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Überraschende Studie zu WaldbrändenSchnelle Feuer verkohlen mehr

Der Klimawandel beschleunigt die Ausbreitung von Waldbränden. Eine Studie zeigt nun: Je schneller die Feuer sich ausbreiten, desto mehr Schaden richten sie an.

taz/dpa Sich schnell ausbreitende Feuer vernichten größere Flächen – und richten nachhaltigere Schäden an. Das ist das zentrale Ergebnis einer Untersuchung von Waldbränden in Nordamerika, die ein For­sche­r:in­nen­team von der Western Colorado University in Gunnison (Colorado) im Fachjournal „Science Advances“ veröffentlicht haben.

So nehmen mit einer sich erhöhenden Ausbreitungsgeschwindigkeit auch die Intensität der Feuer, der Anteil der stark verbrannten Fläche sowie die Entfernung zwischen überlebenden Samenbäumen zu. Der Klimawandel erhöhe die Brennbarkeit von Wäldern, die Länge der Waldbrand-Saison und die Wahrscheinlichkeit von Extremwetter-Ereignissen weiter – allesamt Faktoren für sich schnell ausbreitende Brände.

Die Ausbreitung von Waldbränden untersuchten die For­sche­r:in­nen anhand von Satellitenaufnahmen von 3.499 größeren Waldbränden in Kanada und in den westlichen USA, einschließlich Alaskas, im Zeitraum von 2012 bis 2023. Die Feuer entwickelten sich sehr unterschiedlich: So reichte die Fläche, die bei einem einzelnen Brand an einem Tag verbrannte, von 25 bis 141.257 Hektar.

Die Ausbreitung lag bei 131 bis 61.878 Metern Luftlinie. Die zehn Ereignisse mit der schnellsten täglichen Brandausbreitung, bei denen jeweils eine Strecke von mehr als 32 Kilometern innerhalb von 24 Stunden zurückgelegt wurde, verbrannten zusammen 547.000 Hektar Nadelwald.

Die schnellsten Brände in Wäldern breiten sich bei großer Trockenheit und starkem Wind über Baumkronen aus. „Da Kronenfeuer die Baumkronen vernichten, sind sie für die Bäume in den meisten nordamerikanischen Nadelwäldern im Allgemeinen tödlich und können nach dem Brand Landschaften mit großen, stark verbrannten Flächen hinterlassen“, schreibt das Team um Jonathan Coop.

Starke Auswirkung auf Ökosysteme

Mit der Ausbreitungsgeschwindigkeit steigt neben der Intensität des Feuers auch der Anteil der stark verbrannten Fläche, in der so gut wie keine Bäume überleben, wie die Forscher mit hoher statistischer Wahrscheinlichkeit feststellten. Da auf diesen Flächen auch die Samen der Bäume verbrannt sind, erhöht sich auch die Entfernung zum nächsten samentragenden Baum.

Durch die Vernichtung der Samen können sich auf lange Sicht auch die Ökosysteme stärker verändern. Denn es gibt Baumarten, die besser als andere an die Situation nach einem Waldbrand angepasst sind. So lösen Brände, die nicht ganze Bäume vernichten, etwa bei der Unterart Latifolia der Küstenkiefer (Pinus contorta) und bei der Schwarzfichte (Picea mariana) die Verbreitung von Samen aus. Auch Laubbäume wie Gambel-Eiche (Quercus gambelii) oder die Amerikanische Zittelpappel (Populus tremuloides), die Samen über einen großen Bereich streuen kann, können zu den Gewinnern nach Waldbränden gehören.

Bedeutung auch für Brände in Europa

Die Regeneration der Ökosysteme wird durch die schweren Brände stärker behindert, was auch künftige Brände verstärken kann. Laut Coop lässt sich auch in Europa beobachten, „dass das Brennen von Nadelwäldern unter zunehmend warmen und trockenen Bedingungen zu explosiven Waldbränden führen kann – also zu solchen, die sich sowohl schnell ausbreiten als auch eine hohe Brandintensität aufweisen“. Die Erkenntnisse unterstreichen laut Studie den Bedarf „die nach Bränden entstandenen Landschaften so zu gestalten, dass die Funktionen des Waldökosystems erhalten bleiben sowie die sozioökologische Anpassung zu fördern“, schreiben die Wissenschaftler.

Kirsten Thonicke vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) schließt ähnliche Effekte, wie sie in der Studie gefunden wurden, für große, zusammenhängende Waldgebiete in Europa nicht aus. „Der Unterschied in Europa liegt in der besseren Zugänglichkeit der Standorte“, sagt die Forscherin. „Hier könnten Maßnahmen zur unterstützenden Wiederaufforstung – etwa durch Pflanzungen oder das Abwerfen von Samenbomben aus der Luft – hilfreicher sein“, sagt die Potsdamer Forscherin. (taz, dpa)

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