Tram entgleist und aufgerissen: Zu schnell gefahren?
20 verletzte Menschen, drei davon schwer: Nach dem Straßenbahnunfall in Berlin-Hohenschönhausen arbeitet die BVG an der Aufklärung.
Foto: picture alliance/dpa | Christophe Gateau
dpa/taz | Bei einem Straßenbahnunfall in Berlin-Hohenschönhausen sind laut Feuerwehr 20 Menschen verletzt worden, drei davon schwer. „Wir haben insgesamt zwölf Personen in umliegende Krankenhäuser gebracht, die restlichen Personen konnten vor Ort ambulant versorgt werden“, sagte ein Sprecher der Feuerwehr der Deutschen Presse-Agentur. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) rechneten damit, dass die Strecke voraussichtlich wohl erst am Freitag wieder zu befahren sei, sagte ein BVG-Sprecher am Dienstagabend in der „Abendschau“ des RBB.
Nach Angaben von Feuerwehr und BVG ist ein Teil der Straßenbahn am Dienstagmorgen gegen 9.40 Uhr an der Ecke Arnimstraße/Wartenberger Straße vermutlich gegen einen Mast der Oberleitung gefahren. Dabei wurde die Seite rechts aufgerissen, wie ein Sprecher sagte. Im Livebericht des RBB war zu sehen, dass die Tram regelrecht aufgeschlitzt wurde – unwirkliche Bilder. Der letzte Wagen der Bahn war aus dem Gleis gesprungen.
Ein BVG-Sprecher ordnete den Unfall als einen der schwersten in der Geschichte der Berliner Verkehrsbetriebe ein. Glück im Unglück: Zum Zeitpunkt des Unfalls am Morgen befanden sich nur 20 Fahrgäste in der Tram.
In der RBB-„Abendschau“ wurde ein Anwohner vorgestellt, der durch Zufall Videoaufnahmen der Unfalltram aufgenommen hatte, die belegen könnten, dass die Bahn zu schnell unterwegs gewesen war. An der Kurve wären 10 km/h vorgeschrieben, wie es vonseiten des BVG-Sprechers hieß. Zu schnelles Fahren wird als eine der Unfallursachen in Betracht gezogen, aber auch eine plötzliche Erkrankung des Fahrers, sagte der Sprecher und verwies auf die laufende Aufklärung.
„Einzigartiger Unfall“
Die Feuerwehr war nach eigenen Angaben mit knapp 60 Kräften vor Ort. Der Abtransport der Straßenbahn sei voraussichtlich nur mit schwerem Gerät möglich, sagte ein BVG-Sprecher dem RBB. Noch am Dienstagabend teilte die BVG mit, dass die Arbeiten an der Bergung der Straßenbahn begonnen hätten. Parallel liefen bereits die Arbeiten zur Reparatur der beschädigten Oberleitungsanlagen und Masten. Die Tramlinien M5 und M17 sind unterbrochen. Laut BVG ist ein Ersatzverkehr eingerichtet.
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) machte sich am Dienstagnachmittag mit dem BVG-Vorstandsvorsitzenden Henrik Falk persönlich an der Unfallstelle ein Bild von der Lage. Wegner sprach von einem „einzigartigen Unfall“: „In meinen Gedanken bin ich natürlich bei den Verletzten, aber auch bei denen, die diesen Unfall miterlebt haben. Das muss ein großer Schock gewesen sein“, sagte der Politiker.
Falk war bereits am Dienstagvormittag am Unfallort gewesen. „Unter dem Eindruck der Bilder hier vor Ort sind wir tief betroffen. In Gedanken sind wir bei den Verletzten und unseren Fahrgästen“, wurde er in einer Mitteilung zitiert. Klar sei, dass die BVG intensiv zur Aufklärung der Unfallursache beitragen werde. Polizei, Technische Aufsichtsbehörde (TAB) und die BVG hätten die Ermittlungen zur Unfallursache übernommen, erläuterte die BVG-Sprecherin.
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