Strafbefehl gegen homophoben Priester: Polens Rechte hat neuen Helden

Ein Krakauer Priester kassierte wegen Volksverhetzung in einer Bonner Zeitschrift einen Strafbefehl. In Polen formiert sich nun eine Protestphalanx.

Theologe und Priester Dariusz Oko.

Neuer Held der Rechten in Polen: Dariusz Oko Foto: Artur Widak/NurPhoto/picture alliance

WARSCHAU taz | Polens ideologische Rechte hat einen neuen Helden und Märtyrer: den Krakauer Priester und Theologieprofessor Dariusz Oko. Vor Kurzem kassierte der homophobe Priester für einen volksverhetzenden Artikel in der Bonner Zeitschrift Theologisches einen Strafbefehl in Höhe von 4.800 Euro. Alternativ, so hat das Kölner Amtsgericht entschieden, könne Oko seine Strafe aber auch 120 Tage lang im Gefängnis absitzen.

Während Oko offiziell gegen den Strafbefehl Einspruch einlegte und es nun wohl zu einem Prozess in nächster Instanz kommen wird, behauptet er in der aktuellen Titelgeschichte des rechten Politmagazins Sieci in Warschau: „Ich bin bereit, ins Gefängnis zu gehen.“

Der Professor habe nur einen „wissenschaftlichen Artikel“ zu den Machenschaften der „Sexualtäter-Clique“ innerhalb der katholischen Kirche publiziert, heißt es in Sieci. Die Clique sei eine internationale Verbrechervereinigung von schwulen Priestern, die Oko „Lavendel-Mafia“ nennt. Deren Mitglieder vergewaltigten kleine Jungs, Jugendliche und Priesteranwärter, behauptet er. Zugleich stiegen sie auf der Karriereleiter der katholischen Kirche nach oben.

In der Ausgabe von Januar/Februar 2021 von Theologisches verunglimpft Oko in dem Artikel „Über die Notwendigkeit, homosexuelle Cliquen in der Kirche zu begrenzen“, schwule Priester als „eine Kolonie von Parasiten“, als „Krebsgeschwür“ und „homosexuelle Plage“.

In München las dies der katholische Priester Wolfgang F. Rothe und war entsetzt. Rothe engagiert sich seit Jahren für die Rechte Homosexueller in der Kirche. Er stellte Strafanzeige gegen den Professor, der an der Päpstlichen Johannes Paul II-Universität in Krakau lehrt, und gegen Johannes Stöhr, den verantwortlichen Redakteur von Theologisches. Polnischen Medien zufolge soll auch er einen Strafbefehl erhalten haben.

Polens Vize-Justizminister an vorderster Front

In Polen hingegen formiert sich eine breite Phalanx homophober Po­li­ti­ker:In­nen, Pu­bli­zist:In­nen, An­wäl­t:In­nen und Priester, die den nach ihren Angaben „von den Deutschen“ zensierten Priester verteidigen will. Mit an vorderster Stelle kämpft Polens stellvertretender Justizminister Marcin Romanowski um die „akademische Freiheit“, die das Kölner Amtsgericht angeblich mit Füße trete.

Eingeschaltet hat sich ebenfalls die rechts-klerikale Juristenvereinigung Ordo Iuris, die in der Vergangenheit gesellschaftlichen Gruppen dabei half, eine Gesetzesinitiative ins polnische Parlament einzubringen, mit der am Ende das fast totale Abtreibungsverbot in Polen durchgesetzt werden konnte.

Sie ist der Ansicht, dass die Verunglimpfung von Menschen als „Parasiten“ und „Krebsgeschwür“ unter das hohe Gut der „Freiheit der Wissenschaft“ falle. Mit einer Petition an das Gericht, das die beiden Männer für „unschuldig“ erklären soll, und an Kanzlerin Angela Merkel, die wirksame „Garantien für das Wort, die Religion und die akademische Freiheit“ einführen soll, macht die Organisation Stimmung.

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