Polnischer Roman von Dorota Masłowska: Bitte ekeln Sie sich nicht
In "Im Paradies" geht es um Existenzen, die sich entzweien, vereinen und auf sich selbst verweisen. Masłowska entfaltet in eine reigenartige Erzählung.
Warum Olaf Kühl ausgerechnet den Zwischentitel „Im Paradies“ für die deutsche Übersetzung der reigenartigen Erzählung Dorota Masłowskas auswählte, wird wohl sein Geheimnis bleiben, erschien der in seiner Erzählstruktur doch eher zerstückelte Roman 2024 in Polen unter dem Titel „Magiczna rana“ – „Magische Wunde“.
Eine ungleich passendere Überschrift für diese surreal-sprachliche Vorhölle, in die die Musikerin und das Enfant Terrible der polnischen Literaturszene Masłowskas ihre Figuren entsendet.
Zur Buchmesse in Leipzig 2026 erscheint wieder die Literataz – diesmal schon vorab in der wochentaz vom 14. März. Darin geht es um die neuen Bücher von Judith Hermann, Carla Hinrichs, Judith Holofernes, Siri Hustvedt, Michal Hvorecký, Hasan Kikić, Rinah Lang, Dorota Masłowska, Sophia Merwald, Quinn Slobodian, Eva von Redecker, Christoph Ribbat, Lukas Rietzschel, Kuku Schrapnell, Ben Tarnoff, Curtis Sittenfeld, Ronen Steinke, Yasemin Toprak, Michael Wildenhain. Alle Texte zur Buchmesse finden Sie in unserem Schwerpunkt auf taz.de.
Die Buchmesse in Leipzig geht von Donnerstag, 19.3, bis Sonntag, 22.3.
Die taz ist wieder mit einem eigenen Stand vor Ort, an dem in zahlreichen Talks mit Autor:innen diskutiert wird – live auf der Bühne in Halle 5 und als Stream im youtube-Kanal der taz.
Während jugendliche Stiefsöhne sich im Klo runterspülen, Mütter sterben, Hotels einstürzen, Affären enden, Einkaufszentren und Real-Estate-Investments sich auf ehemaligen KZ-Grundstücken in die Höhe recken und minderjährige Cousinen gebumst werden, entsteht zwischen den grausamen, genauen und weitgefächerten Worten der Autorin ein Sog, dem zu entkommen ähnlich unausweichlich unmöglich ist, wie den eingerissenen Fingernagel mit den Zähnen ganz abzuziehen, auch wenn Blut und sengender Schmerz schon lange vorher antizipierbar sind.
Dorota Masłowska: „Im Paradies“. Aus dem Polnischen von Olaf Kühl. Rowohlt Verlag, Berlin 2026. 160 Seiten, 24 Euro
Alles ist krass und alles ist abgestumpft, das ergibt schnell Sätze wie auf einem miesen Drogentrip. Doller geht nicht, der Mensch erträgt nur ein gewisses Maß an Eiter, Krieg und Sperma. Und so stolpert man über Geschichten über gebückte Existenzen, die sich entzweien, vereinen und auf sich selbst verweisen. Am Ende bleibt ein metallischer Geschmack im Mund und ein leicht entzündetes Hirn, doch „bitte ekeln Sie sich nicht, das ist eine magische Wunde. Sie wächst niemals zu, sie verheilt nicht. Das in ihr gebrannte Leid erneuert sich in einem fort, […]“
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