Seenotrettung im Mittelmeer: Malta lässt 400 Menschen an Land
Die Flüchtlinge saßen seit Wochen auf kleinen Quarantäneschiffen vor der Küste fest. Die Regierung prangert mangelnde Solidarität in der EU an.
dpa | Nach internationalen Protesten lässt Malta mehr als 400 Migranten in den Hafen einlaufen. Die Menschen saßen meist seit Wochen auf kleinen Quarantäne-Schiffen vor dem Mittelmeerland fest. Zugleich warf die Regierung in Valletta den anderen EU-Staaten mangelnde Solidarität vor. „Die Regierung ist nicht gewillt, das Leben sowohl der Migranten als auch der Besatzung zu gefährden, angesichts der Tatsache, dass die Mitgliedstaaten der Europäischen Union bei der Übernahme keine Solidarität zeigen“, hieß es in der Mitteilung vom späten Samstag.
„Kein europäisches Land will diese Migranten aufnehmen, obwohl von Solidarität die Rede war“, schrieb die Regierung. Als erstes lief die ursprünglich als Touristenboot genutzte „Europa II“ in einen Hafen nahe Valletta ein, wie die Zeitung „Times of Malta“ am Sonntag berichtete. Das Schiff sei von zwei Patrouillenbooten begleitet worden.
Nach offiziell nicht bestätigten Berichten soll es zuvor eine Revolte der Migranten gegen die Besatzung gegeben haben. Maltas Regierung sprach von einer „schwierigen Lage“ an Bord. Sie hat vier Touristenboote gemietet, um Migranten außerhalb der eigenen Hoheitsgewässer für eine Corona-Quarantäne festzuhalten.
Hilfsorganisationen und die Menschenrechtskommissarin des Europarats, Dunja Mijatovic, hatten das Vorgehen scharf kritisiert. Sie forderten, die Menschen endlich an Land zu lassen. Die Regierung erklärte, es liefen weiterhin „intensive Verhandlungen mit anderen EU-Mitgliedstaaten über die Übernahme“.
Malta hatte sich zu einem nicht sicheren Hafen erklärt
Malta hatte sich ähnlich wie Italien in der Corona-Pandemie zu einem nicht sicheren Hafen für Migranten erklärt. Diese starten häufig in Booten von Libyen. Viele geraten in Seenot. Das EU-Land macht seit langem Druck auf Brüssel und andere Europäer, um Ankömmlinge schnell weiterschicken zu dürfen.
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