Rausschmiss von Zweitwohnsitz-Bewohnern: Kurzsichtiges Herumschubsen

Es sind besondere Zeiten. Aber gerade jetzt sollte Schleswig-Holstein nicht diejenigen schikanieren, von deren Anwesenheit das Land sonst profitiert.

Ein Polizist winkt ein Auto an den Straßenrand

Das richtige Kennzeichen? Fahrzeugkontrolle im Corona-Zusammenhang Foto: Jens Büttner/dpa

Es kommen ja auch wieder bessere Zeiten. Wenn das Coronavirus erst seinen Schrecken verloren hat, also gerne früher als später, dann wird auch wieder Zeit sein – dafür, zum Beispiel, sich nicht herumzuschummeln um eine echte Abwägung rechtlicher Ansprüche.

Denn das scheint ja geschehen zu sein am Verwaltungsgericht in Schleswig: Es hatte nach eigenem Dafürhalten nicht genügend Zeit, sich wirklich damit zu beschäftigen, ob dieser oder jener schleswig-holsteinische Landkreis berechtigt war, Menschen rauszuschmeißen, die dort leben. Ja: leben, und sei es nicht das ganze Jahr; die währenddessen auch konsumieren und jene Steuern zahlen, die auf so ein Dasein erhoben werden.

Gut möglich also, dass die juristische Klatsche dann keinen Bestand hat, die das Gericht jetzt den gegen solches Herumgeschubstwerden klagenden Nicht-Landeskindern verpasst hat. Zumal spät am Montag die Kieler Landesregierung einen einheitlichen Umgang angeordnet hat mit Ferienimmobilien und denen, die drin wohnen.

Wenn das Virus erst besiegt ist oder wenigstens nicht mehr eine so unkalkulierbare Gefahr darstellt wie dieser Tage, dann werden die sonst ja so gern gesehenen Gäste und die, die von solchen Gästen profitieren – also die, die immer da wohnen, wo andere es nicht immer tun: Sie alle werden ja wieder miteinander auskommen müssen.

Nicht jede Pöbelei – und zu solchen soll es gekommen sein zwischen „denen“ und „uns“ in den touristischen Regionen – lässt sich per Erlass regeln oder per Gerichtsurteil. Es sind ja wirklich besondere Zeiten gerade, da liegen die Nerven bei vielen ums Entscheidende offener da als sonst, ist die Geduld noch etwas schneller ausgereizt, flüchtet sich mancher in einfache, in falsche Lösungen fürs sonst nicht zu fassende Geschehen; Stammesdenken und Abwehrreflexe gegen vermeintlich Fremdes, das erleben wir dieser Tage weiß Gott nicht nur im echten Norden.

Und doch: Wer in ruhigen, in von der Sonne beschienenen Zeiten gut von der Gastfreundschaft lebt, vor allem aber: wer das auch in Zukunft wieder tun will, nach dem gerade aufziehenden Sturm, der ist gut beraten, sie nicht als allererstes über Bord zu werfen.

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Wollte irgendwann mal Geisteswissenschaftler werden, ließ mich aber vom Journalismus ablenken. Volontär bei der taz hamburg, später stv. Redaktionsleiter der taz nord. Seit Anfang 2017 Redakteur gerne -- aber nicht nur -- für Kulturelles i.w.S.

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