piwik no script img

USATrump schreddert Klimaschutz, Demokraten wollen Untersuchung

Demokratische Senatoren fordern, das Kippen von Klimabestimmungen durch die US-Regierung zu untersuchen – auch im Hinblick darauf, wer von ihr profitiert.

Darf es noch etwas fossiler sein? Die Phillips 66-Raffinerie im kalifornischen Wilmington Foto: Caroline Brehman/epa

Aus Washington

Hansjürgen Mai

Mehr als drei Dutzend demokratische Senatoren fordern eine Untersuchung, nachdem die US-Regierung vergangene Woche eine wichtige Grundlage für viele Klimabestimmungen gekippt hatte. Die Demokraten wollen untersuchen, wie die Umweltschutzbehörde EPA ihre kontroverse Entscheidung getroffen hat, erklärten die Senatoren in einem Schreiben. „Die einzigen Nutznießer werden umweltverschmutzende Industrien sein, von denen viele zu den größten Geldgebern von Präsident Trump gehören“, schreiben die Senatoren.

Die Demokraten bezeichneten die Entscheidung als „irrational“. Sie befürchten, dass die EPA künftig Klimavorschriften abweisen werde, obwohl diese nur geringe Kosten für die Industrie hätten, aber wesentlich zur öffentlichen Gesundheit beitragen würden.

Die US-Regierung hatte in der vergangenen Woche bekanntgegeben, dass man die sogenannte „Endangerment Finding“ widerrufen werde. Diese Gefährdungsfeststellung aus dem Jahr 2009 besagt, dass Treibhausgase die öffentliche Gesundheit und das Gemeinwohl gefährden und daher von der Umweltbehörde kontrolliert werden sollten. Durch die Aufhebung dieser Regelung am Donnerstag entzog die Regierung der EPA die rechtliche Grundlage, um die klimaschädliche Umweltverschmutzung einzudämmen.

Die Aufhebung der Endangerment Finding würde dazu führen, dass „der gesetzliche Auftrag der EPA zum Schutz der menschlichen Gesundheit nicht mehr ordnungsgemäß ausgeführt werde“, heißt es in dem Schreiben der Senatoren weiter.

Präsident Trump bezeichnete die Rücknahme dieser Regelung als die größte Deregulierungsmaßnahme in der amerikanischen Geschichte. Laut dem Weißen Haus sollen dadurch bürokratische Kosten in Höhe von 1,3 Billionen US-Dollar entfallen.

EPA-Boss Lee Zeldin sagte auf der Münchener Sicherheitskonferenz am Wochenende, dass die wissenschaftliche Grundlage der Gefährdungsfeststellung fehlerhaft gewesen sei und sie deshalb nicht rechtmäßig war.

„Die Gefährdungsfeststellung und die darauf basierenden Vorschriften regelten nicht nur die Emissionen, sie regulierten und zielten auf den amerikanischen Traum ab“, erklärte Zeldin bereits vergangene Woche.

Umweltorganisationen haben bereits Klagen angekündigt. Auch der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom droht mit einer Klage. „Diese Entscheidung ist ein Verrat am amerikanischen Volk und zementiert den Ruf der Republikaner als Partei der Umweltverschmutzende“, heißt es in einer Erklärung des Demokraten.

Die Energie- und Umweltpolitikexpertin Kelly Sims Gallagher, die am Rande der Münchener Sicherheitskonferenz mit der taz sprach, ist davon überzeugt, dass die Gerichte die Regierungsentscheidung rückgängig machen werden.

„Ich glaube nicht, dass diese Aufhebung vor Gericht Bestand haben wird, denn alle Beweise, alle wissenschaftlichen Erkenntnisse, sind eindeutig: Der Klimawandel stellt eine reale Bedrohung für die menschliche Gesundheit und das Eigentum der Vereinigten Staaten dar“, sagte Gallagher, die an der Tufts University lehrt.

