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Trainerin-Nachfolge bei Union BerlinDie nach Eta

Beim Männer-Erstligisten 1. FC Union Berlin geht der Coach. Wer soll auf Marie-Louise Eta folgen? Die taz stellt die geeignetsten Fachkräfte vor.

Come on! Sabrina Wittmann ist sich nicht zu schade für den Männerfußball Foto: Imago/Fotostand

Die Männer des 1. FC Union hab den Klassenerhalt geschafft und bleiben in der ersten Fußballbundesliga. Die nur für die letzten fünf Saisonspiele verpflichtete Trainerin Marie-Louise Eta übernimmt nun das Frauenteam von Union. Da müssen sich die Männer umgucken. Die taz-Sportredaktion macht fünf Vorschläge.

Fritzy Kromp

Muss jetzt Friederike „Fritzy“ Kromp zu den Männern vom 1. FC Union Berlin? Vergangenen Sommer hat sie erst die Fußballerinnen von Werder Bremen übernommen. Der Erfolg spricht für die 41-Jährige. So gut standen die notorisch abstiegsbedrohten Werder-Frauen noch nie in der Bundesligatabelle (Platz sechs). Der Job bei Werder mag spannender sein, aber der Posten bei Union muss schließlich auch besetzt werden. Dazu kommt das hohe Schmerzensgeld. An der Alten Försterei wird dringend eine Fachkraft gesucht, die sich schnell akklimatisieren kann. Zudem hat Kromp als TV-Expertin bei der Männer-EM 2024 bewiesen, dass sie überall gut im Stoff ist. Frei von Dünkel ist sie auch. Sie würde mit Männern arbeiten, hat sie einst mal auf Nachfrage erklärt.

Sabrina Wittmann

Zwar hat Sabrina Wittmann erst jüngst beim FC Ingolstadt bis ins Jahr 2028 verlängert. Aber für den Sprung von Liga drei in Liga eins würde sie vielleicht ihren bisherigen Chefinnenposten aufgeben. Seit Januar 2026 hat sie auch die Prolizenz, die für Coaches erforderlich ist. Nachteil: Sie hat bislang überwiegend beim FC Ingolstadt gearbeitet. Was den Nachteil wettmacht: Union-Legende Urs Fischer vor seinem Berlin-Engagement auch nur zwischen Zürich, Thun und Basel gependelt. Vorteil: Sie hat bewiesen, dass sie sogar Männer am Ball weiterentwickeln kann.

Sarina Wiegman

Alternativ könnte man doch ganz oben bei Sarina Wiegman anklopfen. Die viermalige Welttrainerin, die sowohl Oranje als auch England zum EM-Titel führte, wird sich für Bundesliga-Mittelmaß hoffentlich nicht zu schade sein. Ihr Stil: absolute Kontrolle, taktische Flexibilität und eine stoische Ruhe. Darüber hinaus wäre der populäre englische Schlachtruf „In Sarina We Trust“ in Köpenick schneller Kult als die Stadionwurst. Nach der durchwachsenen Union-Saison bleibt ohnehin keine Zeit für Experimente; es braucht eine echte Instanz. Schließlich passt ihr Pragmatismus ideal zur Mentalität von Union, denn sie liefert ehrliche Arbeit statt großer Show. Ein Engagement der Welttrainerin würde auch die Bundesliga aufwerten.

Imke Wübbenhorst

Wenn in Köpenick bald von „Hinten reinstellen“ zu „Hoch pressen“ umgeschult wird, ist zweifellos Imke Wübbenhorst am Werk. Die frisch gebackene Schweizer Meisterin mit den YB Frauen hat nicht nur Trophäen im Gepäck, sondern auch langjährige Erfahrung im Männerfußball. So war sie Trainerin bei Lotte, Cloppenburg, Schwerin und Viktoria Köln. Wie unerschütterlich sie auftritt, bewies sie spätestens, als ihr trockener Konter beim Amtsantritt in Cloppenburg zum „Fußballspruch des Jahres 2019“ gekürt wurde. Auf die Frage, ob sie eine Sirene auf dem Kopf trage, damit die Spieler vor ihrem Kabineneintritt Hosen anziehen könnten, antwortete sie: „Ich bin Profi. Ich stelle nach Schwanzlänge auf.“ Neben taktischer Expertise, zeigt diese Schlagfertigkeit, dass sie den eisernen Umständen mehr als gewachsen ist.

Corinne Diacre

Zu den Eisernen dürfte Corinne Diacre passen, denn der Führungsstil der Französin gilt als derart stählern, dass drei der besten französischen Nationalspielerinnen ihretwegen die Auswahl verlassen hatten. Ob Männer ihre harten Trainingsmethoden aushalten, wäre ein Experiment wert. Jedenfalls war sie drei Jahre lang Cheftrainerin von Clermont Foot, einem Männerzweitligisten, und wurde von France Football zum „Zweitligacoach des Jahres“ gewählt. Als Nachteil von Diacre gilt, dass sie weder mit einem Klub noch mit der Nationalelf einen Titel geholt hat. Ob das bei Union – letzter Titel: DDR-Pokalsieg 1968 – viele Leute stört, weiß man nicht. Als Vorteil gilt: Sie kann Teams von unten herausholen.

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