piwik no script img

Umstrittene ReformNeues Heizungsgesetz belastet Gewerbetreibende

Nur bei Privatleuten sollen Vermieter einen Teil der Kosten tragen, wenn sie auf eine Gasheizung setzen. Das Gesetz soll schnell durchs Parlament.

Der grüne Bundestagsabgeordnete Taher Saleh warnt davor, dass das neue Heizungsgesetz Gewerbetreibende wie Bäcker:innen, Fri­seu­r:in­nen und andere Handwerksbetriebe stark belasten könnte. Denn wenn Ver­mie­te­r:in­nen statt auf eine klimafreundliche Lösung doch auf eine neue Gas- oder Ölheizung und die dann erforderliche Beimischung von sogenannten Biobrennstoffen setzen, sollen Gewerbetreibende – anders als Privatleute – nicht entlastet werden.

„Es besteht die reale Gefahr, dass viele von ihnen die steigenden Kosten an ihre Kundinnen und Kunden weitergeben müssen oder wirtschaftlich so unter Druck geraten, dass ihnen am Ende die Insolvenz droht“, sagt Saleh, baupolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag.

Der Hintergrund: Die Bundesregierung will das Heizungsgesetz der Ampel mit dem neuen Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) entkernen. Unter anderem soll der Betrieb und Einbau von Gas- und Ölheizungen unbegrenzt möglich sein, heute ist beides bis 2045 befristet. Dann will Deutschland klimaneutral sein. Für neue fossile Heizungen wird aber ein steigender Anteil von Biobrennstoffen vorgeschrieben, zum Beispiel Biomethan.

taz schneller googeln

Sie nutzen Google? Sie wollen beim Googeln taz-Texte besser finden? Dann können Sie mit einem Google-Konto die neue Funktion „bevorzugte Quellen“ nutzen. Um die taz als „bevorzugte Quelle“ einzustellen, müssen Sie nur diesen Link anklicken und einen Haken setzen. Fertig.

Sie wollen Google meiden? Kein Problem, es gibt zahlreiche Alternativen. Stellvertretend erwähnt seien Ecosia, DuckDuckGo oder Startpage.

Mehr Details zur Funktion „bevorzugte Quelle“ bei Google finden Sie hier.

Diese Heizmittel sind knapp und werden sehr teuer sein. Gleichzeitig ist der Einbau fossiler Heizung – noch – weitaus billiger als etwa der einer Wärmepumpe. Damit Ver­mie­te­r:in­nen trotzdem eher eine klimafreundliche Heizung einbauen lassen, will die Bundesregierung sie an den Kosten für die Biobrennstoffe beteiligen – allerdings gedeckelt bei einem Anteil von 30 Prozent. Nicht beteiligt werden die Vermieter an den absehbar explodierenden Kosten für Gas und Öl.

Das neue Heizungsgesetz soll schnell durch den Bundestag gebracht werden

In den entsprechenden Passagen zur Vermieterbeteiligung im Gesetzentwurf ist nur von „Wohnraummietverhältnissen“ die Rede – für Gewerbetreibende soll die Entlastung also nicht gelten. „Wer die Wirtschaft ankurbeln und den Mittelstand stärken will, darf ausgerechnet diese Betriebe nicht mit immer höheren Energiekosten belasten“, sagt Saleh. Betroffen von diesen Kosten wären auch Dienstleister:innen, Organisationen und Verbände, denn sie nutzen ihre Räume ebenfalls nicht als Wohnungen.

Gesetz im Eiltempo

Nachdem das Bundeswirtschaftsministerium fast ein Jahr gebraucht hat, um den Entwurf vorzulegen, will die Bundesregierung die Novellierung jetzt im Eiltempo durchs Parlament bringen. Verbände, etwa der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, kritisieren, dass sie nach der Veröffentlichung des Entwurfs im Frühjahr nur wenige Tage Zeit zur Stellungnahme erhalten hätten. In der vergangenen Woche ist das Gesetz in erster Lesung im Bundestag beraten worden. Am kommenden Montag findet die öffentliche Anhörung dazu statt. Danach soll das Gesetz zügig in zweiter und dritter Lesung im Bundestag verabschiedet werden.

Allerdings verhandeln SPD- und Unionsfraktion noch zu wesentlichen Punkten. Unklar ist, ob dazu auch die höheren Belastungen für Gewerbetreibende gehören. „Zu Details äußern wir uns im laufenden Prozess nicht“, sagte eine Sprecherin der SPD-Fraktion. „Wir sind optimistisch, dass das Gesetz vor der Sommerpause verabschiedet werden kann.“

Offenbar will die Bundesregierung den zahlreichen Kri­ti­ke­r:in­nen mit dem hohen Tempo die Gelegenheit nehmen, Widerstand gegen das Vorhaben zu organisieren. Nicht nur Grüne und Linkspartei sind strikt gegen die geplanten Änderungen. Auch Sozial-, Umwelt- und Mieterschutzorganisationen lehnen das neue Heizungsgesetz wegen seiner finanziellen und klimapolitischen Unwuchten ab. In verschiedenen Ausschüssen des Bundesrats hatten Lan­des­mi­nis­te­r:in­nen heftige Kritik an dem Entwurf geübt. Zuletzt hatte der Bundesrat die Novellierung aber weitgehend gebilligt. Er soll im Juli abschließend darüber beraten. Eine Ablehnung der Länderkammer hätte allerdings keine Wirkung, denn das Gesetz ist nicht zustimmungspflichtig.

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 180 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • Manchmal träume ich, und dann sehe ich Massen von frustrierten Deutschen, die erkennen, was CDU und so ihnen angetan haben. Erkennen, wie diese, für die Rechte ihrer drängenden Lobbyisten kämpfend, ihnen eine aus der Zeit gefallene, fundamentalistisch verteidigte, sündhaft teure, explodierend teure Gasheizung ermöglicht haben.