Schwere Kämpfe im Norden Malis: Rebellenoffensive gegen Russlands Präsenz
Die Koalition von Tuareg-Rebellen und Islamisten geht erneut in die Offensive. Sie will die Russen aus deren letzten Bastionen vertreiben.
Mali kommt nicht zur Ruhe, die herrschende Militärregierung mit ihren russischen Verbündeten gerät erneut in Bedrängnis. Seit Tagen führt die Koalition aus separatistischen Tuareg-Rebellen der FLA (Front zur Befreiung von Azawad) und der islamistischen Rebellengruppe JNIM (Gruppe für die Unterstützung des Islams und der Muslime), die große Teile Nordmalis kontrolliert, eine neue Offensive gegen die wenigen verbleibenden Militärbasen mit russischer Präsenz. Bereits Ende April hatten die Aufständischen in einem Großangriff, der von Anschlägen in Malis weit entfernt liegenden Hauptstadt Bamako begleitet war, die Stadt Kidal unter ihre Kontrolle gebracht, eine der drei Provinzhauptstädte Nordmalis.
Diesmal konzentrieren sich die Kämpfe auf die 120 Kilometer von Kidal entfernte Kleinstadt Anefis, wo sich eine Militärbasis befindet, in der russische Soldaten des Afrikakorps, der Nachfolgetruppe der einstigen Wagner-Söldnertruppe, zur Unterstützung von Malis Armee stehen. Anefis fiel am Samstag an die FLA, deren Kämpfer sich in den staubigen Straßen der Wüstenstadt filmen ließen. Die Militärbasis aber konnten die Tuareg-Kämpfer nicht einnehmen, sie wird belagert.
Aus der Provinzhauptstadt Gao, wo bis vor wenigen Jahren deutsche Bundeswehrsoldaten im Rahmen des mittlerweile beendeten UN-Einsatzes in Mali stationiert waren, setzte sich am Sonntag russische Verstärkung in Bewegung, um Anefis zurückzuerobern. Nach Berichten unabhängiger Militärexperten geriet die russische Kolonne 40 Kilometer vor Anefis in einen FLA-Hinterhalt. Sechs bis acht Militärfahrzeuge und mindestens ein Militärhubschrauber seien zerstört worden, gab die französische Nachrichtenagentur AFP entsprechende Berichte wieder. Der Rest der Kolonne habe daraufhin kehrtgemacht und sei nach Gao zurückgekehrt. Die FLA erklärte, sie habe „dem Feind schwere Verluste zugefügt“.
Seitdem setzt Malis Armee mit russischer Verstärkung auf Luftangriffe – unter anderem mit Drohnen, um die Rebellen aus Anefis zu vetreiben. An „strategischen Punkten“ der Stadt seien „mehrere Terroristen neutralisiert“ worden, hieß es am Montag in einer Erklärung der malischen Armee. Bilder, die von FLA-nahen Kanälen verbreitet wurden, zeigten Brände auf der Militärbasis von Anefis sowie malische Regierungssoldaten, die sich den Rebellen ergeben. Man habe Drohnen aus iranischer Produktion abgeschossen, hieß es weiter.
Ende April hatten die Russen sich zurückgezogen
Die Rebellen hoffen offenbar in Anefis auf eine Wiederholung ihrer Erfolge von Ende April. Damals hatten die Russen in den Städten Kidal und Tessalit die Waffen gestreckt und mit der FLA ihren geordneten Rückzug ausgehandelt, sehr zum Missfallen der malischen Regierung. Eine längere Belagerung der Militärbasis von Anefis wäre schwer zu überstehen, da die Vorräte an Lebensmitteln und vor allem an Trinkwasser begrenzt sind.
Ebenfalls ähnlich wie Ende April sind die Rebellenangriffe im Norden Malis von Anschlägen im Süden des Landes in der Nähe der Hauptstadt Bamako begleitet, um dort die Streitkräfte zu binden. So gab es einen Überfall auf ein Gefängnis und mehrere weitere Angriffe.
Die neue Großoffensive im Norden hatte sich seit Wochen angekündigt. Malis Militärregierung hatte sich seit Ende April kämpferisch gegeben, ein Kopfgeld auf die Führungen von FLA und JNIM ausgesetzt und Luftangriffe auf von Rebellen gehaltene Orte geflogen. Die Rebellen hatten wiederum Truppen zusammengezogen und nach Vermutungen von Experten sich neue moderne Ausrüstung beschafft – von wem, ist unklar.
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