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Sexuelle Gewalt gegen ModelsGérald Marie erneut angezeigt

Sechs Frauen werfen Gérald Marie, dem Ex-Chef der Agentur Elite Model, Vergewaltigung und Menschenhandel vor. Warum sie dieses Mal etwas erreichen könnten.

Gérald Marie lacht glücklich in die Kamera. Er ist umringt von jungen Frauen, die T-Shirts mit der Aufschrift „Elite Model Look 2001“ tragen. Ein Wettbewerb für alle, die als Model entdeckt werden wollen. Schon damals galt Marie als der Harvey Weinstein der Modewelt. Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe und sexuellen Missbrauchs waren bekannt. Verurteilt wurde Marie bis heute nicht.

Als Chef des europäischen Zweigs der Modelagentur Elite war Gérald Marie einer der einflussreichsten Modelagenten der 1980er- und 1990er-Jahre. Er soll seine Machtposition über Jahrzehnte ausgenutzt haben, um sich sexuell an Models zu vergehen. Am Mittwoch erstatteten sechs Frauen in Paris Strafanzeige. Sie werfen ihm Vergewaltigung und Menschenhandel vor. Parallel beantragten sie einen zivilrechtlichen Prozess.

Schon Anfang Juni hatte das frühere US-Topmodel Carré Otis Strafanzeige gegen Marie erstattet. Auch sie wirft ihm vor, sie als Minderjährige Mitte der 1980er-Jahre vergewaltigt und zum Opfer von Menschenhandel gemacht zu haben.

Nicht das erste Mal

Otis hatte Gérald Maries Übergriffe bereits in ihrer Biografie 2011 öffentlich gemacht. Er habe sie in seiner Pariser Wohnung mehrfach vergewaltigt, schrieb sie. 2021 schloss sie sich gemeinsam mit 14 weiteren Frauen zusammen, die Marie ebenfalls beschuldigen. Die damals eingeleiteten Ermittlungsverfahren wurden wegen Verjährung eingestellt, da die mutmaßlichen Taten in den 1980ern und 1990ern begangen worden sein sollen.

Nun gibt es aber neue Entwicklungen: Im Mai entschied das höchste französische Gericht, dass die zivilrechtliche Verjährungsfrist bei sexuellem Missbrauch von Minderjährigen erst beginnt, wenn das damit einhergehende Trauma überwunden ist. Auf Instagram schrieb Otis, dass diese Entscheidung ihr ermöglicht habe, erneut gegen Marie vorzugehen. Der Anwalt sagte, das erneute Verfahren diene auch dazu, mögliche Opfer, die zum Tatzeitpunkt minderjährig waren, dazu zu ermutigen, sich dem Verfahren anzuschließen.

Auch für das französische Strafrecht wird aktuell diskutiert, die Verjährung bei Kindesmissbrauch komplett aufzuheben. Bisher haben Betroffene in Frankreich ab dem 18. Lebensjahr 30 Jahre Zeit, um rechtliche Schritte einzuleiten. Ähnliches gilt in Deutschland, was Betroffene ebenso wie Expertinnen, etwa aufgrund von Traumata, für zu kurz erachten.

Ära Epstein

Zu den neuen Anschuldigungen ließ Gérald Marie über seine Anwältin mitteilen, dass er die Anschuldigungen „kategorisch zurückweise“. So formulierte er es auch schon 2023 gegenüber dem US-amerikanischen Sender CBS. Damals fügte er hinzu, dass er zum „Sündenbock einer Ära“ gemacht würde, die vorbei sei.

Gérald Marie leitete die europäischen Geschäfte der Elite Modelagentur seit den 1980ern bis 1999. Die Agentur entdeckte einige der erfolgreichsten Topmodels: Cindy Crawford, Gisele Bündchen und Alessandra Ambrosio.

Die Vorwürfe gegen Marie gehen weit zurück. Bereits im Jahr 1999 veröffentlichte die Journalistin Lisa Brinkworth eine BBC-Dokumentation zu den Zuständen in der Modeindustrie. Laut Brinkworth habe Marie sie bei ihrer verdeckten Recherche sexuell missbraucht. Sie habe Material gesammelt, das die Schuld Maries beweise. Elite Models verklagte die BBC, einige Teile der Dokumentation mussten gestrichen werden.

Zuletzt forderte Brinkworth gemeinsam mit weiteren ehemaligen Models die Pariser Staatsanwaltschaft auf, die Verbindungen zwischen Gérald Marie und Jeffrey Epstein zu prüfen. Sie könnten Dokumente vorlegen, die eine Zusammenarbeit zwischen den beiden bewiesen.

Währenddessen soll Gérald Marie ein Luxusleben in seiner Wahlheimat auf Ibiza genießen.

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