Spahns Schnelltest-Pläne: Gesundheitsminister im Glück

Jens Spahn hat sich beim Versprechen kostenloser Schnelltests zu weit aus dem Fenster gelehnt. Ein Zufall hilft ihm, den Fehler vergessen zu machen.

Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, nimmt an der Sitzung des Bundestags mit der Befragung der Bundesregierung teil.

Bundesgesundheitsminister Spahn hat einen Fehler gemacht Foto: Kay Nietfeld/dpa

Jens Spahn ist einer der talentiertesten konservativen Politiker seiner Generation. Eloquent, anschlussfähig an verschiedene Milieus, biegsam, aber nicht so weit, dass er je als bloßer Karrierist gelten würde. Der Gesundheitsminister hat nun einen Fehler gemacht, den man im Tennis unforced error nennt. Ein Fehler aus Mangel an Lässigkeit, Selbstüberschätzung oder Mangel an Konzentration. Und zwar in einer spielentscheidenden Phase.

Spahn hatte vollmundig kostenlose Schnelltests für alle ab dem 1. März angekündigt. Wir wissen nicht, ob diese Ankündigung aus Hybris entstanden ist oder aus dem übermächtigen Wunsch, seinen Namen mit guten Nachrichten in den Schlagzeilen verbunden zu sehen. Die Kanzlerin und die LänderchefInnen haben den löchrigen Plan jedenfalls kurzerhand kassiert und vertagt.

Auch dumme Fehler passieren mal – aber die Toleranz dafür ist beim Thema Lockdown und Pandemie derzeit verständlicherweise nicht sonderlich ausgeprägt. Die Gesellschaft ist nervös, mürbe und entnervt. Das bislang solide Image der Regierung als fähige Krisenmanagerin ist seit den Irritationen bei der Impfbeschaffung ohnehin angekratzt. Einen effektiveren Zeitpunkt, um das Vertrauen in die Weitsicht der Regierung für alle sichtbar zu ramponieren, hätte Spahn kaum wählen können.

Die Tests würden übrigens, wenn ein Viertel der Bevölkerung zwei Mal pro Woche getestet wird, knapp eine Milliarde Euro kosten. Pro Woche. Und sie wären wohl mit einer fürstlichen Entlohnung der Apotheken verbunden. Das all den Selbstständigen am Rande des Bankrotts zu erklären, würde möglicherweise sogar die bewundernswerten rhetorischen Fähigkeiten des Gesundheitsministers an ihre Grenzen bringen.

Als Spahn am Mittwoch im Bundestag Rede und Antwort stehen musste, gab es aufmunternden Applaus von der Union. Bisher hatte der vor Selbstbewusstsein und Karriereplänen strotzende Minister solche Unterstützung eher selten nötig. Sein Bild als Macher müsste nun mehr als nur einen Riss haben. Doch Spahn hat Glück: Am Mittwoch winkten die Behörden drei Coronaselbsttests durch, die man schon bald beim Discounter wird kaufen können. Das eröffnet die Aussicht, preisgünstiger und ohne Apotheker-Aufschlag zu dem zu kommen, was alle wollen. Nämlich trotz der aggressiven Virus- Mutationen endlich einen Weg zu vorsichtigen Öffnungen zu finden.

Neben diesem glücklichen Zufall hat Spahn noch eine mächtige, äußerst hilfreiche Verbündete, auf die eigentlich immer Verlass ist: die Vergesslichkeit.

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Stefan Reinecke leitet das Meinungsressort der taz und arbeitet als Autor im Parlamentsbüro mit den Schwerpunkten SPD und Linkspartei.

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