„Die ganze Make-America-Great-Again-Mentalität ist rückwärtsgewandt, und diese rückwärtsgewandte Mentalität besagt, dass die Vereinigten Staaten durch Öl und Gas stark geworden sind und dass wir auch weiterhin stark bleiben werden. Und ich bin grundsätzlich der Meinung, dass dies ein Irrtum ist und nicht im besten Interesse künftiger Generationen liegt“, sagte Gallagher.

Sie prophezeit, dass die Trump-Regierung versuchen werde, den Rechtsstreit so lange wie möglich zu verzögern. Dass eine mögliche nächste demokratische US-Regierung die Entscheidung wieder Rückgang machen könnte, mindert Gallagher zufolge nicht die Botschaft, die Washington aktuell sendet: Die USA haben sich aus dem Kampf gegen den Klimawandel komplett zurückgezogen.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

9 Kommentare

 / 
  • Trump ist ein verwöhnter, wissenschaftsferner Cretin, der sich für klug hält. Das ist s ziemlich der gefährlichste und unangenehmste Typ Mensch, der einem begegnen kann.



    Ein wenig untergegangen ist, dass die Trump-Administration den US Klimaforschern den Zugriff auf Supercomputer entzogen hat, ohne die ist eine Modellierung des Klimawandels und dessen Folgen kaum möglich, de facto wäre das Forschungsgebiet in den USA damit tot.

  • Was Donald Trump derzeit aufführt, ist nichts Geringeres als Öko-Terror gegen die Zukunft unserer Kinder. Indem er Treibhausgase kurzerhand für „unschädlich“ erklärt, betreibt er eine Realitätsverweigerung epischen Ausmaßes. Dieses „Drill, baby, drill“ ist der verzweifelte Totentanz einer sterbenden Industrie, orchestriert von einem Mann, der die Welt für kurzfristige Profite seiner fossilen Gönner bereitwillig opfert.



    ​Wir dürfen uns von diesem reaktionären Kurs nicht beirren lassen: Die Elektrifizierung mit grünem Strom ist keine Option, sie ist die einzige Überlebensgarantie! Während Trump die USA zurück ins Kohlezeitalter zerrt, müssen wir massiv in Sonne, Wind und Stromnetze investieren. Nur die radikale Abkehr von Öl und Gas sichert uns echte Souveränität und stoppt den thermischen Kollaps.



    ​Ein E-Motor, gespeist aus erneuerbaren Quellen, ist um Welten effizienter als jede Verbrennungsmaschine. Wer heute noch auf fossile Energien setzt, hat weder Wirtschaft noch Physik verstanden. Wir brauchen keine „wunderschöne Kohle“, sondern eine grüne Strom-Revolution, um diesem imperialistischen Wahnsinn aus Washington ein nachhaltiges Modell entgegenzusetzen.

  • Ich kann das hier gleich abkürzen:



    Die oil & gas industry wird profitieren. Und damit natürlich die Kleptokraten im weissen Haus.

  • Ein gefährlicher, diktatorischer, kleingeistiger Pleitegeier meint mehr zu wissen als studierte Forscher und Wissenschaftler und man lässt ihn agieren. Unfassbar!

    • @snowgoose:

      Das nennt sich Demokratie. Es gibt halt keine Wissenschaftskratie.



      Die Bürger dort haben ihn gewählt, und wohl auch gewusst, wen und was sie wählen. Oder zumindest mal bereitwillig in Kauf genommen.



      Aber mir ist eine schlechte Demokratie immer noch besser als eine (Wissenschafts-) Diktatur. Auch wenn man in den USA von Demakratischen Prozessen immer weniger erkennt.

  • Während der Planet unter Rekordhitze und Extremwetter kollabiert, betreibt Donald Trump eine Politik der verbrannten Erde. Sein erneuter Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen und die bizarre Deklaration von Treibhausgasen als „unschädlich“ sind kein politischer Kurs, sondern ein rücksichtsloser Feldzug gegen die Lebensgrundlagen der Menschheit.



