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Schleswig-Holsteins KlimaschutzplanMoore sollen fossile Restheizungen ausgleichen

Regierung und Verbände vereinbaren Weg zur Klimaneutralität bei Gebäuden. Ab 2040 kein Neubau fossiler Heizungen. Restemissionen werden toleriert.

Von der reetgedeckten Kate hinterm Deich bis zum Hochhaus in Kiel gibt es in Schleswig-Holstein rund 850.000 Wohngebäude mit 1,5 Millionen Wohnungen. Eigentlich wollte die schwarz-grüne Landesregierung, dass der Gebäudesektor bis 2040 klimaneutral beheizt und mit sauberer Energie versorgt ist. In einer Vereinbarung mit der Wohnungs- und Bauwirtschaft sowie Sozialverbänden weicht die Regierung nun von diesem Ziel ab.

Dafür nennt sie Wege, wie die Transformation sozialverträglich laufen kann. Die Klimaneutralität soll über andere Wege erreicht werden. Einen „Meilenstein“ nennt Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) die Vereinbarung.

Die Landesregierung hat dafür ein breites Bündnis von Vereinen und Verbänden zusammengetrommelt, vom Mieterbund bis zum Sozialverband. Mit dabei ist auch der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen, der das Klimaziel zuletzt kritisiert hatte.

In dem Papier erklären beide Seiten, dass sie am Ziel der Klimaneutralität bis 2040 – also früher als auf Bundesebene geplant – grundsätzlich festhalten. Gleichzeitig erkenne „die Landesregierung an, dass auch nach 2040 im Gebäudesektor Restemissionen verbleiben können“, sagte Günther.

Ausgleich durch natürliche Senken

Zurzeit entlassen Häuser und Wohnungen 43 Prozent weniger CO₂ in die Umwelt als im Vergleichsjahr 1990 – doch bis zur Nullmarke bleiben noch 57 Prozent. Damit Schleswig-Holstein sein Emissionsziel rechnerisch einhalten kann, soll CO₂ an anderen Stellen eingespart oder im Boden gehalten werden, das sieht das Klimaschutzprogramm der Regierung vor.

Den Ausgleich können „natürliche Senken“ wie Wälder und vor allem Moore bilden. „Ebenso pragmatisch wie ambitioniert“, nannte Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) die Einigung.

Dabei bleibt das Land ehrgeiziger als der Bund: In Schleswig-Holstein muss „ab dem Jahr 2040 beim erstmaligen Einbau oder einem Heizungstausch eine klimaneutrale Wärmeversorgung gewährleistet werden“, heißt es in der Vereinbarung. Das „Gebäudemodernisierungsgesetz“ der Bundesministerin Katherina Reiche (CDU) sieht für 2040 nur einen Anteil von 60 Prozent erneuerbarer Energie vor.

„Klimaneutralität von Wohnimmobilien ist weder Hexenwerk noch Raketenwissenschaft“, sagt Alexander Blažek, Verbandsvorsitzender Schleswig-Holsteinischer Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer, die in Schleswig-Holstein zu 80 Prozent aus Privatpersonen bestehen. Bis 2040 müssten in älteren Gebäuden ohnehin die meisten Heizungen getauscht werden.

Da hätte man nach vier Jahren mit dem Klimaziel 2040 schon viel weiter sein müssen.

Ulf Kämpfer, SPD-Landesvorsitzender

Erfolge dann der Anschluss an ein Nah- oder Fernwärmenetz oder der Einbau einer Wärmepumpe, sei „die Wohnimmobilie automatisch klimaneutral“. Bei Fragen helfe der Verband mit Energieberatung, an deren Kosten sich das Land mit einer Förderung beteiligt.

Auch der Deutsche Mieterbund hat die Einigung unterschrieben, warnt aber davor, Mie­te­r:in­nen für Dämmung und Heizungstausch zur Kasse zu bitten: „Die Kostenlast sollte nur beschränkt bei der Bevölkerungsgruppe mit dem kleinsten Geldbeutel landen“, sagt der Landesvorsitzende Volker Kiersch.

In der zehnseitigen Vereinbarung finden sich neben gegenseitigen Zusagen auch zahlreiche Willensbekundungen. Zu weich, findet Ulf Kämpfer, SPD-Landesvorsitzender und Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2027. Er sieht Unverbindlichkeit, Allgemeinplätze und oft unkonkrete Absichtserklärungen. „Da hätte man nach vier Jahren mit dem Klimaziel 2040 schon viel weiter sein müssen“, findet er.

Christopher Vogt, Fraktionschef der FDP im Landtag, lehnt den „regionalen Sonderweg“ zur Klimaneutralität bis 2040 generell ab und sieht nun auch die Regierung bei der Umsetzung gescheitert. „Diese Vereinbarung ist nicht mehr als eine schwarz-grüne PR-Nummer für den Landtagswahlkampf“, kritisiert Vogt.

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