„Sex Education“ und „Goop Lab“: Vulva – was war das nochmal?
Immer mehr TV-Serien beschäftigen sich mit weiblicher Sexualität. Doch den Unterschied zwischen Vagina und Vulva scheinen sie nicht zu kennen.
Foto: Netflix
Die Netflix-Serie „Sex Education“ ist die, die man sich als Teenager*in gewünscht hätte. Mit sympathischen Charakteren und viel Humor behandelt sie Themen wie Selbstbestimmung, Liebe, Coming-out und – wie der Titel verrät – sexuelle Aufklärung.
Im Mittelpunkt stehen der Schüler Otis Milburn (Asa Butterfield) und seine Mutter, die Sexualtherapeutin Jean (Gillian Anderson). Viele Themen, die ansonsten in Film und Fernsehen ausgespart werden, finden hier ihren Platz. Sei es Vaginismus, Fetische oder Geschlechtskrankheiten.
Gerade deswegen ist es enttäuschend, dass in der gerade erschienen zweiten Staffel weibliche Geschlechtsteile falsch benannt werden. In einer ihrer Seminare spricht Sextherapeutin Jean über die „Lustpunkte innerhalb der Vagina“ – nur um kurz darauf über den „Hauptlustpunkt, die Klitoris“ zu referieren. Problem ist nur: Die Klitoris ist kein Teil der Vagina, sondern der Vulva.
Ein Fehler, der nicht nur in der Popkultur, sondern auch im allgemeinen Sprachgebrauch oft vorkommt. Häufig werden die Begriffe synonym gebraucht – viele Männer, aber auch Frauen, können weibliche Geschlechtsteile nicht richtig benennen. Doch ohne die richtige Bezeichnung kann eine Auseinandersetzung mit dem Organ nicht stattfinden. Dabei ist es nach jahrhundertelangem Ignorieren der weiblichen Sexualität wichtig, es ins weibliche Selbstbild zu integrieren.
Auch US-Schauspielerin Gwyneth Paltrow hat nicht sonderlich viel Ahnung von dem „da unten“, also der weiblichen Anatomie. In einer Folge ihrer neuen Netflix-Dokuserie „The Goop Lab“ (einer neoliberalen Selbstoptimierungsendung, die nur dafür da ist, um für Paltrows Firma „Goop“ zu werben) erzählt Paltrow lang und breit über die Vagina. Das Problem: Sie meint eigentlich die Vulva.
Schließlich wird sie von Betty Dodson, einer 90-jährigen Feministin, die seit Jahrzehnten Workshops über weibliches Masturbieren gibt, unterbrochen: „Die Vagina ist nur der Geburtskanal. Wenn du über die Vulva sprechen willst – das sind die Klitoris, die inneren Schamlippen und der ganze gute Scheiß drumrum.“ So einfach ist das nämlich. Spätestens im Jahr 2020 sollten nicht nur Netflix-Serien, sondern auch die Gesellschaft in der Lage sein, die Dinge beim Namen zu nennen.
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