Umstrittener Auftritt im Tesla-Werk: Ist Kool Savas ein Arbeiterverräter?
Nach einem Auftritt in Grünheide hagelte es Kritik an der Raplegende. Nun fordern Tesla-Gegner Savas auf, Beschäftigte im Werk zu unterstützen.
„Du hast es geschafft, die Leute reden wieder von dir“, rappte Kool Savas 2005 in seinem Disstrack „Das Urteil“ über seinen Kollegen Eko Fresh. Gleiches lässt sich über 20 Jahre später über die Raplegende selbst sagen. Der Anlass ist aber kein Beef zwischen zwei Rappern, sondern ein etwas peinlicher Auftritt bei einer Weihnachtsfeier im Teslawerk Grünheide.
Seit dem Auftritt Anfang Dezember steht Savas in der Kritik, Hetze gegen Gewerkschaften zu unterstützen. Die Initiative „Tesla den Hahn abdrehen“ fordert Savas nun auf, die Gage für den Auftritt an Tesla-Arbeiter:innen zu spenden, die wegen ihres gewerkschaftlichen Engagements von Repression betroffen sind. Nach eigenen Angaben wendete sich der „Solidaritätskreis gegen Mobbing und Unterdrückung bei Tesla“ der Initiative mit einem Schreiben an den Künstler. „Finanzielle Repression – etwa durch verweigerte Lohnfortzahlung im Krankheitsfall – ist ein zentrales Mittel, um Widerstand bei Tesla zu brechen“, begründen die Autor:innen ihre Forderung.
Ein Tesla-Mitarbeiter berichtete der taz, der Auftritt von Kool Savas kam völlig unerwartet. Alle Beschäftigten wurde gegen Mittag vom Band freigestellt, mit dem Verweis in der werkseigenen Veranstaltungshalle „Gigadome“ würde eine Überraschung warten.
Elon-Sprechchöre
„Alle dachten, Elon würde uns besuchen“, erinnerte sich der Beschäftigte. Doch statt des Firmenchefs stieg aus dem Cybertruck, der auf der Bühne vorgefahren war, der selbsternannte König des Deutschraps. „Die Musik war mega laut, es war Mittag und alle waren noch in Arbeitsstimmung. Es war ein bisschen seltsam“, erinnert der Arbeiter. Dazu kam, dass in der stark internationalen Belegschaft den Rapper, der Anfang der 2000er Jahren mit stark sexistischem Battlerap berühmt wurde, kaum jemand kannte.
Medienberichten zufolge stimmte Savas bei seinem 30-minütigen Auftritt „Elon“-Sprechchöre an. Werksleiter André Thierig nutzte die Gelegenheit, um nach dem Auftritt gegen die Gewerkschaft IG Metall zu hetzen. Medienberichten zufolge spielte Thierig eine Videomontage ab, auf der eine IG-Metall-Demonstration durch eine Explosion gesprengt wird.
Der Savas-Auftritt gilt als Vorgeplänkel zu den kommenden Betriebsratswahlen im März. Die Gewerkschaft könnte dann zum ersten Mal eine Mehrheit erreichen. „Das Event diente maßgeblich dazu, eine Atmosphäre der Angst zu erzeugen, die IG Metall zu diffamieren“, kritisiert der Solidaritätskreis.
Auch in der Hiphop-Szene sorgte der Auftritt für Ablehnung. „Ehrenloser Kek“, kommentierte Redditnutzer im Forum GermanRap. „King Kool Savas hat die finale Stufe des Sell-Outs erreicht“, ein anderer.
Kommunistische Familie
Savas selbst äußerte sich erst kurz vor Weihnachten mit einem Statement auf Instagram. Er sei nach Grünheide gefahren, um die Tesla-Beschäftigten zu überraschen, auf keinen Fall habe er sich für Gewerkschaftshetze instrumentalisieren lassen wollen. „Ich stehe auf der Seite der Arbeiter“, stellt Savas klar. Der Rapper weist auf seine Familiengeschichte hin. Sein Vater war Kommunist und saß nach dem Militärputsch in der Türkei 1980 jahrelang im Gefängnis.
Der Solidaritätskreis begrüßt ausdrücklich das Statement: „Wir möchten dem klaren Bekenntnis von Kool Savas zu demokratischen und gewerkschaftlichen Rechten die Möglichkeit geben, auch praktisch wirksam zu werden“, heißt es in dem Schreiben. Der Rapper äußerte sich bislang nicht zu den Forderungen.
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