Vorwürfe von schwarzer KI-Forscherin: Proteste bei Google
Die bekannte KI-Forscherin Timnit Gebru verlässt Google im Streit. Grund ist eine Studie zu Sprachverarbeitung, die dem Konzern nicht passt.
Foto: Kristin Callahan/ZUMA Press/imago
Google liebt sein Image als uneigennütziger Tech-Konzern. Da passt es nicht gut ins Bild, wenn Tausende Mitarbeiter:innen protestieren und in einem offenen Brief Aufklärung fordern. Ihre Vorwürfe: Die Schwarze KI-Forscherin Timnit Gebru sei rassistisch diskriminiert und anschließend entlassen worden. Googles Leiter der KI-Abteilung Jeff Dean dementiert die Vorwürfe und sagt, Gebru habe gekündigt. Seit Anfang Dezember wird über diese Frage beim Tech-Konzern gestritten.
Eine unternehmenskritische Mail und eine nichtveröffentlichte Studie waren laut Gebru Auslöser des Konflikts. In der Mail beklagt Gebru die mangelnde Geschlechtervielfalt bei Google. Der Konflikt kochte schnell hoch, weil Gebru den Vorwurf auf Twitter postete. Als internationale Größe in der Forschung zu KI-Ethik arbeitet sie zu rassistischen und sexistischen Vorurteilen, die in vermeintlich neutralen Algorithmen schlummern.
Sie wies nach, dass KI-Gesichtserkennung Schwarze Frauen tendenziell schlechter erkennt. Die hohe Fehlerquote liegt auch darin begründet, dass nur wenige Schwarze Frauen bei der Entwicklung von Gesichtserkennungssoftware beteiligt sind. Nur verhältnismäßig wenige Schwarze Frauen arbeiten bei dem Tech-Konzern.
Aber auch die abgelehnte Studie ist für Google heikel, weil sie am Geschäftsmodell des Unternehmens sägt. Tech-Firmen, heißt es darin, könnten mehr tun, damit KI-Systeme Geschlechtervorurteile nicht weiter reproduzieren. Außerdem verbrauchten sie zur Spracherkennung viel Rechenleistung und würden damit die Umwelt belasten. Auch könnten derartige Systeme für Desinformation missbraucht werden. Google wies den Entwurf intern zurück, weil er angeblich nicht genügend aktuelle Studien berücksichtige. Wissenschaftler:innen sprechen hingegen von Zensur. In der Literaturliste sind indes mehr als 128 Verweise angeführt.
Schon im Jahr 2019 hatte Meredith Whittaker Google im Streit verlassen, auch sie arbeitete im Bereich der KI-Ethik. Der Eindruck bleibt, dass Google Mitarbeiter:innen, die das Geschäftsmodell gefährden und Kritik öffentlich äußern, loswerden will. Und dabei Kritik aus der Wissenschaft kleinredet, wenn sie nicht ins Bild passt.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert