US-Planspiele zu Grönland: „Natürlich ist der Einsatz des US-Militärs immer eine Option“
Besetzen oder kaufen? Die US-Regierung überlegt, wie sie ihre Ansprüche auf Grönland umsetzen könnte. Grönland und Dänemark halten weiter dagegen.
Foto: Emil Nicolai Helms/Ritzau Scanpix Foto/AP/dpa
Gerade hatte Dänemarks Außenminister noch davor gewarnt, die Dinge weiter aufzubauschen. „Es ist ernst genug“, sagte Lars Løkke Rasmussen nach einer Sondersitzung des Auswärtigen Ausschusses in Kopenhagen. Kurz danach machte die US-Regierung klar, dass alle zuletzt gehörten, teils widersprüchlich wirkenden Varianten von „Grönland muss amerikanisch werden“ für sie immer noch auf dem Tisch liegen.
Erwägt Washington ernsthaft, sein Ziel mit militärischen Mitteln zu erreichen – und damit einen Nato-Alliierten anzugreifen? Nach der Militäraktion in Venezuela am Wochenende und den neuen Grönland-Äußerungen des US-Präsidenten hielt auch Mette Frederiksen nichts mehr für ausgeschlossen: Wenn das passiere, sei alles aus, sagte die dänische Ministerpräsidentin am Wochenende.
Trump-Berater Stephen Miller hingegen erklärte die Frage, ob die USA Grönland mit militärischen Mitteln einnehmen würden, im CNN-Interview für irrelevant. Es würde sich doch sowieso niemand wegen Grönland mit seinen 30.000 Einwohnern militärisch mit den USA anlegen, sagte er in der Nacht zu Dienstag. Miller ließ es so klingen, als könnten sich die USA im Zweifel einfach nehmen, was sie wollten. Beobachter nicht nur in Dänemark stellten fest, dass er damit wohl recht haben könnte.
Wie käuflich ist Grönland?
Derweil erklärte der kurz vor Weihnachten plötzlich und unerwartet zum US-Sondergesandten für Grönland erklärte Jeff Landry, im Hauptberuf Gouverneur von Louisiana, dass man mit den Grönländern direkt sprechen wolle, ohne Umweg über Europa. Und ihnen Geschäfte anbieten, Verbesserungen – und Unabhängigkeit vom einstigen Kolonialherren Dänemark.
Am Dienstagabend fasste das Weiße Haus dann offiziell zusammen, was aus seiner Sicht alles denkbar sei, um Kontrolle über Grönland zu bekommen. „Der Präsident und sein Team diskutieren eine Bandbreite von Möglichkeiten, dieses wichtige außenpolitische Ziel zu erreichen, und natürlich ist der Einsatz des US-Militärs immer eine Option, die dem Oberbefehlshaber zur Verfügung steht“, hieß es auf Nachfrage der Nachrichtenagentur Reuters.
Zu den diskutierten Möglichkeiten gehört demnach der bereits vielfach von Nuuk und Kopenhagen abgelehnte Kauf Grönlands durch die USA sowie das Angebot eines „Compact of Free Association“, also ein Abkommen, bei dem Grönland wie etwa die Marshall-Inseln im Pazifik seine Verteidigung den USA übertragen würde und im Gegenzug finanzielle Unterstützung bekäme. Das erklärte ein hochrangiges Mitglied der Trump-Regierung gegenüber Reuters. Der Präsident liebe es, Geschäfte zu machen, und wenn das mit Grönland gelänge, wäre das seiner erster Impuls.
Die anonym zitierte Person sagte demnach auch, dass Donald Trump sich nicht abschrecken ließe von der deutlichen Erklärung mehrerer großer Nato-Länder, die Grönland am Dienstag ihre Unterstützung zugesagt hatten. Sein Ziel sei es, Grönland noch während seiner Amtszeit zu „bekommen“.
Dänemark sieht Missverständnisse
In Kopenhagen sprach Lars Løkke Rasmussen noch von Missverständnissen und Fehldeutungen durch die Amerikaner, wie der dänische Rundfunk DR berichtete. Dänemark täte viel mehr für die Sicherheit Grönlands, als die USA behaupteten, sagte der Außenminister. Er und seine grönländische Amtskollegin Vivian Motzfeldt hätten gemeinsam um ein baldiges Treffen mit US-Außenminister Marco Rubio gebeten, um vorhandene Missverständnisse zu klären.
Denn eines der zentralen Argumente der USA ist, dass Dänemark es sich nicht leisten könne, die Sicherheit in der Arktis zu garantieren, und daher die USA Grönland schützen müssten. Außer acht lassen sie dabei das seit 1951 bestehende Abkommen, das den USA bereits weitgehende Rechte zu militärischer Präsenz in Grönland garantiert. Auch die verstärkte dänische Aufrüstung und Nato-Zusammenarbeit in der Region ändern offenbar nichts für Washington.
Eine wiederkehrende Formulierung in den Solidaritätsbekundungen für Grönland und Dänemark – ob von nordischen Nachbarn am Sonntag, von der EU-Kommission am Montag oder von den Nato-Ländern am Dienstag – ist die: Nur Grönland und Dänemark hätten über Dinge zu entscheiden, die Grönland und Dänemark betreffen. Die USA sind anderer Meinung.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert