Seilbahn als alternatives Verkehrsmittel: Bergedorf will es machen wie Paris
Der neue Hamburger Stadtteil Oberbillwerder könnte per Seilbahn ans Verkehrsnetz angebunden werden. In Paris gehe das schließlich auch.
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Mal eben in die Stadt gondeln: Das könnte sich in Zukunft für die Bewohner des Hamburger Stadtteils Oberbillwerder anbieten. Die SPD-Fraktion will am Donnerstag in der Bezirksversammlung Bergedorf eine Machbarkeitsstudie beantragen: Sie soll verschiedene Varianten prüfen, ob und wie eine Seilbahn Hamburgs 105. Stadtteil besser in das System des öffentlichen Nahverkehrs einbinden könnte.
Oberbillwerder ist für 15.000 Menschen auf der grünen Wiese vor den Toren Bergedorfs geplant. Das Bebauungsplanverfahren ist weit fortgeschritten, stockt aber aufgrund von Rechtsfehlern und weil sich eine Bürgerinitiative dagegen wehrt.
Ein Teil der Kritik an dem Projekt beziehe sich auf die Verkehrserschließung, sagt Heinz Jarchow von der Bergedorfer SPD‑Fraktion. „Das war für uns der Grund, darüber nachzudenken, ob man sich zur Anbindung an die Innenstadt ein alternatives Verkehrsmittel vorstellen könnte“, sagt der Bezirksabgeordnete.
Zwar hält die S-Bahn auf dem Weg vom Hamburger Hauptbahnhof zum Bahnhof Bergedorf quasi vor der Haustür. Weil die Linie aber schon jetzt gut ausgelastet sei und es oft zu Behinderungen, Ausfällen und Sperrungen komme, gebe es durchaus Bedarf an einer sicheren und zuverlässigen Alternative. „Bei einer Seilbahn laufen keine Personen auf der Strecke herum“, sagt Jarchow.
Seilbahn-Vorbild Paris
Inspiriert worden sei seine Fraktion durch die Inbetriebnahme der längsten Stadtseilbahn Europas vergangenen Dezember in Paris. In vielen Großstädten gebe es bereits Seilbahnen, etwa im bolivianischen La Paz, in Barcelona oder auch in London und allein in Frankreich in sechs Städten.
Die Pariser Seilbahn verlängert die U-Bahnlinie 8 in die Vororte. Sie bildet damit eine Ersatzlösung, die für fünf Stationen nur 138 Millionen gekostet hat. Eine entsprechende Metro-Verlängerung galt mit Kosten von einer Milliarde Euro als nicht finanzierbar.
Dafür ist eine Seilbahn auch nur ungefähr so leistungsfähig wie ein eng getaktetes Bussystem. Der Hersteller Doppelmayr, bekannt aus Europas Skigebieten, gibt für die Pariser Seilbahn 2.000 Personen pro Stunde und Richtung an – bei einer Taktdichte von 30 Sekunden.
Die Zehner-Gondeln sehen auch Platz für Fahrräder, Kinderwägen und Rollstühle vor. Die Beratungsgesellschaft PWC geht sogar von bis zu 6.000 Passagieren pro Stunde und Richtung aus, was deutlich über der Leistungsfähigkeit von Straßenbahnen läge. Eine S-Bahn schafft 20.000 bis 30.000 Personen pro Stunde und Richtung, bei sehr enger Taktung.
Die PWC-Studie listet eine Reihe von Vorteilen von Seilbahnsystemen auf: Sie lassen sich schnell bauen; die Investitionskosten liegen auf dem Niveau von Straßenbahnen und sie verbrauchen nur halb so viel Energie wie U- und Straßenbahnen. Von der Sicherheit her sind sie laut PWC unschlagbar: Während ein Bus alle 600.000 Kilometer einen Unfall hat, ist es bei der Seilbahn ein Unfall alle 17 Millionen Kilometer. Eine Studie der TU München weist in die gleiche Richtung.
Seilbahnen haben nur durch ihre Stationen und Pylone Grundberührung, benötigen also wenig Fläche. „Das ist eine Technik, die den Straßenraum freier macht“, sagt Jarchow. Damit lasse sich mehr Aufenthaltsqualität auf den Straßen schaffen. Allerdings mag sich mancher auch dadurch gestört fühlen, dass an eine an seinem Wohnzimmerfenster vorbeischwebt.
Der geringe Flächenverbrauch könnte allerdings auch weit über den Bergedorfer Vorschlag hinaus besonderen Charme entwickeln, weil in Hamburg seit Jahren darüber gestritten wird, ob der sehr teure Ausbau des U-Bahnnetzes der Weisheit letzter Schluss ist. Die Linke und ehemals auch die Grünen hielten den Aufbau eines Straßenbahnnetzes für sinnvoller.
Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
Damit könnten viel mehr Menschen fürs gleiche Geld in den Genuss eines schnellen und bequemen öffentlichen Verkehrsmittels kommen. Allerdings müsste dann dem Auto Straßenraum weggenommen werden, was politisch kostspielig ist.
Eine Seilbahn nach Oberbillwerder würde je nach Variante über weitere Strecken durchs Grüne führen. Prüfen lassen soll die Hamburger Verkehrsbehörde laut dem Antrag einen Anschluss an die U-Bahn-Endhaltestelle Mümmelmannsberg, an die S-Bahnstation oder an die Innenstädte von Hamburg und Bergedorf. Die Verkehrsbehörde beabsichtigt, die Beratung in der Bezirksversammlung abzuwarten und sich vorher nicht zu äußern.
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