Trainerin bei Union Berlin: Das Wunder von Köpenick
Dass Marie-Louise Eta Cheftrainerin bei Union Berlin wird, ist historisch. Der Verein stellt sich dem Kampf gegen die Häme der Frauenverachter.
S o schnell kann’s gehen. Gerade noch hatte ganz Fußballdeutschland über den 1. FC Union Berlin gelacht, weil der doch tatsächlich gegen den hoffnungslos abgeschlagenen Tabellenletzten aus einem Ort namens „Heidenheim“ verloren hatte. Doch nur ein paar Stunden später staunte man über das Wunder von Köpenick. Kurz nach Mitternacht hatten die Verantwortlichen des Bundesligisten entschieden, eine Frau zur Cheftrainerin zu machen.
So etwas hatte die Liga noch nie gesehen. So etwas gab es auch in den anderen großen Männerligen in England, Frankreich oder Italien noch nie. Marie-Louise Eta ist die erste Frau, die einen Männererstligisten trainiert. Der 12. April 2026 darf als historisches Datum in die Annalen des deutschen Fußballs eingetragen werden.
Bis zum Saisonende wird die Fußballöffentlichkeit nun Gelegenheit haben, einer Frau dabei zuzusehen, wie sie Männern Ansagen macht. Ihre Aufgabe ist der Klassenerhalt. Fünf Spieltage sind noch zu spielen. Fünf Spieltage, an denen sich zeigen wird, ob das Land reif ist für eine Frau an der Linie.
Denn immer noch ist es schier unerträglich, sich auf Social Media herumzutreiben, wenn eine Frau ein Fußballspiel der Männer für das Fernsehen kommentiert. Und es ist erst wenige Tage her, da konnte man beobachten, wie Spieler des FC Bayern nach einer Partie die am Interviewtischchen des übertragenden Senders postierten Experten abgeklatscht haben – bis auf Tabea Kemme, die Expertin.
Marie-Louise Eta ist nur zu wünschen, dass sie die ersten Schritte als Cheftrainerin im Männerfußball schadlos übersteht. Ihr Klub wird viel tun müssen, um sie vor allzu viel Hass zu bewahren. Den Kommentarspalten auf Facebook und Instagram unter der Nachricht vom Trainerinnenwechsel ist anzusehen, dass die Admins viele Postings notorischer Frauenverachter gelöscht haben.
Einen der handelsüblichen Feuerwehrmänner im Abstiegskampf zu engagieren, wäre für Union gewiss bequemer gewesen. Doch der Klub vertraut Eta. Das ist bemerkenswert – und historisch.
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