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Synodaler WegReformen ohne Rechenschaft

Kommentar von

Daniela Ordowski

Sechs Jahre Synodaler Weg tun der Macht der Bischöfe keinen Abbruch. Mitreden ist erlaubt, Mitentscheiden nicht.

Bischöfliche Rückendeckung: Georg Bätzing unterstützt die Forderungen nach Maßnahmen gegen Diskriminierung in der Kirche Foto: Marijan Murat/dpa

D er Synodale Weg sollte aus der Missbrauchskrise Konsequenzen ziehen. Doch bei Kontrolle, Rechenschaft und Machtteilung stößt der Reformprozess an seine Grenzen. Die Mitglieder der Versammlung beraten über das Monitoring der Reformen – wer setzt sie um und wer nicht. Sich in den eigenen Bistümern kontrollieren zu lassen, stößt indes auf breiten Unwillen. Das wird zum Ende der sechsten Synodalversammlung, des Reformprozesses der katholischen Kirche, sehr deutlich.

Doch was haben die letzten Jahre des Reformprozesses gebracht, wenn keine Rechenschaft bei den Mächtigen eingefordert werden kann. Seit 2019 beraten rund 230 Delegierte in der Synodalversammlung. Ausgelöst wurde der Prozess nicht aus Erneuerungseifer, sondern durch sexualisierte Gewalt und jahrzehntelange Vertuschung. Die von der Deutschen Bischofskonferenz beauftragte Studie zeigte, was Missbrauch in der Kirche begünstigt: asymmetrische Machtverhältnisse, hierarchische Abschottung, Intransparenz, Klerikalismus sowie der Umgang mit Zölibat und Sexualmoral. Das war der Ausgangspunkt.

Drei Jahre lang wurde diskutiert und beschlossen. Als die fünfte Synodalversammlung 2023 endete, lagen Texte vor, die kleine Veränderungen ermöglichen. Frauen können in einigen Bistümern die Taufe spenden, und das kirchliche Arbeitsrecht hat sich verbessert. Kleine Kompromissvorschläge, die vielen nicht weit genug gehen, aber vor Ort zumindest manche Dinge möglich machen. Nun kam die Versammlung noch einmal zusammen, um zu prüfen, ob die Beschlüsse umgesetzt wurden.

Bild: privat
Daniela Ordowski

ist Journalistin, Politologin und Mitglied der Synodalversammlung.

Grundlage dieser Überprüfung ist ein Monitoring der einzelnen Bistümer. Doch es bleibt anonym. Nicht sichtbar wird, welches Bistum Beschlüsse umsetzt und welches sie liegen lässt. Damit fehlt etwas Zentrales: Rechenschaft. Ohne Namen gibt es weder Verantwortung noch Anerkennung. Fortschritte lassen sich nicht benennen, Blockaden nicht adressieren. Verantwortung zu übernehmen hieße, sich prüfen zu lassen – durch die eigenen Gläubigen. Es hieße, voneinander zu lernen und Macht zu teilen.

Gelächter über Diskriminierung

Genau daran entzündet sich unter den Klerikern Widerstand. Niemand möchte von Macht reden, Sie nennen sich lieber Diener Gottes. Es ist leicht, von Dienst zu sprechen, wenn man über anderen steht. Während der Debatte über Quoten – über die Frage, wie Frauen und junge Menschen im künftigen Folgegremium vertreten sein sollen – wird gescherzt. „Dann bin ich für eine Quote von über Siebzigjährigen, die keine Bischöfe sind.“ Gelächter. „Und die nächste Quote dann für Pfälzer.“

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Fünf Männer sitzen nebeneinander: Priester, Professor, Weihbischof, Bischof, Priester. Schwarz gekleidet, weißer Kragen. Sie lachen. Die Frauen und jungen Menschen in den umliegenden Reihen nicht. Am Ende wird eine Quote beschlossen. Doch von der oft beschworenen Haltungsänderung bei Männern in Machtpositionen in dieser Kirche ist in solchen Momenten wenig zu spüren. Wenn über Diskriminierung gelacht wird, ist nicht viel angekommen. Ohne Quote bleiben die Mächtigen unverändert mächtig.