    ​Mit dem Mantra „Drill, baby, drill“ agiert er als oberster Lobbyist der fossilen Industrie und ignoriert jede wissenschaftliche Evidenz. Dieser ökologische Ignorant nimmt für kurzfristige Profite und billige Populismen die Vernichtung ganzer Ökosysteme und die Flucht von Millionen Menschen in Kauf. Es ist ein beispielloser Akt globaler Verantwortungslosigkeit, wenn die zweitgrößte Industrienation der Welt den Klimaschutz zur „Erfindung“ erklärt und die internationale Zusammenarbeit torpediert.



    ​Wer die Atmosphäre als Müllhalde freigibt, begeht ein Verbrechen an kommenden Generationen. Trump ist nicht nur ein politisches Risiko, er ist ein Brandstifter in einem brennenden Haus. Die Welt darf diesem destruktiven Egoismus nicht länger tatenlos beim Zerstören unserer Zukunft zusehen.

    • @amigo:

      Sehr schön alles aus Klimaschutzsicht aufgeschrieben, und nun? Was soll nun passieren.



      D. Trump wird selbst beim Lesen Ihrer Worte keine Ängste bekommen und zurückrudern!



      Auch Ihr Beitrag ist wieder einmal der Beleg dafür, dass die "Progressive Seite" immer die Meinung hat auf der einig richtigen Seite zu sein.



      Dies wird damit bestätigt, dass immer wieder irgendwelche Aufzählungen und apokalyptische Zukunftsszenarien gemalt, wenn, ja wenn nicht sofort und genau so wie beschrieben gehandelt wird.



      Von Flug, Fleisch, Autofahr, und sonstigen Verboten mal ganz abgesehen.



      Was aber von den Progressiven nie gesehen wird, D. Trump ist von der Mehrheit der US Bürger gewählt worden und Nein, nicht weil die Progressiven die Folgen nicht schlimm genug dargestellt haben, sondern vielmehr weil viele die ewige Gängelung satt haben.

      Das Problem ist einfach die fehlende Kompromissbereitschaft auf die fossilbewahrer zuzugehen und diese zu überzeugen gemeinsam einen Weg zu finden, auch wenn nötig mit reduzierter Geschwindigkeit.



      Hätte man dies vor 20 Jahren begonnen, dann wären wir heute weiter.



      Aber, Nein, es hieß immer mit dem Klima kann man keine Kompromisse eingehen. Und deshalb It is how it is

      • @AuchNeMeinung:

        Wer von „fehlender Kompromissbereitschaft“ spricht, während die Weltmeere kochen, hat das Grundproblem nicht verstanden: Die Naturgesetze lassen nicht mit sich handeln. Man kann mit einem Despoten wie Trump über Zölle verhandeln, aber nicht mit der Thermodynamik über die Schmelzrate der Pole. Dass die US-Wahl als Mandat zur globalen Brandstiftung umgedeutet wird, ist der eigentliche demokratische Offenbarungseid.



        ​Ihr Vorwurf der „Gängelung“ ist nichts als die Weigerung, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. Wir haben keine 20 Jahre mehr für „reduzierte Geschwindigkeit“. Während Sie über das Schnitzel und das SUV-Verbot jammern, verlieren Millionen Menschen im globalen Süden ihre Existenzgrundlage. Das ist kein apokalyptisches Gemälde, sondern die Bilanz des Februar 2026.



        ​Wer heute noch „Fossilbewahrer“ umarmen will, kuschelt mit dem Henker. Fortschritt bedeutet nicht, aus falscher Höflichkeit gegenüber Ignoranten den Untergang zu moderieren. Es geht nicht um „moralische Überlegenheit“, sondern um das nackte Überleben. Wer das als „progressive Gängelung“ abtut, hat den Schuss immer noch nicht gehört. It is how it is: Die Realität schert sich nicht um Ihr Wohlbefinden

  • Von Faschisten und Extremkorrupten kann man nichts anderes erwarten. Es geht denen um Profite, sonst nichts. Die Bevölkerung? Nebensache, die sollen doch sehen wie sie klarkommen mit Extremhitze, Extremunwettern, Überschwemmungen, Atemnot, Krebs etc etc.