit mit der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg über mehr Geld für rund 2.000 Beschäftigte. Darunter sind Mit­ar­bei­te­r:in­nen bei der Feuerwehr, der Verkehrsleitung oder dem Terminalmanagement. Die Aufrechterhaltung des Flugbetriebs gilt deshalb als nicht möglich, auch wenn viele Bereiche wie die Bodenverkehrsdienste oder die Sicherheitskontrollen von Dienstleistern erfüllt werden, die vom Warnstreik nicht betroffen sind.

Gewerkschaft fordert 6 Prozent mehr

Die Gewerkschaft fordert unter anderem 6 Prozent mehr, mindestens jedoch 250 Euro zusätzlich pro Monat je Gruppe beziehungsweise Stufe. Außerdem will sie einen zusätzlichen freien Tag für Gewerkschaftsmitglieder durchsetzen. Die Laufzeit soll 12 Monate betragen.

In der zweiten Runde in der vergangenen Woche hatte die Arbeitgeberseite ein erstes Angebot vorbereitet, das nach Darstellung der Gewerkschaft Entgelterhöhungen von jährlich rund 1 Prozent mit einer Laufzeit bis Ende 2028 vorsieht. „Das ist kein ernsthaftes Angebot, sondern eine Provokation am Verhandlungstisch“, teilte Verdi-Verhandlungsführer Holger Rößler mit. Es ist der erste Warnstreik in der laufenden Tarifrunde.

Die FBB kritisierte den Arbeitskampf als unverhältnismäßig, „gerade in einer durch den Iran-Krieg ohnehin sehr angespannten Lage“, wie FBB-Chefin Aletta von Massenbach mitteilte. „Die nächste Verhandlungsrunde ist bereits fest für den 25. März angesetzt. Wir sind zuversichtlich, dass eine Einigung zustande kommt.“

Der Lufthansa drohen weitere Streiks

Auch bei der Lufthansa steigt die Gefahr neuerlicher Streiks. Nach zwei Streikwellen der Pi­lo­t:in­nen machen sich nun die Flug­be­glei­te­r:in­nen der Kerngesellschaft Lufthansa wie auch der Regionaltochter Cityline bereit für den Arbeitskampf. Die Kabinengewerkschaft Ufo hat ihre Mitglieder zu einer Urabstimmung bis Freitag kommender Woche aufgerufen. Man rechne mit einem sehr eindeutigen Ergebnis, erklärte Ufo-Chef Joachim Vázquez Bürger.

Die Gewerkschaft hat bei beiden Gesellschaften bereits Warnstreiks organisiert. Gründe für die Eskalation sind aus Sicht von Ufo die festgefahrenen Verhandlungen zum Manteltarif bei der Lufthansa und die weiterhin fehlende Bereitschaft des Unternehmens, bei der Cityline über einen Sozialtarifvertrag zu verhandeln. Daran hingen rund 800 Existenzen. Der Flugbetrieb der Regionaltochter soll nach Aussagen des Managements im kommenden Jahr beendet werden. An ihre Stelle tritt eine neue Gesellschaft mit dem ähnlichen Namen Lufthansa City Airlines.

Man habe zunächst den Weg über Gespräche gesucht und die Forderungen jeweils mit Warnstreiks unterstrichen, erklärte Ufo-Verhandlungsführer Harry Jaeger. „Wenn ein Arbeitgeber dennoch stumpf mauert – sei es durch blankes Ignorieren wie bei CityLine, oder durch rigorose inhaltliche Verweigerung wie bei Lufthansa, bleibt einer Gewerkschaft am Ende nur der Schritt, ihre Mitglieder über weitergehende Maßnahmen abstimmen zu lassen.“

Die Piloten ‌und das Kabinenpersonal hatten bereits ⁠vor rund vier Wochen die Lufthansa am gleichen Tag bestreikt. Das Unternehmen hatte rund 800 ‌Flüge streichen müssen und ‌von fast 100.000 betroffenen Passagieren gesprochen.

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