Tödlicher E-Scooter-Unfall in Berlin: Weniger Fahrzeuge, mehr Kontrolle
Nach einem tödlichem E-Scooter-Unfall werden Rufe nach mehr Beschränkungen lauter. Die Grünen fordern strengere Altersprüfungen – und deren Kontrolle.
Nach dem tödlichen E-Scooter-Unfall vom vergangenen Freitag hat die Diskussion um die Sicherheit im Verkehr mit den modischen Zweirädern erneut Fahrt aufgenommen. Antje Kapek, die grüne Sprecherin für Verkehrspolitik, fordert etwa eine bessere Kontrolle der Zahl der Fahrer*innen. „Technisch wäre es sicherlich möglich, das Fahren zu zweit zu unterbinden“, sagte Kapek der taz.
Am Freitag waren zwei 14-Jährige in Britz gemeinsam auf einem E-Scooter über eine rote Ampel gefahren und mit einem alkoholisierten Autofahrer zusammengestoßen. Eine der beiden Jugendlichen wurde vor Ort reanimiert, starb jedoch kurze Zeit später im Krankenhaus. Die andere überlebte den Unfall mit schweren Kopfverletzungen.
Der Unfall ereignete sich wenige Hundert Meter von einer Praxis für Physiotherapie in Britz. Zwei Tage später starteten die Physiotherapeut*innen eine Petition. Darin fordern sie vom Senatsverkehrsverwaltung strengere Regelungen für das „Free-Floating“-System, also das stationslose Leihmodell, bei dem man den E-Scooter überall abstellen kann. Ziel müsse sein, die Anzahl der Geräte drastisch zu reduzieren. Die Altersprüfung und Sicherheitsmechanismen müssten verschärft werden, „um die missbräuchliche Nutzung durch Kinder und Jugendliche zu verhindern“, so die Physiotherapeut*innen.
Laut Gesetz dürfen bereits 14-Jährige mit einem Leih-E-Scooter mit bis zu 20 km/h fahren. Eine strengere Altersprüfung wäre laut Kapek sinnvoll, müsste aber von der Polizei auch stärker kontrolliert werden, was sie für unrealistisch hält. Die Grüne spricht sich auch für eine Registrierungspflicht für E-Scooter-Verleihe über den Personalausweis aus.
Feste Stationen erst nach und nach
Der Senat und der Allgemeine Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin (ABSV) hatten sich im März geeinigt, feste Abstellstationen für E-Scootern einzurichten – bis 2035 sollen rund 3.000 solcher Abstellflächen entstehen, 500 Stationen gibt es bereits. Der ABSV kritisiert das langsame Vorgehen, da Blinde und sehbehinderte Menschen sich schnell an den rumstehenden E-Scootern verletzten.
Die Bundesregierung plant zum Jahresbeginn 2027 schärfere Gesetze für E-Scooters. Neue E-Scooter sollen mit Blinkern ausgerüstet werden, um so mehr zur Verkehrssicherheit beizutragen. Ältere Fahrzeuge, die die neuen Bedingungen nicht erfüllen, können dennoch weiterhin genutzt werden. Auch soll das Verwarnungsgeld für das Fahren mit mehreren Personen von 5 Euro auf 25 Euro erhöht werden.
Laut Statistischem Bundesamt sind die Zahlen von getöteten oder verletzten Menschen durch E-Scooter im Jahr 2024 um rund 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, neuere Zahlen gibt es nicht. Im selben Jahr kamen 27 Menschen in ganz Deutschland ums Leben, 1.513 Personen wurden schwer verletzt. Fast die Hälfte der Unfallfahrer*innen auf E-Scootern waren jünger als 25 Jahre.
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