Spitze der Linkspartei: Ehling will weitermachen
Nach Ines Schwerdtner und Jan van Aken kündigt jetzt auch Bundesgeschäftsführer Janis Ehling an, beim Parteitag im Juni wieder anzutreten.
Der Wahlerfolg bei der Bundestagswahl, kontinuierliche Umfragewerte um die 10 Prozent und ein anhaltender Mitgliederzuwachs: Mit einiger Zufriedenheit schaut die derzeitige Linken-Spitze auf ihre im Sommer zu Ende gehende Amtszeit. Nach den beiden Vorsitzenden Ines Schwerdtner und Jan van Aken kündigt jetzt auch Bundesgeschäftsführer Janis Ehling an, beim kommenden Parteitag im Juni in Potsdam wieder anzutreten.
Angesichts wichtiger bevorstehender Wahlen müsse die Partei „noch viel mehr Menschen als bisher“ erreichen, sagte Ehling der taz. Dafür brauche es ein gut eingespieltes und führungsstarkes Team. „Das ist auch der Grund, warum ich erneut als Bundesgeschäftsführer antreten werde, um gemeinsam mit Ines und Jan die Projekte der nächsten Zeit anzugehen“, sagte der 41-jährige gebürtige Rostocker.
„Unser Einsatz gegen Heizkosten-Abzocke durch Vermieter, die freiwillige Begrenzung unserer eigenen Gehälter und der starke Mitgliederzuwachs haben der Partei Schwung gegeben – nach innen wie nach außen“, so Ehling. „Daran wollen wir anknüpfen.“ Schwerdtner und van Aken hatten bereits Ende Januar mitgeteilt, wieder zu kandidieren.
Wie die beiden Vorsitzenden wurde auch Ehling im Oktober 2024 in die Parteiführung gewählt. Damals sah es noch düster für die Linke aus: In den Umfragen um die 3 Prozent, gab kaum jemand mehr einen Pfifferling auf sie. An einen Wiedereinzug in den Bundestag glaubten höchstens noch ganz Hartgesottene. Im Rückblick erscheint der damalige Parteitag im sachsen-anhaltinischen Halle als ein Wendepunkt. Seitdem verzeichnete die Partei mehr als 76.600 Neueintritte und zählt inzwischen mehr als 123.000 Mitglieder. Bei der Bundestagswahl schaffte sie mit 8,8 Prozent ein sensationelles Comeback.
Ehling hat seinen Anteil an dem Aufschwung – anders als Schwerdtner und van Aken oder Fraktionschefin Heidi Reichinnek allerdings vor allem hinter den Kulissen. Sein Platz ist der Maschinenraum im Karl-Liebknecht-Haus, der Berliner Parteizentrale. Von dort organisiert er derzeit auch als Vorsitzender der Programmkommission die Arbeit an einem neuen Grundsatzprogramm. Es soll das in die Jahre gekommene Erfurter Programm von 2011 ablösen.
„Nach fast 15 Jahren müssen unsere Positionen auch mal auf den Prüfstand“, so Ehling. „Die Zeiten haben sich geändert, und wir müssen darauf Antworten geben.“ Mit den vielen neuen Mitgliedern stünde die Partei dabei vor einem spannenden inhaltlichen Prozess. Die Erarbeitung des neuen Programms soll bis Ende 2027 abgeschlossen sein und in einem Mitgliederentscheid münden.
Zunächst jedoch hofft die Linke, im März erstmalig auch in die Landtage von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz einzuziehen. Bei der Berlin-Wahl im September hat die Partei sogar Aussichten, stärkste Partei zu werden. Mit Blick auf Umfragewerte für die AfD weniger zuversichtlich schaut Ehling auf die ebenfalls im September stattfindenden Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. „Als Kind der Baseballschlägerjahre macht mir das Erstarken der Rechten große Sorgen“, sagte er. „Ich weiß genau, was auf dem Spiel steht.“
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