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Statistik für 2025Nur noch halb so viele Erstanträge auf Asyl

Bundesinnenminister Dobrindt verkauft den dramatischen Rückgang der Flüchtlingszahlen als seinen Erfolg. Dabei liegt der Grund eher im Nahen Osten.

Bundesinnenminister Dobrindt und Bayerns Ministerpräsident Söder bei Grenzkontrollen in Kiefersfelden am 15.05.2025 Foto: Frank Hoermann/imago

Im vergangenen Jahr kamen nur rund halb so viele Geflüchtete nach Deutschland wie noch 2024. Das Bundesinnenministerium präsentierte am Sonntag eine neue Statistik, wonach die Zahl der Erstanträge auf Asyl von rund 230.000 auf etwa 110.000 gefallen ist. Betrachtet man auch die Folgeanträge, bleibt ein Rückgang von 250.945 auf 168.543 – und damit um rund ein Drittel. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte: „Wir ordnen mit Klarheit und Konsequenz das Migrationsgeschehen.“

Dobrindt hat in den bisherigen acht Monaten seiner Amtszeit einen Kurs der massiven Abschottung eingeschlagen. Mit der höchstwahrscheinlich illegalen Zurückweisung von Asylsuchenden an den deutschen Grenzen, den damit einhergehenden verstärkten Grenzkontrollen und dem ausgesetztem Familiennachzug für subsidiär Geschützte sollen Geflüchtete davon abgehalten werden, nach Deutschland zu kommen. Gleichzeitig forciert die Bundesregierung Abschiebungen und zwang 2025 erstmals seit vielen Jahren auch wieder Menschen zurück nach Afghanistan und Syrien, wo die Menschenrechtslage schlecht ist.

Dobrindt präsentierte diese Politik der Härte nun als Grund für die zurückgegangenen Antragszahlen: „Das klare Signal aus Deutschland heraus, dass sich die Migrationspolitik in Europa geändert hat, ist in der Welt angekommen.“ Und weiter: „Kontrolle, Kurs und klare Kante wirken.“

Genau daran gibt es aber erhebliche Zweifel. Denn der massive Rückgang der Antragszahlen begann schon vor Dobrindts Amtsantritt im Mai. Auch im ersten Quartal 2025 lag die Zahl der Anträge schon um 45 Prozent niedriger als im gleichen Zeitraum 2024. Der Hauptgrund für den Rückgang ist wohl nicht die deutsche Innenpolitik, sondern vielmehr die sicherheitspolitische Lage im Nahen Osten. Ende 2024 stürzten syrische Rebellen den Langzeitdiktator Baschar Al-Assad und sein brutales Regime. Zwar gibt es weiterhin gravierende menschenrechtliche, politische und wirtschaftliche Probleme in dem Land, allerdings haben sich die Verhältnisse dort soweit stabilisiert, dass deutlich weniger Sy­re­r*in­nen das Land Richtung Europa verlassen.

Das klare Signal aus Deutschland heraus, dass sich die Migrationspolitik in Europa geändert hat, ist in der Welt angekommen.

Alexander Dobrindt, CSU

Rückgang auch in anderen europäischen Ländern

Gegen Dobrindts Behauptung, seine Politik habe die Flüchtlingszahlen gesenkt, spricht außerdem, dass die Antragszahlen auch in vielen anderen europäischen Ländern deutlich gesunken sind. EU-weit sank die Zahl der Erstanträge im ersten Halbjahr 2025 um 23 Prozent. Neuere Zahlen gibt es noch nicht für alle Länder.

Deutlich zu erkennen war aber bereits, dass der Rückgang der Erstanträge in jenen Ländern besonders deutlich war, die zuvor Hauptziel für syrische Geflüchtete waren, unter anderem weil es dort bereits große syrische Communities gibt. Deutschland steht hier an erster Stelle, aber auch Österreich verzeichnete einen Rückgang um über 30 Prozent. Schwächer war der Rückgang dagegen in Ländern, in die vor allem Menschen aus afrikanischen Staaten flüchten, etwa Italien und Spanien. Letzteres wurde im Verlauf des vergangenen Jahres auch zunehmend zum Ziel für spanischsprachige Menschen aus Venezuela, die vor der dort seit Jahren grassierenden Wirtschaftskrise flohen. Welche Auswirkungen die jüngste Militärintervention der USA dort nun hat, ist noch nicht auszumachen.

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4 Kommentare

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  • Dobrindt tanzt schon mal als Södernachfolger vor, für die Galerie der Springerpresse und ohne Substanz. Ihm sind bereits diverse sinnlose PR-Aktionen anzulasten, die Polizisten an der Grenze belasten. Wie schon damals als Generalsekretär oder Verkehrsministerdarsteller.



    Die SPD konnte das bereits ansatzweise, doch mit weniger Gepfaue dabei. Dobrindt sollte zeitig Botschafter in der Mongolei werden, dann täte Söder mal etwas Gutes.

  • Ja, aber gleichzeitig sind im letzten Jahr 100000 Familienangehörige per Visa nach Deutschland gekommen. Die zählen genauso wie Ukrainer nicht zu Asylsuchenden.

  • "Denn der massive Rückgang der Antragszahlen begann schon vor Dobrindts Amtsantritt im Mai."



    Ja und?



    Als ob erst schwarz-rot angefangen hätte die Grenzen härter zu kontrollieren...



    Die Tatsache stand doch erst vor wenigen Tagen in der taz, dass bereits nach dem Sommer 2015 die Abschottung sukzessive begann.



    Schon zum Ende von Merkels Amtszeit waren die Weichen in Europa und Deutschland umgestellt.



    Die Ampel hat diesen Weg konsequent fortgeführt - EU-Außenlager, Lybien Deals, Bezahlkarte - das sind alles Dinge die unter Scholz kamen, der sich im Übrigen als Abschiebekanzler gerierte und mit "Wir müssen endlich im großen Stil abschieben" in den Wahlkampf zog...



    Ist das alles schon vergessen?



    Als ob die Union allein für Abschiebungen wäre oder Deutschlands Grenzen geschlossen hätte...🙄



    Allseits rot-grüne Demenz hier oder was?



    Rot und Grün (und die mittlerweile obsolete FDP) haben auch ihren ganz gehörigen Anteil an Abschottung und Abschiebungen.



    Die Darstellung, dass nur die Union ein Interesse an Abschiebungen und massiver Drosselung der Zuwanderung verfolgt ist hanebüchen.



    Dobrindt und die Union führen nur mit Nachdruck weiter, wie die Felder ihnen bestellt wurden.

  • Gute Analyse. Lassen wir uns von Söders und Dobrints Populismus nicht blenden. Selbst im Ministerium ist er bekannt als Wendehals und nur aus auf Puplicity, damit es ihm alleine nütze. Daher auch die vielen Meinungswechsel in den zurückliegenden Jahren. Dobrint unterscheidet sich darin nicht wesentlich. Beide nutzen die politische Lage in Syrien für ihre eigene Puplicity, anstatt den Bürgern und Christen mit Wahrhaftigkeit gegenüber zu treten.