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Studentische LangschläferDer Paketdienst als Weckdienst

Unser Sohn Mehmet schläft immer bis spätnachmittags, klagt meine Frau Eminanim. Meine geniale Idee: Mit externer Hilfe lässt sich der Rhythmus ändern.

O sman, ich hab wirklich keinen Nerv mehr! Es macht überhaupt keinen Spaß, unseren Mehmet morgens, genauer gesagt, spätnachmittags wecken zu müssen“, klagt meine Frau Eminanim verzweifelt.

„Er geht ja auch erst morgens ins Bett, wie soll er ein paar Stunden später wieder aufstehen? So ist nun mal das schwere Studentenleben“, lache ich.

„Deswegen wirst du ihn ab jetzt wecken!“, ruft Eminanim energisch.

„Denkst du, mir wird es großen Spaß machen, einen Halbtoten aufzuwecken?“

In dem Moment klingelt es an der Tür.

„Warte, Eminanim, mach die Tür nicht auf“, stoppe ich sie. „Ich habe eine glänzende Idee: Wir verstecken uns im Badezimmer. Wir lassen Mehmet vom Paketboten aufwecken.“

Es klingelt erneut, und zwar sehr lang. Und noch mal.

Nach einer Weile geht Mehmets Zimmertür auf und der ewige Student torkelt mit zerzausten Haaren schlaftrunken zur Wohnungstür und macht sie wie ein Roboter auf.

„Guten Tag, würden Sie bitte dieses Paket annehmen?“, fragt der Paketbote höflich.

„Sie haben ein Paket für mich?“, nuschelt Mehmet.

Wenn wir das eine Woche konsequent durchziehen, wird Mehmet sich an die neuen Verhältnisse gewöhnen, sage ich

„Nein, das ist für Ihren Nachbarn oben.“

„Für unseren Nachbarn? Wieso geben Sie’s dann mir?“, fragt Mehmet irritiert.

„Weil ich das immer so mache“, lächelt der Paketbote.

„Sie geben die Pakete unserer Nachbarn immer bei uns ab? Wollen Sie mich verarschen?“, wird Mehmet patzig.

„Wenn die Nachbarn nicht zu Hause sind, nimmt Ihre Frau Mutter sie netterweise immer gerne an.“

„Die Nachbarn?“

„Nein, die Pakete!“

„Das ist ja echt heftig! Wenn man nicht zu Hause ist, bekommt also der Nachbar mein Paket?“, kratzt Mehmet sich ungläubig am Kopf.

„Darf ich es nun hierlassen?“

„Wenn Sie mir sagen, was da drin ist, dann vielleicht.“

„Wir dürfen die Pakete doch nicht öffnen!“

„Aber was ist, wenn jemand mir eine Bombe geschickt hat, weil der Attentäter ja genau weiß, dass Sie die Pakete der gesamten Nachbarschaft immer bei uns abliefern?“

„Wissen Sie was, ich nehme das Paket wieder mit“, zischt der Mann und knallt die Tür zu.

Mehmet schleppt sich in die Küche, um Kaffee zu kochen. Im Badezimmer strahlt Eminanim regelrecht: „Das war eine tolle Idee, Osman! Heute brauche ich weder Mehmet zu wecken noch den Nachbarn die Pakete hinterherzutragen“, flüstert sie anerkennend.

„Wenn wir das eine Woche konsequent durchziehen, wird Mehmet sich an die neuen Verhältnisse gewöhnen. Er wird früher ins Bett gehen, weil er ja früher aufstehen muss. Aber wir dürfen nichts dem Zufall überlassen“, sage ich, schüre schnell ein Paket zusammen, laufe zur Post und gebe es ab.

Am nächsten Tag reißt Mehmet das Paket völlig benommen auf und wird schlagartig wach, als er sieht, dass jemand ihm seine alten, stinkenden Socken als Expresspaket geschickt hat.

„Sind die Socken für unseren Nachbarn von oben bestimmt?“, fragt er den Paketboten verwirrt.

„Nein, diesmal dürfen Sie das Paket behalten. Aber eine Bombe wäre Ihnen sicherlich lieber, so wie die Socken stinken, nicht wahr“, lacht der Paketbote.

Nach einer Woche gönne ich dem armen Kerl eine Pause und bestelle stattdessen den Klempner.

Am nächsten Tag den Pizzadienst. Danach die Feuerwehr. Und als i-Tüpfelchen für Sonntag die Zeugen Jehovas. Auf diesen Weckdienst freue ich mich am meisten.

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