Forderung an cis Frauen: Queers nicht fallen lassen!
Mit dem Rechtsruck kümmern sich cis Frauen wieder stärker um sich selbst. Doch wo bleibt die Solidarität mit denen, die es am härtesten trifft?
Foto: Stefan Boness
H ey Ladys, Girls und Grrrls. Das ist eine Kolumne für cis Frauen im hetero Game, die Feminist*innen sind – das heißt in diesem Falle wohl tatsächlich: Feministinnen.
Wir sollten mal checken, wie queerfeministisch unser Feminismus noch ist. Mein Eindruck ist, er wird wieder binärer. Und das, obwohl alles immer queerfeindlicher wird – oder vielleicht gerade, weil alles immer queerfeindlicher wird?
Dass in der Politik queere Belange und der Schutz von queerem Leben kaum noch eine Rolle spielen oder queere Sichtbarkeit und trans Rechte sogar aktiv angegriffen werden, das ist der Druck von rechts, der Konservativen den Rückenwind für diesen Kulturkampf gibt. Konservative und Rechte sind aber ohnehin antifeministisch.
Mich sorgt, dass der feministische Diskurs sich verschiebt. Es geht mir hier nicht darum, TERFs anzupissen (also doch, immer gerne), sondern darum, dass viele Feministinnen aktuell Texte schreiben, Inhalte produzieren oder Aussagen treffen, die die Idee von Zweigeschlechtlichkeit untermauern oder zumindest nicht infrage stellen, auch wenn wir uns selbst als Allies queerer Communitys sehen.
Cis Frauen sind mit sich selbst beschäftigt
Der Kampf gegen Queerfeindlichkeit ist in den Hintergrund gerückt. Ein Grund dafür ist sicherlich eine Reaktion auf Frauenhass und die Manosphere. Auf einmal muss ich als cis Frau wieder meine Basics verteidigen. Weil die Fünfziger angerufen haben und ihre Rollenbilder in die Hirne von Milchbubis pushen, deren Telefone diesen Schund heutzutage direkt als Tiktoks weiter in die Öffentlichkeit kotzen können.
Dann sind da die sehr prominenten Fälle von Gewalt, die Frauen in Heterobeziehungen widerfahren ist und die die aktuelle Welle feministischer Wut prägen. Den Feind im eigenen Bett zu finden, bekommt berechtigterweise große Aufmerksamkeit. „Nicht alle Männer, aber immer ein Mann“ ist jedoch zwar ein catchy Slogan, steht aber mehr für Geschlechterkampf als für das Auflösen von Geschlechterrollen und Heteronormativität.
Die erzkonservativen, rechtsextremen, fundamentalistisch christlichen oder islamistischen Kräfte, die uns das Recht auf Abtreibung nehmen wollen, sind die gleichen, die das Selbstbestimmungsgesetz und die Ehe für alle bekämpfen. Diejenigen, die uns zu ihrem Besitz machen wollen, wollen queeres Leben vernichten.
Queers besonders betroffen
So viel Hass wir auch für jede noch so niedrigschwellige Äußerung pro Frauenrechte bekommen: Die Queers fallen zu lassen, macht uns in der konservativen Gesellschaft anschlussfähiger und ja – ich glaube, auch das ist ein Grund, warum die zunehmende Gewalt gegen Frauen im aktuellen feministischen Diskurs nur selten in Verbindung mit der zunehmen Gewalt gegen Queers, gegen trans Personen, Schwule und Lesben angeklagt wird.
Dazu kommt – und auch das ist Teil des Rechtsrucks –, dass aktuell auch viele Linke Queerfeminismus wie Intersektionalität als identitätspolitische Belange abwerten, die ihrer Meinung nach zu „woke“ (sic!) für den Kampf gegen rechts sind. Doch was lohnt der Kampf gegen rechts oder der Kampf gegen das Patriarchat, wenn wir als Erstes jene opfern, die zu den Gruppen gehören, die am meisten bedroht werden.
Unser Feminismus, unsere Solidarität und unsere Liebe müssen queerfeministisch und trans-inklusiv sein. Denn sagen wir mal so: Patriarchale Gewalt und Frauenhass sind trans-inklusiver als so manche FLINTA-Party. Wir müssen besser werden.
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