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Stockhausens Oper „Mittwoch“ in BerlinDa hilft nur noch Hubschraubereinsatz

Zum Auftakt der Intendanz Aviel Cahns stemmt die Deutsche Oper Berlin eine Riesenproduktion: „Mittwoch aus Licht“ von Karlheinz Stockhausen bietet kosmisches Spektakel.

Sieben Opern sollt ihr sein. Für seinen Zyklus „Licht“ wählte der Komponist Karlheinz Stockhausen die sieben Tage der Woche als Vorbild. Von 1977 bis 2003 arbeitete er an diesem Werk, dass den „Ring des Nibelungen“ fast wie eine musikalische Miniatur aussehen lässt. Der gern in ganz großen Zusammenhängen denkende Stockhausen hatte eine Vorliebe für ordnungsstiftende Strukturen. Vor „Licht“ schrieb er etwa „Tierkreis“ mit zwölf Melodien zu den zwölf Sternzeichen, sein Musiktheater „Sirius“ kreist um die vier Jahreszeiten und die vier Himmelsrichtungen.

Die einzelnen Opern aus „Licht“ nehmen beim Publikum einige Zeit und bei den Ausführenden einigen Aufwand in Anspruch. „Mittwoch“ stellt für sich schon einen Höhepunkt dar, enthält die rund vierstündige Oper doch eine der spektakulärsten Kompositionen Stockhausens: das „Helikopter-Streichquartett“, für das die vier Musiker einzeln in Hubschrauber gesetzt werden und per Funk verbunden miteinander spielen. Das Ergebnis wird dann übertragen, Dröhnen der Luftfahrzeuge inklusive.

Kein kleiner Einsatz, mit dem Aviel Cahn seine Intendanz am Sonnabend an der Deutschen Oper startete. Und man muss ihm allein schon dafür dankbar sein, dass er dieses Werk, das aus den genannten Gründen nicht zum Standardrepertoire gehört, in dieser Spielzeit auf die Bühne gebracht hat. Auch als politische Botschaft setzt sie ein Zeichen, galt der Mittwoch für Stockhausen doch als „Tag der Vereinigung, der Zusammenarbeit und des Verständnisses“.

Die Zusammenarbeit bekommt man in der ersten „Szene“ in Gestalt des „Welt-Parlaments“ präsentiert. Der Chor der Deutschen Oper singt von Dingen wie Liebe, wobei er selbst gar keine Worte vorbringt, sondern Laute, die für Stockhausen aber sinnhafte Bedeutung haben sollten. Zum besseren Verständnis fürs Publikum leisten einzelne Sänger normalsprachliche Übersetzungshilfe mit Sätzen wie „Liebe ist Treue“. Der Gesang fließt ansonsten dicht vor sich hin, seine Dynamik wirkt wie ins Innere des Chorsatzes verlegt.

Muster aus geharktem Sand

Das Bühnenbild gibt sich dazu offen und geschlossen zugleich. Der Orchestergraben ist verschwunden, zugeschüttet mit Sand. Bildlich zumindest, denn über der Versenkung wurden Platten verlegt, auf denen riesenhaft vergrößerte Muster aus geharktem Sand zu sehen sind, ganz wie in einem japanischen Garten.

Diesen Sand zeigt auch ein großer Bildschirm, der in der Mitte der Bühne aufgehängt ist. Nicht einfach als schlichtes Rechteck, sondern in seiner Form an ein unvollständiges Puzzle erinnernd, dazu mit vereinzelten Aussparungen in der Bildfläche. Auf der sieht man den Sand, der durch Computerhilfe ständig zu zerfließen scheint, um gleich darauf wieder musterförmig aufzutauchen. Was diese Verdopplung durch Projektion soll, erschließt sich nicht recht. Vermutlich soll einfach mehr los sein auf der Bühne. Denn Bühnenhandlung im engeren Sinn gibt es nicht.

Auch in der zweiten Szene passiert nicht richtig viel fürs Auge. Die „Orchester-Finalisten“ treten nach und nach an, elf Instrumentalsolisten an Blas- und Streichinstrumenten, die ihren Part beitragen. Als Übergang spielt dazwischen das gesamte Ensemble, statt dramatischer Gesten bewegt sich die Musik auch hier ruhig. Die Musiker sind dennoch nicht „allein“, denn die zugehörige elektronische Musik macht sich parallel dazu mit Umweltgeräuschen bemerkbar, von Vögeln oder Bienen über Eisenbahngeräusche bis zu Kinderstimmen. Auf dem Bildschirm gerät derweil einiges in Fahrt, ein Vogelschwarm etwa, in den sich immer wieder Flugdrohnen mischen, was eine KI-Herkunft der Bilder nahelegt. Ästhetisch allemal redundant werden die Bilder darüber immer fragwürdiger.

Drone-Musik der anderen Art

Den Sinn des Monitors offenbart erst die dritte Szene, in der das „Helikopter-Streichquartett“ endlich starten darf. Man sieht die vier Musiker, wie sie am Flughafen Schönhagen in die für sie bereitstehenden Hubschrauber steigen, wie die Rotorblätter sich immer schneller zu drehen beginnen und im Inneren zu den Bögen gegriffen wird. Kein Livemitschnitt, die Aufnahmen stammen vom 5. September.

Vier einzelne kleinere Bildschirme zeigen das Quartett im Einsatz, während der große Monitor den Flug von außen verfolgt. Die Frequenzen der Streichertremoli korrespondieren derweil mit dem Brummen der Rotoren. Eine Drone-Musik der anderen Art. Mit einfacheren Mitteln ließen sich unter Umständen aber musikalisch ergiebigere Ergebnisse erzielen.

Endgültig kosmisch abgehoben dann die vierte Szene, das „Michaelion“. Da verbünden sich der Erzengel Michael und Eva und bringen schließlich sogar Luzifer auf ihre Seite. Definitiv die Szene mit der meisten Action und mit reichlich Stockhausen-Klamauk. Ein „Luzikamel“ tritt auf, das als „Kakamel“ von achtern bunte Bälle fallen lässt. Von da geht es praktisch nahtlos über zum Gotteslob. Stockhausen war halt sehr katholisch. Und hatte Sinn für Humor. Wie ein Sänger zwischendurch singend fragt: „Ist das vielleicht alles Quatsch?“ Großer Applaus am Ende, besonders für den Dirigenten Maxime Pascal, Buhrufe für die Regie von Susanne Kennedy.

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