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Surfwelle in Hamburg Irgendwie vergnügen können muss sich der Mensch

Kaija Kutter

Kommentar von

Kaija Kutter

Eine Wasserwelle für Surfer hat in Hamburg noch gefehlt. Sie belebt einen bisher eher öden Abschnitt des Elbufers und schafft Lebensfreude.

D enn das ist ein schönes Projekt, das die Lebensfreude fördert. Schon mal bodygesurft? Also einfach im Meer in eine brechende Welle eingetaucht, die Arme nach vorn, den Körper versteifen und sich dann mitziehen lassen bis ins flache Wasser. Surfen, mit und ohne Brett, liegend oder stehend, kann Menschen schon begeistern, wenn sie am Meer im Urlaub sind. Jemand, der diese Begeisterung teilt, will nun am Hamburger Hafen einen Ponton mit einer künstlichen Surfwelle ansiedeln.

Das Elbufer ist dank Industrialisierung und Küstenschutz überwiegend ohnehin nur noch eine Betonwüste. Alte Zeichnungen, wie belebt und vielfältig genutzt das Ufer früher mal aussah, lassen einen wehmütig werden. Heute ist der ehemalige Fischereihafen neben dem Parkplatz des Kreuzfahrtterminals ein öder Ort.

Sollte dort eines Tages jener Ponton stehen, auf dem Unternehmer Felix Segebrecht ein blaues Wasserbecken mit Welle und eine Gastronomie nebst Ausleihe für Surfbretter unterbringen möchte, wertet es den Ufer-Abschnitt angenehm auf. Spaziergänger, die von den Landungsbrücken bis zum Elbstrand nach Övelgönne wandern, haben hier üblicherweise eine optische Durststrecke zu überwinden. Künftig können sie stehen bleiben und Surfer bestaunen.

Gratis-Unterhaltung fürs Volk

Der Eisbach in München macht es vor. Nicht nur für die, die sich mutig auf die Welle schwingen, ist es dort interessant, sondern auch für jene, die einfach gucken. Und das soll hier auch kostenlos möglich sein. Das könnte ein reizvoller Ort werden, fürs Sehen-und-gesehen-Werden, eine Gratis-Unterhaltung fürs Volk.

Sicher, es ist ein kommerzielles Projekt. Eine Stunde Surfen soll einschließlich Ausleihe von Brett und Neoprenanzug ab 49 Euro kosten. Dabei teilen sich jeweils acht bis zehn Leute das Becken. Ein Surfer steht laut Felix Segebrecht, der selbst diesen Sport ausübt, immer nur wenige Sekunden auf dem Brett, länger könnte man sich gar nicht halten. Das Surfen auf der festen Welle sei aber viel einfacher als draußen im Meer, beteuert er. „Das kann jeder lernen.“ Geplant sei ein Spiel- und Trainingsplatz für Anfänger, Fortgeschrittene und Profis. Auch Surfangebote in Kooperation mit Sozialprojekten soll es geben.

Gebaut werden soll der Ponton, wenn die Behörden die Genehmigung erteilen, bei der Meyer-Floating-Solutions-Werft im finnischen Turku und dann mindestens 30 Jahre halten. Betrieben werden soll er mit gefiltertem Elbwasser. Für eine natürliche Welle im Fluss fehlt in Hamburg das Gefälle. Die Energie für das Hochpumpen des Wassers – laut Segebrecht wird nur halb so viel benötigt wie bei vergleichbaren Wellen – muss aber natürlich bezahlt werden. Und diesen Verbrauch kann man als überflüssig geißeln, andererseits benötigt auch jede Elbfähre und jede U-Bahn zum Hafen Energie.

Es sei, so verrät Segebrecht, auch ein Halbstunden-Ticket für 25 Euro geplant. Die halbe Stunde kostet dann immer noch so viel wie zweieinhalb Drinks an einer Beachbar. Doch irgendwie vergnügen können muss sich der Mensch. Und das Elbufer ist dafür der richtige Ort. Hamburgs Wasserkante zieht die Menschen aus den Vorstädten nun mal an. Mal ehrlich: Wer das Privileg genießt, hier nah dran zu wohnen, nimmt dafür ein bisschen Wasserzirkus gern in Kauf.

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Kaija Kutter

Kaija Kutter Redakteurin taz-Hamburg

Jahrgang 1964, seit 1992 Redakteurin der taz am Standort Hamburg für Bildung und Soziales. Schwerpunkte Schulpolitik, Jugendhilfe, Familienpolitik und Alltagsthemen.
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