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US-Behörde ICE infiltriertAngenommen, nach sechs Minuten Bewerbungsgespräch

Trumps faschistoider Schlägertrupp ICE stellt offenbar Personal ein, ohne es vorher zu überprüfen. Die Journalistin Laura Jedeed hat es erlebt.

Ruckzuck rekrutiert: die Journalistin Laura Jedeed Foto: Mason Trinca/The Washington Post/getty images

Woher kommen diese Typen?, fragt man sich, wenn man die Videos der Vermummten auf Social Media sieht. Meist junge Männer, die vermeintlich illegale Migrant_innen aus ihren Autos zerren, ihre Gesichter gegen den Asphalt pressen, sie in Handschellen legen, in ihre Häuser eindringen oder diejenigen, die sich solidarisch zeigen, aus nächster Nähe erschießen, wie zuletzt in Minneapolis.

Wie leicht man Teil des faschistoiden Schlägertrupps, also der US-Behörde ICE (Immigration and Customs Enforcement), werden kann, zeigt die US-Journalistin Laura Jedeed. Sie bewarb sich um einen Posten bei einer ICE-Jobmesse in Texas, zunächst aus Neugier, berichtet sie im Onlinemagazin Slate. Dass ihr ohne auch nur die elementarste Eignungsprüfung wenige Wochen später ein Jobangebot unterbreitet wurde, zeigt, wie verantwortungslos ICE rekrutiert. Und so, welche Gefahr die Beamt_innen darstellen.

Laura Jedeed ist 38 Jahre alt, ging nach der Schule zur US-Armee und war zwei Mal in Afghanistan im Einsatz. Sie vermutete, dass sie damit zumindest eine Runde weiter kommen würde im Bewerbungsprozess, schreibt sie. Auf ihrem Lebenslauf habe sie ihre derzeitige Tätigkeit als Journalistin zwar ausgespart, aber dennoch ihren Klarnamen verwendet. Googelt man sie, stößt man sofort auf ihre kritischen Texte über US-Präsident Donald Trump. Sie sei sogar auf der rechten Website „AntifaWatch“ aufgelistet. Eine Rückmeldung habe sie deshalb nicht erwartet.

Nach einem etwa sechsminütigen Gespräch, das aus oberflächlichen Fragen bestand, sagte man ihr, man werde sich melden.

„Uncle Sam braucht dich“

Die ICE-Recruiting-Website zeigt, wie propagandistisch die Behörde ihre Jobs bewirbt. Über dem Slogan „America Needs You“ prangt die seit dem Ersten Weltkrieg bekannte Uncle-Sam-Illustration. Dazu die Botschaft: „Amerika wurde von Kriminellen und Verbrechern unterwandert. Wir brauchen DICH, um sie zu vertreiben.“

Etwa einen Monat nach dem Bewerbungsgespräch habe die Journalistin ein vorläufiges Jobangebot bekommen mit der Aufforderung, Dokumente nachzureichen, darunter eine Kopie des Führerscheins, eine Zustimmung für einen Backgroundcheck und eine eidesstattliche Erklärung, dass sie nie wegen häuslicher Gewalt verurteilt wurde.

Obwohl Jedeed die Mail verpasst und deshalb keins der Dokumente eingereicht habe, sei sie drei Wochen später per Mail zu einem Drogentest aufgefordert worden. Sie habe ihn gemacht, schreibt sie, habe aber wenige Tage zuvor Cannabis geraucht. Als sie sich eine Woche später auf der Seite eingeloggt habe, fand sie dort zu ihrer Überraschung die Info, dass sie den Job bereits längst angenommen habe – trotz des Drogentests, trotz nicht eingereichter Dokumente, trotz fehlendem Backgroundcheck. Sie habe das Angebot schließlich abgelehnt, schreibt sie.

Personalzuwachs von 120 Prozent

Nach Angaben des Department of Homeland Security wurden seit Beginn der neuen Trump-Amtszeit vor rund einem Jahr neben den 10.000 bereits bestehenden etwa 12.000 zusätzliche ICE-Beamt:innen rekrutiert. Insgesamt sollen mehr als 220.000 Bewerbungen eingegangen sein.

Es ist beängstigend, wie fahrlässig der Bewerbungsprozess gestaltet ist. Beängstigend, aber kaum überraschend. Wer nicht Teil der MAGA-Sekte ist, erkennt die Brutalität, mit der ICE auf Amerikas Straßen vorgeht, und kommt kaum zu dem Schluss, die Beamt_innen seien gut vorbereitet oder ausgebildet. Die Erfahrung Jedeeds bestätigt nun, was die kursierenden Videos längst befürchten ließen.

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2 Kommentare

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  • Leute, die die letzte Staffel South Park gesehen haben, wissen dies bereits. So funktioniert Information.

  • Sie hält sich nicht an Regeln, hascht, war im Krieg - was braucht es mehr, um ein thug zu werden?



    Was braucht es eigentlich, dass auch die Republikaner das impeachment wegen erster faschistoider Tendenzen und permanentem Rechtsbruch starten? Die Zwischenwahl sollte hoffentlich der Startschuss hierfür werden.