Transphobie im Basketball: Die Sache mit dem Menschenverstand
Basketballerin Sophie Cunningham will trans Athletinnen vom Frauensport fernhalten und holt den Kulturkampf in die WNBA. Donald Trump gefällt das.
Foto: Craig Mitchelldyer/ap
S ie sei „kein besonders politischer Mensch“, wenn überhaupt positioniere sie sich „ziemlich genau in der Mitte“ und ihr Anliegen habe sowieso nur etwas mit „gesundem Menschenverstand“ zu tun. So die Worte von Indiana-Fever-Star Sophie Cunningham. Nach der harten Kritik für ihre Aussage zu trans Sportlerinnen vor wenigen Tagen hat sie sich wohl veranlasst gefühlt, diese noch mal zu bekräftigen. Eine Aussage übrigens, die eins zu eins in die Kulturkampf-Agenda der MAGA-Leute passt. Und zugleich so gar nicht zu der eigentlich (für US-amerikanische Verhältnisse) eher linkspolitischen weltoffenen Haltung innerhalb der WNBA.
Aber was ist denn nun für die Aufbauspielerin Cunningham – blond, weiß, cis-weiblich, konservativ, bekennend christlich – „gesunder Menschenverstand“? Natürlich, es geht mal wieder um Schutz. Nein, nicht um den von trans Personen. Sondern vor trans Personen. Sie möchte junge Mädchen in der Umkleidekabine schützen, hatte sich Cunningham in diesem konkreten Fall in einem Interview mit ESPN geäußert. Junge Mädchen sollten ihrer Meinung nach im Sport nicht gegen „biologische Männer“ antreten müssen.
Klingt das nicht etwas random, solange es um gar keinen konkreten Fall geht? Vielleicht. Cunningham springt hier eben auf das Lieblingskulturkampfthema Trumps auf: trans Personen im Sport – und damit sind immer trans Frauen gemeint. Der US-Präsident hatte im vergangenen Jahr trans Athletinnen per Dekret die Teilnahme am Frauensport untersagt. Mit Erfolg. Ende Juni diesen Jahres bestätigte auch der Supreme Court, dass ein solcher Ausschluss rechtens sei. In den USA ist somit eine transphobe Aussage wie die Cunninghams durchaus eine legitime Meinung aus der Mitte der Gesellschaft.
Demo für Cunningham
Vonseiten der WNBA-Fans erntete die Fever-Spielerin viel Kritik, Zuschauer kamen mit trans Flaggen zu den Spielen. Doch es gab auch Zustimmung. Vielleicht nicht von vielen, aber dafür umso lauter. In Portland trafen sich als Reaktion einige Unterstützer zu einer Kundgebung vor dem Auswärtsspiel von Indiana Fever. „Thank you, Sophie!“ stand auf ihren Plakaten.
Indiana Fever verlor trotzdem gegen Portland Fire. Nach dem Spiel versuchte sich Cunnighams umstrittene Mitspielerin Caitlin Clark bei dem Thema rauszuhalten: „Unser Augenmerk liegt auf dem Basketball“, sagte die Starspielerin. Es sei Aufgabe der Ligen und Dachverbände, gemeinsam mit ihren Athletinnen nach Lösungen zu suchen.
Cunningham selbst könnte, nach ihrem Social-Media-Auftritt (über den ihr übrigens über 3,5 Millionen Menschen folgen) zu urteilen, fast schon als Tradwife durchgehen, wenn sie nicht zufällig Basketball auf höchstem Niveau spielen und zwischendurch spontan bei UFC-Events als Ringgirl auftreten würde. Sie ist eben eine Person aus der „Mitte der Gesellschaft“. Richtig bekannt wurde sie vor einem Jahr, als sie Sun-Spielerin Jacy Sheldon hart foulte, seitdem wird sie von Fans als „Vollstreckerin“ gefeiert.
Bei Instagram teilt sie aber lieber ihre friedlich-fromme Seite. „Die Prüfung, wie Christus zu lieben, besteht nicht darin, Jesus zu lieben. Sie besteht darin, Judas zu lieben.“ Steht da in einem Post. Und in dieser christlichen Tradition stehe sie auch gegenüber der Trans-Community. Sie habe nie auch nur ein einziges Mal gesagt, dass sie diese hasse, betonte sie. Und: „Ich denke, es gibt Platz für alle.“ Nur halt für manche nicht in bestimmten Umkleidekabinen.
Schließlich stellte sich auch Trump hinter Cunnighams Aussagen. Er ließ seine Pressesprecherin Karoline Leavitt mitteilen, dass die Kritik an der Starspielerin „lächerlich“ und „erstaunlich“ sei. Denn: „Wie Sie wissen, ist das ein Thema, das dem Präsidenten sehr am Herzen liegt – und den Amerikanern ebenfalls.“ Das ist natürlich alles völlig unpolitisch gemeint. Schließlich weiß jede:r: Wenn etwas die Entscheidungen aus dem Weißen Haus leitet, dann ist es wie bei Cunningham der „gesunde Menschenverstand“.
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