Mehr Freude brauche es in der Kirche, sagt ein Bischof. Wie soll Freude entstehen in Strukturen, die Menschen systematisch ausschließen? Wie soll Vertrauen wachsen, wenn Betroffene von sexualisierter Gewalt hören, man habe nun „auch genug über Missbrauch gesprochen“? Als Johannes Norpoth ans Mikrofon tritt, wird im Saal noch gesprochen. Er beginnt trotzdem. Norpoth ist Mitglied des Betroffenenbeirats der Deutschen Bischofskonferenz.

Er spricht über den Grund dieses Prozesses, fragt, ob die Bereitschaft bestünde, mutig zu sein. Mutig genug, die eigenen Strukturen infrage zu stellen. Er benennt, was sich verändert hat: Dass heute offen über Macht, Gewaltenteilung, Geschlechtergerechtigkeit, Sexuallehre und klerikale Lebensformen gesprochen wird, ist keine Selbstverständlichkeit.

Ernüchternde Bilanz

Diese Offenheit ist der größte Ertrag des Synodalen Weges. Zugleich weist Norpoth den Vorwurf zurück, der Synodale Weg instrumentalisiere den Missbrauch für kirchenpolitische Agenden. Wer den Prozess als Missbrauch des Missbrauchs bezeichne, versuche damit, die Auseinandersetzung mit systemischen Ursachen zu diskreditieren und relativiere sowohl die Ergebnisse der Missbrauchsstudien als auch die Erfahrungen der Betroffenen.

Gemessen an der Beseitigung der systemischen Ursachen von Missbrauch bleibt die Bilanz des Synodalen Weges ernüchternd. Ja, der Synodale Weg hat Ehrlichkeit ermöglicht. Ja, er hat Themen öffentlich gemacht, die lange ausgeblendet waren. Nein, die Machtverhältnisse haben sich nicht verschoben. Beschlüsse bleiben unverbindlich. Beteiligung endet dort, wo Entscheidung beginnt.

Das ist kein Versehen, sondern Teil der Konstruktion. Synodalität ist möglich als Beratung, nicht als Mitentscheidung. Die Macht bleibt bei den Bischöfen. Damit bleibt auch das zentrale Versprechen unerfüllt, aus der Missbrauchskrise strukturelle Konsequenzen zu ziehen. Wie begrenzt der Spielraum ist, zeigt sich auch im Umgang mit Rom. Die Beschlüsse der Synodalversammlung wurden per Brief 2023 an den Papst geschickt, denn für die Umsetzung einiger Beschlüsse bräuchte es seine Zustimmung.

Eine Antwort steht aus. Seit drei Jahren. Bei der Versammlung schlug eine Teilnehmerin vor, das Schweigen aus Rom doch einfach als Zustimmung zu werten. Das ginge schließlich auch bei jeder Strompreiserhöhung. Ob dieses Schweigen des Papstes nun Respektlosigkeit, ein Politikum oder eben tatsächlich stille Zustimmung ist, bleibt erst mal offen. Entscheidend ist die Konsequenz: Ein Reformprozess, der aus einer Gewaltgeschichte heraus entstanden ist, bleibt ohne Rückmeldung der Instanz, die über verbindliche Veränderungen entscheidet.

Mit der Synodalkonferenz soll der Reformprozess weitergehen. Voraussetzung ist allerdings, dass Rom zustimmt. Dort sollen Lai*­in­nen und Bischöfe gemeinsam beraten. Das ist ein Fortschritt. Doch die entscheidende Frage ist: Bleibt es beim Gespräch, oder entsteht echte Mitentscheidung und Rechenschaftspflicht?

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6 Kommentare

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  • 1. Wer immer noch auf ein "Nein" aus Rom wartet, ist nicht geschickt genug im Zuhören. "Es gibt schon eine gute evangelische Kirche in Deutschland, wir brauchen nicht 2 davon " "keine andere Leitung als durch die Bischöfe" " Mission und Evangelisierung sind wichtig " d.h. die Themen des Synodalen Weges gehen an den Problemen vorbei.



