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Streit um Druschba-PipelineViktor Orbán bleibt beim Nein

Der ungarische Regierungschef blockiert weiterhin den Milliardenkredit für die Ukraine. Beim EU-Gipfel in Brüssel ist keine Lösung in Sicht.

Meloni und Orbán: Die Ukraine braucht das Geld der EU dringend, um dem drohenden Staatsbankrott zu entgehen Foto: Yves Herman/reuters
Eric Bonse

Aus Brüssel

Eric Bonse

Bei seinem womöglich letzten EU-Gipfel in Brüssel hat sich Ungarns rechtspopulistischer Regierungschef Viktor Orbán noch einmal so richtig unbeliebt gemacht. Trotz scharfer Kritik von Kanzler Friedrich Merz und anderen EU-Chefs hielt Orbán an seinem Nein zu einem 90 Milliarden Euro schweren EU-Kredit für die Ukraine fest. Erst müsse wieder russisches Öl durch die Druschba-Pipeline nach Ungarn fließen, forderte Orbán.

Merz zeigte sich schwer verärgert. Die EU folge dem „Prinzip der Loyalität und der Verlässlichkeit“, sagte er in Brüssel. Beim letzten regulären EU-Gipfel im Dezember hätten „alle 27 Mitgliedstaaten dem Weg zugestimmt, den wir gemeinsam gehen“, so Merz. Deshalb erwarte er nun auch, dass Orbán seine Blockade aufgibt. Orbáns Verhalten sei „inakzeptabel“, erklärte Ratspräsident António Costa, der das Gipfeltreffen leitet.

Die Ukraine braucht das Geld der EU dringend, um dem drohenden Staatsbankrott zu entgehen. Im Dezember hatten nur 24 von 27 EU-Staaten den schuldenfinanzierten Kredit für Kyjiw mitgetragen. Schon damals waren Ungarn, die Slowakei und Tschechien ausgeschert. Nun geht es darum, die EU-Haushaltsregeln zu ändern, damit der Ukraine-Kredit aus dem Gemeinschaftsbudget abgesichert werden kann. Dafür wird wieder Einstimmigkeit benötigt.

Brüssel schickt Expertengruppe nach Kyjiw

Vor Beginn des EU-Gipfels hatten sich Costa und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen um eine Beilegung des Streits mit Ungarn und der Slowakei bemüht. Beide Länder hängen an der Druschba-Pipeline und beschuldigen die Ukraine, wegen des Krieges nötige Reparaturen zu verschleppen. Costa und von der Leyen haben nun eine europäische Expertengruppe nach Kyjiw geschickt, die die Lage vor Ort klären soll.

Allerdings sind die Experten offenbar noch nicht tätig geworden. Am Rande des EU-Gipfels in Brüssel hieß es, die ukrainische Regierung zeige sich bisher nicht sehr kooperativ. Zuvor hatte Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj erklärt, daß die Reparaturarbeiten wohl bis Mai dauern würden. Das wäre nach der Wahl in Ungarn Mitte April. Doch so lange will Orbán nicht warten – er hat den Druschba-Streit zum Wahlkampf-Thema gemacht.

Einige EU-Länder denken nun über einen „Plan B“ nach, um den Hilfskredit gegen den Willen Orbáns zu finanzieren, etwa aus nationalen Budgetmitteln. Beim EU-Gipfel gab es dafür zunächst aber wenig Unterstützung. „Wir sollten ‌nicht über einen ‌Plan B diskutieren, dann würden wir nur auf Orbáns Erpressung eingehen. Das ist das Letzte, was wir tun sollten“, sagte der niederländische Ministerpräsident Rob Jetten.

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4 Kommentare

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  • Konfliktpotenzial gibt es auf vielen Ebenen mit Orban:



    Vor 6 Jahren bei tageblatt.lu



    "Träume von Großungarn: Wie Orban sich mit altem Trauma neue Stimmen sichert



    Orban hält sich auch dank des Trianon-Traumas und seiner Großungarn-Träumereien an der Macht. Ungarische Minderheiten in Rumänien, Slowakei und Ukraine gelten ihm als Stimmenreservoir. Jetzt wurden 100 Jahre des Vertrages begangen – damals hat Ungarn zwei Drittel seines Staatsgebietes verloren."



    Das Erbe des Versailler Vertrages:



    "So hat sich Orbans Fidesz-Partei zum Fürsprecher so ziemlich aller ungarischer Minderheitenparteien in der heutigen Slowakei, Rumäniens, Serbiens, Sloweniens, Kroatiens und auch der Ukraine gemacht. Letztere zählt im südwest-ukrainischen Oblast (Gebiet) Transkarpatien seit der Einverleibung der Ost-Tschechoslowakei in die Sowjetunion von 1945 eine starke ungarische Minderheit, die seit Orbans Wahlsieg 2010 immer wieder für Irritationen auf der Linie Kiew-Budapest sorgt."



    /



    Die ethnische Problematik bespielt Orban schon länger:



    "Insgesamt leben heute rund drei Millionen Ungarn in den Nachbarländern. Ihnen allen hat Orban bereits 2010 eine erleichterte Einbürgerung angeboten."



    Balkanisierung 2.0?

  • "Schon damals waren Ungarn, die Slowakei und Tschechien ausgeschert."

    Wie im Tollhaus: Drei Länder, die weder zu Krediten noch Zuschüssen an die Ukraine irgendetwas beitragen -da EU-Nettoempfänger, also keine Einzahler- wollen die Unterstützung Kiews verhindern. Das darf nicht durchgehen.

  • Ja, ja, wo sind nur die Zeiten hin in denen Orban ein gern gesehener und frenetisch gefeierter Gast auf CDU/CSU-Veranstaltungen war.

    • @Alberta Cuon:

      Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man ihm auch weiterhin den roten Teppich ausroillt, zumal wenn er csU Veranstaltungen be"ehrt"....