Workshop-Reihe „Viva la Vulva“

Lasst uns über Vulven reden!

Vulva, Mumu, Scheide? Es herrscht viel Unwissenheit über das weibliche Genital. Zwei Sexualpädagoginnen wollen junge Frauen nun aufklären.

Person mit rosa Perücke hält ein Schild hoch. Darauf steht in bunter Schrift: "Viva la Vulva".

Feminist*innen wollen die Vulva enttabuisieren Foto: dpa

„Ich habe einen Schniepi und du … du hast da Haut.“ – Als Taina Engineer von dem Gespräch mit dem kleinen Jungen erzählt, müssen alle lachen. Obwohl der Grund für die Sprachlosigkeit des Jungen ein ernstes Thema ist. „Kindern fehlen die Wörter, um weibliche Genitalien richtig zu benennen.“ Auf dem Teppich liegen Zeichnungen von verschiedenen Vulven, behaart und unbehaart, manchmal sind die inneren Schamlippen gut sichtbar, manchmal nicht. In der Mitte stehen Tee und Kekse. Die beiden Sexualpädagoginnen Taina Engineer und Nina Schernus leiten zum zweiten Mal die Workshop-Reihe „Viva la Vulva“ des Feministischen Frauengesundheitszentrums in Berlin. Das Ziel: eine gesundheitliche Selbsthilfe für junge Frauen.

In der ersten Sitzung soll es um die Tabuisierung der Vulva gehen. „Muschi“, „Möse“, „Lustgrotte“, „Scheide“ – die Teilnehmerinnen sammeln Begriffe, die im Alltag oft als Synonyme für weibliche Genitalien verwendet werden. Die klingen nicht nur abschätzig, sondern sind teils auch falsch. Genauso wie die meisten Abbildungen in Biologiebüchern.

„Die Klitoris wird da gern mal weggelassen“, sagt Schernus, „ist ja nicht wichtig für die Fortpflanzung.“ Genau da liegt das Grundproblem, sind sich alle einig: Die weibliche Sexualität und Lust spielen im Patriarchat nun mal keine Rolle. Da muss frau sich eben selbst helfen – im Selbststudium.

Also Filzstifte raus und mithilfe eines Querschnitts erst einmal alle Teile des weiblichen Genitals beschriften. Das ist wie eine kleine Zeitreise zurück in den Biologieunterricht. Es tauchen die schambehafteten Gefühle von damals auf, man könne etwas Falsches sagen, etwas nicht wissen. Schnell wird klar: Niemand weiß so richtig, was diese Vorhofdrüse da soll. Sie kann sich entzünden? Und tennisballgroß anschwellen? An diesem Abend wird immer wieder deutlich, wie viel man nicht weiß über das weibliche Genital.

Feminismus oder Mainstream?

Star des Abends ist die Klitoris beziehungsweise ein lebensgroßer 3-D-Druck von ihr. „Wunderschön“, ruft eine Teilnehmerin. Das möchte sie sich auf ein T-Shirt sprayen lassen. Der Rest ist begeistert.

Vor allem in feministischen Kreisen, aber auch im Mainstream erlebt die Vulva ein Revival als Kunstobjekt, ob als Kette, Tasche, Sticker oder Notizbuch: Die Vulva ist Trend. Davon profitieren auch große Markenlabels und andere patriarchale und kapitalistische Institutionen, die eigentlich schuld sind an der Tabuisierung und Verdrängung der Vulva.

„Kritisch sehe ich den Hype ohne Kritik“, sagt Schernus, „Aufmerksamkeit ja, aber bitte mit Inhalt und nachhaltig.“ Genau das wollen die beiden Frauen mit ihren Workshops erreichen. In vier weiteren Sitzungen sprechen sie auch über Gesundheit und Menstruation. Und leiten eine Selbstbetrachtung, so richtig mit Spiegel, wie in den 70er Jahren. Denn viele Frauen wissen gar nicht, wie sie „da unten“ eigentlich aussehen.

Einmal zahlen
.

Mit der taz Bewegung bleibst Du auf dem Laufenden über Demos, Diskussionen und Aktionen in Berlin & Brandenburg. Erfahre mehr

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben