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Preisexplosion bei der Fußball-WMWucher mit Weltmeisterschaft

Fuballfans erwarten immense Kosten bei der WM in den USA. Nicht nur die Preise für den öffentlichen Verkehr werden um ein Vielfaches erhöht.

Teure Anreise: Die Fahrt mit der Metro in das Stadion von New Jersey soll 150 Dollar kosten Foto: imago

I n weniger als zwei Monaten beginnt in den USA, Kanada und Mexiko die Fußballweltmeisterschaft der Männer. Doch die Vorfreude auf das Turnier, dass zum ersten Mal seit 1994 wieder in Nordamerika abgehalten wird, ist derzeit getrübt. Und das liegt nicht nur an den enttäuschenden Testspielergebnissen der US-Nationalmannschaft. Vielmehr sind es die enormen Kosten, mit denen Fußballfans beim Spielbesuch in den USA rechnen müssen.

Erst vergangene Woche schockte der US-Bundesstaat New Jersey mit der Ankündigung, dass ein Zugticket zum Stadion und zurück mit 150 Dollar (128 Euro) zu Buche schlagen werde. Das Stadion, das auch die Heimspielstätte der New York Giants und New York Jets aus der Footballprofiliga NFL ist, liegt knapp 16 Kilometer von New York entfernt in East Rutherford, New Jersey.

Doch bei NFL-Spielen kostet der Zug zum Spiel deutlich weniger, nämlich gerade einmal 12,90 Dollar (11 Euro). WM-Fans sollen also mehr als das Zehnfache für die gleiche Leistung bezahlen. New Jerseys demokratische Gouverneurin Mikie Sherrill, die erst seit Januar im Amt ist, verteidigte die Entscheidung der Verkehrsbetriebe. Sie erklärte, dass die Fifa Milliarden mit der WM verdienen würde, sich aber gleichzeitig weigere, die Gastgeber finanziell zu unterstützen. Laut New Jerseys Landesregierung würde ohne eine Preiserhöhung der Bundesstaat ein Minus von 48 Millionen Dollar verbuchen.

Die Fifa zeigte sich „überrascht“ von dieser Kritik und machte klar, dass der ursprüngliche Ausrichtungsvertrag vorgesehen hatte, dass Fans kostenlos die öffentlichen Verkehrsmittel im jeweiligen Spielort benutzen können. Erst nachdem mehrere Städte dies kritisiert hatten, wurde der Vertrag gelockert.

Auch Buspreise sind immens

„Der Fifa ist kein anderes Großereignis bekannt, welches zuvor im NYNJ Stadium stattgefunden hat – einschließlich anderer bedeutender Sportveranstaltungen, weltweiter Konzerttourneen usw. – bei dem die Organisatoren verpflichtet waren, für den Transport der Fans aufzukommen“, erklärte der Verband in einer Stellungnahme.

Wem der Zug zu teuer ist, der kann auf den etwas günstigeren Bus für 80 Dollar (68 Euro) ausweichen. Und sollte man vorhaben, in Stadionnähe zu parken, dann geht dies bei stolzen 225 Dollar (170 Euro) los. Doch nicht nur diejenigen, die ein Spiel in New Jersey sehen wollen, müssen bei der Anreise zum Stadion ordentlich blechen, auch Boston wird die Bahn- und Buspreise um das Vierfache anheben.

Und das sind wohlgemerkt nur die Transportkosten. Auch bei der Verpflegung vor und im Stadion werden Fans mit erhöhten Kosten rechnen müssen. Manche Austragungsorte, darunter auch New Jersey, denken darüber nach, die Umsatz- und Bettensteuer während der WM zu erhöhen.

Der demokratische Politiker Shaun Abreu, der im Stadtrat von New York sitzt, bezeichnete diese Pläne als „Preistreiberei“. Die Regierung in New Jersey betrachte die WM als eine Möglichkeit, „Geld zu scheffeln“, sagte er gegenüber dem Nachrichtenportal Politico.

Daran ist allerdings auch die Fifa nicht unschuldig. Eintrittskarten sind derzeit nur zu Wucherpreisen erhältlich. Während der letzten Verkaufsrunde im April wurden Sitzplätze für das WM-Finale für bis zu 10.990 US-Dollar (9.333 Euro) angeboten. Dies entspricht einer Steigerung von mehr als 70 Prozent über dem ursprünglichen Preis, der im Oktober zu Beginn des Ticketverkaufs galt.

Der einzige Trost für Fans sind aktuell fallende Hotelpreise. Nachdem die Preise nach der Gruppenauslosung im Dezember zunächst stark gestiegen waren, sind sie nun rückläufig. Hotelpreise sind laut Daten von Lighthouse Intelligence um ein Drittel gesunken. Grund für die schwächelnde Nachfrage seien die hohen Eintrittspreise, US-Präsident Donald Trumps ausländerfeindliche Politik und Rhetorik, sowie wirtschaftliche Bedenken, die sich aufgrund des Irankriegs noch verschärft hätten.

Wer kostengünstig ein WM-Besuch planen möchte, der sollte vielleicht auf Spielorte im Landesinneren der USA ausweichen. Auch Kanada und Mexiko könnten eine bessere Alternative sein.

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