    2. Lest doch einfach, was man in Polen über den Synodalen Weg denkt. Ladet nicht nur kleine Pastoren, sondern einen Erzbischof aus Polen ein: überzeugt DEN. In Würzburg auf dem Katholikentag soll der Erzbischof von Krakau oder Warschau die Predigt in einer wichtigen Messe halten.



    3. Sexuellen Missbrauch gibt es vielerorts, auch im Sport, in den Schulen, in der eigenen Familie. Natürlich ist Missbrauch aus der besonderen Vertrauensposition des Priesters heraus mindestens genauso schlimm wie durch den eigenen Vater. Aber ob die Vorschläge des Synodalen Weges wirklich hilfreich sind ist zweifelhaft.



    4 Beim Synodalen Weg wirkt ein besonderer Typ von Menschen,



    die Gremienarbeit mögen und innerhalb von Verbände sich profilieren können. Das ist Oligarchie mittels mehrfach indirekter Wahl, nicht Demokratie.

  • Tatsache ist, dass Zölibat, fehlende Frauenweihe und Co. nichts mit der Häufigkeit des sexuellen Missbrauchs zu tun haben. Das wissen wir, seit vor etwa zwei Jahren die evangelische Studie veröffentlicht wurde. Die zeigte, dass der Missbrauch in der evangelischen Kirche mindestens so verbreitet ist wie in der katholischen. Genau weiß man das nicht, weil 19 von 20 Landeskirchen nur einen Teil der relevanten Akten zur Verfügung gestellt hat. Aber irgendwie hat sich dafür keiner so richtig interessiert. Katholikenbashing macht hat mehr Spaß....

  • Zu diesem ganzen synodalen Unsinn hat Papst Franziskus das passende gesagt.



    Schade, daß er die deutschen Katholiken trotzdem weiterwurschteln ließ auf ihrem Sonderweg steht die Sache zu beenden.



    Und den Leuten, die die katholische Kirche unbedingt reformieren wollen empfehle ich einen Blick ins Geschichtsbuch.



    Alles was sie wollen gibt es seit 500 Jahren schon.

  • Der Hund wackelt mit dem Schwanz, nicht der Schwanz mit dem Hund. Die Stärke der römisch-katholischen Kirche liegt in ihren weltumspannenden Gläubigen, die deutschen Katholiken machen da nicht mal zwei Prozent davon aus. Wenn ein Teil dieser zwei Prozent was fordert, müssen die anderen 98 Prozent nicht springen. Wer damit nicht zurecht kommt. ist eventuell bei den evangelischen Glaubensbrüdern und -schwestern besser aufgehoben. Da sind sowohl die einzelnen Gemeinden im Bezug zur Mitbestimmung anders aufgestellt als auch z.B. zur Frauenpriesterweihe. Auf der anderen Seite ist dort (zumindest von meiner Sicht aus) der Glaube und die theologischen Aussagen auch vielzüngiger, beliebiger. Da fallen schon die Unterschiede zwischen den calvinistischen und den lutherischen Kirchen auf, von den Freikirchen nicht zu reden. Hier herrscht in der katholischen Kirche mehr Einigkeit, da vom Vatikan vorgegeben.

    • @Offebacher:

      "Hier herrscht in der katholischen Kirche mehr Einigkeit, da vom Vatikan vorgegeben."



      Genau da liegt der Unterschied zwischen Katholiken und de evangelischen Kirche. Der Autokrat in Rom bestimmt, was weltweit getan werden soll und was nicht. Eine solche Obrigkeitskultur hat die evangelische Kirche nicht. Der Rahmen ist viel weiter gespannt. Bei der evangelischen Kirche steht der Dienst am Menschen an oberster Stelle, bei den Katholiken der Dienst an der Institution Kirche.

  • Die einen sind halt die Schafe, die anderen die Hirten. So ist doch die katholische Kirche aufgebaut. Und dann gibt es noch die intellektuell geforderten Schäfchen, die meinen sie könnten was verändern.