Privatgeschäfte der Trump-Familie: Alle Hemmungen fallen gelassen
Seit Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus wuchs sein Vermögen um Hunderte Millionen Dollar. Kritiker sehen eine unzulässige Nutzung politischer Macht.
ap | Für die Familie von Donald Trump ist es finanziell noch nie so gut gelaufen wie jetzt. Das hat viel damit zu tun, dass der Milliardär seit gut einem Jahr wieder Präsident der USA ist. Während seiner ersten Präsidentschaft verzichtete die Trump Organization auf Geschäfte im Ausland – seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus hat sie bereits acht abgeschlossen. Und allein mit dem Verkauf einer Art Souvenirmünze mit dem Bildnis Donald Trumps verdiente die Familie in vier Monaten mehr als doppelt so viel wie in den vier Jahren der ersten Amtszeit mit dem Betrieb eines Luxushotels in Washington.
Es gibt etliche weitere Projekte der Trump-Familie, bei denen Kritiker Interessenkonflikte sehen. Sie macht Geschäfte in Staaten, die auf bestimmte Entscheidungen des Weißen Hauses hoffen, und investiert in Unternehmen, die von Aufträgen der US-amerikanischen Regierung abhängig sind oder die steuerfinanzierte Fördermittel beantragen.
„Alle Beschränkungen, die es während der ersten Amtszeit noch gegeben haben mag, scheinen nun vollständig verschwunden zu sein“, sagt Timothy Naftali, Historiker von der Columbia University. Und das wiederum sende auch ein Signal an künftige Präsidenten, warnt Julian Zelizer, der an der Princeton University Geschichte lehrt. Trump habe gezeigt, dass man „fürs Geldverdienen keinen politischen Preis zu zahlen“ habe, sagt er.
Trump bestreitet Beteiligung an Geschäften
Das Weiße Haus weist Vorwürfe bezüglich potenzieller Interessenkonflikte stets zurück und wiederholt immer wieder, dass das private Vermögen des Präsidenten in einem von seinen Kindern verwalteten Treuhandfonds liege und Donald Trump in die Geschäfte der Familie nicht involviert sei. Ähnlich stellt es auch die Trump Organization dar. Der Vorwurf, „dass Politik die Familie Trump bereichert“ habe, sei unbegründet, hieß es in einer Stellungnahme.
Viele der jüngsten „Deals“ der Familie werfen jedoch manche Fragen auf. In Katar entsteht ein Trump-Golfclub mit Luxusvillen – in Kooperation mit einem Unternehmen, das der Regierung des Emirats gehört. In Vietnam, wo laut einem Bericht der New York Times die Regierung Bauern von ihrem Land vertrieben hat, um Platz für ein Trump-Resort zu machen, wurde der Vertrag für das Projekt inzwischen vom stellvertretenden Ministerpräsidenten des Landes unterzeichnet. In Saudi-Arabien wird ein Trump-Resort am Roten Meer von einer Immobiliengesellschaft mit engen Verbindungen zu der dort herrschenden Familie gebaut.
Ob diese Geschäfte in irgendeiner Weise Einfluss auf politische Entscheidungen der USA gehabt haben oder noch haben werden, ist fast unmöglich zu sagen. Fest steht aber, dass diese Länder Dinge gewährt bekommen haben, die ihnen wichtig waren: Katar erhielt Zugang zu fortschrittlicher US-amerikanischer Technologie, für Vietnam gab es Zollerleichterungen und Saudi-Arabien durfte US-Kampfjets kaufen. Auch die Trump Organization kam auf ihre Kosten – sie erhielt Gebühren in zweistelliger Millionenhöhe.
Umstrittene Deals mit Kryptowährungen
Besonders umstritten sind zudem die Geschäfte der Trump-Familie mit Kryptowährungen. Tage vor der zweiten Vereidigung verkaufte Trumps Familie fast die Hälfte ihres Kryptounternehmens World Liberty Financial für 500 Millionen Dollar (424 Millionen Euro) an ein von der Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate kontrolliertes Unternehmen. Ein Staatsfonds des Landes nutzte den von World Liberty eingeführten Stablecoin für eine 2-Milliarden-Dollar-Investition in die Kryptohandelsplattform Binance. Kurz darauf erhielten die Emirate Zugang zu hoch entwickelten US-Chips. Und der wegen Geldwäschevergehen verurteilte Binance-Gründer Changpeng Zhao wurde wenig später von Trump begnadigt.
Erhebliche Einnahmen beschert World Liberty der Trump-Familie auch über den Verkauf von sogenannten Governance Tokens. Ein bekannter Käufer dieser Tokens ist der Geschäftsmann Justin Sun, der als ausländischer Staatsbürger einen US-Politiker nicht mit politischen Spenden finanziell unterstützen darf. Zwischen Trumps Wahl und seiner Vereidigung investierte Sun aber 75 Millionen Dollar in Tokens des Trump-Unternehmens. Einen Monat später wurde ein US-Verfahren wegen Betrugsvorwürfen gegen ihn ausgesetzt und vor wenigen Wochen schließlich gegen Zahlung von 10 Millionen Dollar eingestellt.
Und dann sind da noch die sogenannten Meme-Coins, die Souvenirmünzen, deren Verkauf wenige Tage vor der Amtseinführung im vergangenen Jahr startete. In den folgenden vier Monaten wurden darüber 320 Millionen Dollar generiert – der größte Teil davon floss laut dem Blockchain-Analyseunternehmen Chainalysis an Gesellschaften mit Verbindungen zur Trump-Familie. Die Käufer der Meme-Coins können anonym bleiben.
Söhne steigen bei Drohnenhersteller ein
Unterm Strich haben die geschäftlichen Aktivitäten der Trump-Familie das private Vermögen des Präsidenten laut Schätzungen des Wirtschaftsmagazins Forbes auf 6,3 Milliarden Dollar steigen lassen, 60 Prozent mehr als zum Zeitpunkt seines Amtsantritts. Und die Entwicklung scheint in diese Richtung weiterzugehen. Im März sicherten sich die beiden älteren Söhne des Präsidenten, Eric und Donald Jr., eine Beteiligung an einem Drohnenhersteller, der sich um Verträge mit dem Pentagon und mit den von Iran angegriffenen Golfstaaten bemüht. Die beiden Söhne haben auch Anteile an weiteren Unternehmen erworben, die für die Regierung arbeiten, darunter ein Hersteller von Raketenmotoren, ein Lieferant von KI-Chips und ein Datenanalyseunternehmen.
Auf mögliche Interessenkonflikte im Zusammenhang mit dem Drohnendeal angesprochen, sagte Eric Trump lediglich: „Ich bin unglaublich stolz, in Unternehmen zu investieren, an die ich glaube.“ Ein Sprecher von Donald Trump Jr. sagte, der Präsidentensohn halte bezüglich der Unternehmen in seinem Portfolio keine Rücksprache mit der Regierung. Der Präsident selbst gibt sich gelassen. Der New York Times sagte er im Januar in Hinblick auf mögliche Interessenkonflikte: „Ich habe festgestellt, dass es niemanden interessiert.“
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